Die Wiedervereinigung machte Ostdeutschland zu einem der größten Modernisierungsprojekte Europas und zu einem der größten Investitionsfelder für westdeutsches Kapital – mit langfristigen Folgen: Knapp 40 Prozent der Dresdner Immobilien gehören Westdeutschen, in Halle sind es 23 Prozent. Deshalb lautet die entscheidende Frage bis heute: Wer profitiert eigentlich von den Erträgen der Modernisierung in Ostdeutschland, wer besitzt Ostdeutschland?
Die deutsche Einheit brachte den Ostdeutschen Freiheit, Demokratie und einen Lebensstandard, von dem viele 1989 nur träumen konnten. Was sie nicht brachte, war eine vergleichbare Beteiligung am Eigentum. Im Zuge des „Aufbau Ost“ wurden Städte saniert, Straßen gebaut, Innenstädte restauriert. Die Lebensverhältnisse verbesserten sich dramatisch. Und doch hält sich bis heute ein hartnäckiges Gefühl: Dass etwas Entscheidendes verloren ging. Dieses Gefühl hat weniger mit Löhnen zu tun als mit Eigentum.
Wer verstehen will, warum die wirtschaftliche Teilung Deutschlands auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung fortbesteht, muss über Vermögen sprechen. Über Häuser, Wohnungen, Grundstücke, Unternehmen. Wohlstand entsteht nämlich nicht allein durch Arbeit. Der Lohn für Arbeit sichert den Lebensunterhalt. Vermögen entsteht jedoch dort, wo Eigentum Erträge abwirft, an Wert gewinnt und generationenübergreifend weitergegeben wird. Wer daran nicht teilhat, kann zwar einigermaßen gut leben. Doch Einkommen allein reicht selten aus, um einen Vermögensvorsprung aufzuholen und die Resilienz zu erzeugen, die Sicherheit statt Vulnerabilität bedeutet und die aus „Wir kommen einigermaßen über die Runden“ ein „Ich muss mir keine Sorgen machen“ entstehen lässt.






