PfadnavigationHomeSportFußballGastgeberFußball als Volkssport oder wieder zurück in die Nische – die große Bürde von Team USAStand: 07:33 UhrLesedauer: 5 MinutenDie Fußball-WM in den USA wird für Fans wohl zur teuersten aller Zeiten: Die Preise für Verpflegung in den Stadien sind so hoch wie nie zuvor.Zum zweiten Mal sind die USA WM-Gastgeber. Für die Nationalmannschaft ist das eine Chance, die auch zur Bürde werden kann: Das Team soll helfen, dass aus Fußball endlich eine Volkssportart wird.Für Tim Ream ist die Aufgabe klar. Wenn er darüber spricht, wird schnell deutlich: Es ist eher eine Mission, auf die sich der Kapitän der US-Nationalmannschaft und seine Mitspieler begeben werden. „Wir haben die Chance, ganze Generationen zu inspirieren: Vom Kind bis zum älteren Fan, vom Hardcore-Fan bis zum Gelegenheitszuschauer – und sogar Menschen, die sich sonst gar nicht für Fußball interessieren“, sagt der 38-Jährige. Die WM im eigenen Land biete eine riesige Möglichkeit, den US-Fußball auf ein ganz neues Niveau zu heben – und das in jeder Beziehung.Endlich bietet sich wieder die Gelegenheit, aus dem Schatten der großen Sportarten, die nach wie vor die Massen begeistern und den Markt beherrschen, herauszutreten: American Football, Baseball, Basketball und Eishockey. Wenn es dem USMNT – dem United States Men’s National Team – gelingen sollte, eine gute WM zu spielen, ließe sich einiges an Boden gut machen. In der Publikumsgunst, in Bezug auf TV- und Sponsorenverträge – und damit langfristig auch im Hinblick auf die weitere Entwicklung von Soccer, wie der Fußball in den USA immer noch genannt wird.Dessen sind sich die Spieler, für die es am Samstag (3 Uhr, MagentaTV und im Liveticker bei WELT) in Inglewood bei Los Angeles ernst wird, wenn das erste Gruppenspiel gegen Paraguay ansteht, bewusst. Es geht darum, das Land zu vertreten, dessen internationale Wahrnehmung schon mal besser war – und gleichzeitig auch Vorurteile abzubauen. „Wir US-Spieler und Fans haben dieses Stigma auf der Welt, dass wir nicht wissen, wovon wir sprechen. Aber die Realität ist, dass es hier viel Liebe für den Fußball gibt“, erklärt Torwart Matt Turner.Profiliga war Voraussetzung für die WM 1994Es hat sich tatsächlich viel getan, seit 1994 erst- und letztmalig eine WM in den USA ausgetragen worden ist. Schon damals sollte der Fußball auf dem weltweit größten nationalen Sportmarkt mit einem Knalleffekt eingeführt werden – unter dem Namen Soccer bekam er tatsächlich einen Schub, weil es das US-Team bis ins Achtelfinale schaffte und dann denkbar knapp am späteren Weltmeister Brasilien scheiterte.Bereits 1993 war wieder eine landesweite Profiliga eingeführt worden. Das war damals Voraussetzung, um die WM zu bekommen. Daraus entwickelte sich 1995 dann die Major League Soccer (MLS). Es folgte ein Auf und Ab. Immer wieder wurden die Regeln geändert, um die Spiele vermeintlich spektakulärer zu machen. Es half wenig. Nach der ersten Saison sank das Zuschauerinteresse kontinuierlich. Bis 2003 machte die MLS einen Verlust von 350 Millionen Dollar. Vier Jahre später wurde das Reglement der Franchise geändert, sodass auch teure Stars wie David Beckham verpflichtet werden konnten.Lesen Sie auchIn den 2010er Jahren halfen neue Medienpartnerschaften, ehemalige Topspieler wie Kaka, Andrea Pirlo und Didier Drogba zu holen – was das Publikumsinteresse steigen ließ. Seit fünf Jahren kommen im Schnitt über 20.000 zu den Spielen. Lionel Messi, der 2023 zu Inter Miami wechselte, verstärkte die Wahrnehmung der Liga noch einmal. Aber von einem „Major Sport“ ist der Fußball noch weit entfernt.Von der Entwicklung der MLS profitiert allerdings auch die Nationalelf. Die meisten Nationalspieler wurden in den Akademien der US-Klubs ausgebildet, bevor sie nach Europa wechselten. 17 Spieler des Kaders stehen bei europäischen Profivereinen unter Vertrag – darunter sind einige Stammkräfte aus der Serie A oder der Premier League wie Weston McKennie (Juventus), Cristian Pulisic (AC Mailand) oder Chris Richards (Crystal Palace), Antonee Robinson (Fulham) und Tyler Adams (Bournemouth).USA haben in diesem Jahr drei von vier Testspielen verlorenDen Aufbau der aktuellen Mannschaft hat noch Gregg Berhalter eingeleitet. Bei der WM in Katar hinterließen die US-Boys einen guten Eindruck, auch wenn im Achtelfinale gegen die Niederlande Endstation war. Diesmal hat das Team, davon ist dessen Nachfolger Mauricio Pochettino überzeugt, mehr im Tank.Unter der Leitung des Argentiniers, der das Team 2024 übernommen hat, schaffte es die USA 2025 ins Finale des Gold-Cups, wo man Mexiko unterlag. Drei von vier Testspielen in diesem Jahr gingen zwar verloren – allerdings gegen Top-Gegner: 2:5 gegen Belgien, 0:2 gegen Portugal und zuletzt 1:2 gegen Deutschland. „So schmerzhaft es ist: Es ist der einzige Weg, besser zu werden und zu verstehen, wie die besten Teams der Welt spielen“, sagte Pochettino.Der Trainer hält sogar einen besonderen Coup nicht für ausgeschlossen. Auch wenn die Tatsache, dass es eine Heim-WM ist, für Druck sorgt. „Von Anfang an, als wir diese Herausforderung annahmen, haben wir uns gesagt: Lasst uns den ganzen Druck in eine Energiequelle umwandeln“, erklärte Pochettino der spanischen Zeitung El Pais. Im Übrigen gebe es eine Diskrepanz bei der Wahrnehmung der Mannschaft: Denn im Gegensatz zur Erwartungshaltung im eigenen Land habe die internationale Konkurrenz die USA kaum auf der Rechnung. „Extern existiert dieser Druck nicht, weil niemand die Vereinigten Staaten als Anwärter betrachtet“, so Pochettino: „Aber warum nicht?“ Marokko hat es 2022 schließlich auch ins Halbfinale geschafft.„Ein Gefühl der Selbstzufriedenheit, das ist im Fußball nicht gut“Um das vermeintlich Unmögliche möglich zu machen, hat er versucht, seinen Spielern Siegermentalität zu vermitteln – die seiner Ansicht nach im US-Sportsystem nur begrenzt vorhanden ist. Da es dort in den Profiligen, wie auch in der MLS, keine Absteiger gibt. „Wenn man diejenigen belohnt, die nicht gewinnen, kämpfst du nicht. Aber ein Gefühl der Selbstzufriedenheit, das ist im Fußball nicht gut“, sagte Pochettino. Anderthalb Jahre habe er benötigt, um das Mindset zu ändern.Christian Pulisic, der bereits vor elf Jahren nach Europa kam, und gelernt hat, sich gegen große Namen beim BVB, bei Chelsea und nun in Mailand durchzusetzen, weiß, wovon sein Trainer spricht. „Wir wollen das für uns, für unser Land. Wir haben gute, sehr gute Spieler in Topklubs auf der ganzen Welt. Wir haben eine gute Mannschaft und, yeah, wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um uns das selbst zu beweisen“, sagte er kämpferisch. Das klingt fast wie ein Versprechen.
Gastgeber: Fußball als Volkssport oder wieder zurück in die Nische – die große Bürde von Team USA - WELT
Zum zweiten Mal sind die USA WM-Gastgeber. Für die Nationalmannschaft ist das eine Chance, die auch zur Bürde werden kann: Das Team soll helfen, dass aus Fußball endlich eine Volkssportart wird.
Gastgeber USA: Das nationale Team unter Pochettino soll Soccer zur Volkssportart machen, verlor aber drei der vier Testspiele. Ein starkes Turnier könnte bedeutende TV-Verträge und Sponsorings bringen und Soccer in den US-Mainstream durchsetzen.













