Das größte Sportereignis der Welt hat begonnen, da wird sich Donald Trump doch sicher gleich zeigen. Er sitzt garantiert bald neben seinem Johnny, wie er Gianni Infantino gerne nennt, seinem „King of Soccer“. Der Fifa-Präsident hat dem US-Präsidenten im Vorlauf schon diverse Pokale mitgebracht, den Klub-Weltcup zum Beispiel und vor allem den Fifa Peace Prize. Man weiß inzwischen sogar, dass Trump mal Fußball gespielt hat, 1963/64 in der New York Military Academy. Aber der König von Amerika ist am ersten WM-Wochenende offenbar mit anderen Kämpfen beschäftigt.Das eine Terminproblem des Fifa-Friedenspreisträgers Trump besteht darin, dass er seit Ende Februar Krieg führt, und zwar gegen das WM-Teilnehmerland Iran. Am Freitag war seine Strategie da wieder mal etwas verwirrend, weil er erst verkündete, dass man in der Nacht „very hard“ gegen die Iraner zuschlagen werde, und das nächste Bombardement dann später absagte. Der US-Oberbefehlshaber verspricht jetzt zum soundsovielten Mal einen baldigen „Deal“ mit Teheran, da hat er für diesen Ballsport gerade wenig Zeit.Dieser Fifa-Friedenspreisträger ist überhaupt der erste WM-Ausrichter, der sich im Krieg befindet. Irans Auswahl hat sich für das Turnier sicherheitshalber in Tijuana, Mexiko, einquartiert statt, wie erst geplant, in Tucson, USA. Trump lässt auch gar keine oder nur ausgewählte Fans der WM-Nationen Iran, Haiti, Senegal und Elfenbeinküste ins Land. Immigranten aus Somalia nannte er „Müll“. Der somalische WM-Schiedsrichter Omar Artan, Afrikas Top-Referee 2025, wurde am Flughafen von Miami abgewiesen. Darauf wollte der Fifa-Friedenspreisverleiher Infantino keinen Einfluss haben, dabei kann er seinen Donald doch angeblich jederzeit sprechen.Zum ersten Match der amerikanischen Nationalelf am Freitag in Los Angeles gegen Paraguay hat Trump seinen Außenminister Marco Rubio entsandt. Vielleicht deshalb, weil das woke Kalifornien für den US-Präsidenten eine Art Ausland ist und in der Demokraten-Stadt L.A. ein unruhiger Empfang denkbar gewesen wäre. Bei den Basketballern der Knicks wurde er kürzlich im Madison Square Garden in Manhattan schallend ausgepfiffen.Außerdem hat sich der König von Amerika für diesen WM-Start eine andere Disziplin ausgesucht. Sie heißt Ultimate Fighting Championship, gekämpft wird mit Händen und Füßen, ein bisschen wie im alten Rom. „Das bedeutendste Sportevent aller Zeiten“, steht auf der UFC-Homepage.Moment, war das bedeutendste Sportevent aller Zeiten für Trump nicht diese Fußball-Weltmeisterschaft? Egal, wenn am Sonntag in Philadelphia noch Ecuador gegen die Elfenbeinküste spielt, dann prügeln sich am Weißen Haus jedenfalls Ilia Topuria und Justin Gaethje oder Alex Pereira und Ciryl Gane. UFC Freedom 250 nennt sich diese Veranstaltung, die offiziell zum 250. Geburtstag der USA stattfindet, aber in Wirklichkeit zu Trumps 80. Geburtstag am 14. Juni 2026.UFC statt WM, im Garten seiner Residenz ließ der Jubilar für 60 Millionen Dollar einen achteckigen Ring mit einem Dach namens The Claw (Die Kralle) aufbauen. Laut einer neuen Umfrage finden die Idee, Kämpfer in einen Käfig auf dem South Lawn zu schicken, zwar nur 16 Prozent der befragten Amerikaner gut. Es gibt auch eine Klage gegen UFC 250, für die Kläger ist dies „ein Vulkan der Korruption“. Trump, meint der Historiker Douglas Brinkley in der New York Times, verwandle das Weiße Haus „in eine Art Hulk-Hogan-Werbespot für einen extrem starken Energydrink“.Doch wer in den ersten Reihen auf der Tribüne sitzt oder vor dem Fernseher, der sieht bestimmt bestens, wie Blut spritzt. Zwischendurch schaut der WM-Gastgeber wahrscheinlich, wie das mit Iran weitergeht.