Start der Fußball-WM: Poesie und Bauchgefühl
Deutschland steckt im Reformstau, da kommt die Fußball-WM doch wie gerufen, um endlich mal alle Sorgen zu vergessen! Über die Zeit der schiefen Vergleiche und Binsenweisheiten.
Endlich wieder stumpfe Reime für stumpfere Fantasien
Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Mit seinem „Fußball-Sonett Nr. 4“ liefert der Schriftsteller Ror Wolf eine treffliche Analyse dessen, um was es während der 104 Partien der längsten Fußball-WM der Männer aller Zeiten in den nächsten fünf Wochen geht: die Verpollerung von Sprache. „Die spielen viel zu eng und viel zu breit“, heißt es da. Ist das lächerlich? Aber nein, Wolfs fußballerisches Klein-Klein bildet gelebte Sport-Wirklichkeit per Alltagspoesie ab: Eine kollektive Grammatikgemengelage, in der 80 Millionen friedfertige BürgerInnen „quasi“ über Nacht zu volltrunkenen Hooligans des Satzbaus werden.













