Curaçao: Kaktussuppe und Hühnchen-Käse-Auflauf„Blue Lagoon“ – klingt doch verführerisch, oder? Ist tatsächlich aber Teufelszeug. Ein Cocktail aus den frühen Achtzigerjahren, der Zeit der Halt- und Maßlosigkeit, die Zeit der bunten, süßen Drinks, der Zeit der Kopfschmerzen. „Blue Lagoon“ besteht aus Wodka, Sprite und Blue Curaçao – und hat eine ähnlich verheerende Wirkung wie „Grüne Wiese“. Das ist ein Cocktail, der in der DDR Kultstatus hatte und aus Sekt, Orangensaft und Blue Curaçao gemixt wurde.Womit wir beim Thema wären: Der erste Gegner der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft ist das Team aus Curaçao. Und alles, was wir mit dieser winzigen karibischen Fußballnation verbinden, ist der furchtbare, knallblaue Orangenlikör? Ist das nicht peinlich?Keshi Yena: Der „gefüllte Käse“ ist das Nationalgericht der karibischen Insel und stammt noch aus der niederländischen Kolonialzeit.AvilaJa, das ist es. Aber so viel mehr hat der kleine Inselstaat, der als autonomes Bundesland zum Königreich der Niederlande gehört und nur etwa 150.000 Einwohner hat, auf den ersten Blick auch gar nicht zu bieten. Karibisches Klima, schneeweiße Strände, türkisblaues Wasser – und eben der aus den getrockneten Schalen von Pomeranzen gewonnene Likör. Das vielfältige kulinarische Erbe bleibt den vielen Kreuzfahrttouristen und den anderen Besuchern der Antilleninsel meist verborgen. Es vereint holländische, indonesische, afrikanische, spanische und südamerikanische Einflüsse.Typisch für diese kreolische Mischung sind Gerichte wie der Ziegeneintopf Karitu Stobá, der Rindfleischeintopf Karni Stobá, die Kaktussuppe Kaduschi, die Sopa de Iguana mit Leguanfleisch, die frittierten gefüllten Teigtaschen Pastechi, der Kürbis-Pfannkuchen Arepa di Pampuna und vor allem die Nationalspeise Keshi Yena, eine wilde Mischung aus Käse, Hackfleisch oder Hühnchen, Gemüse, Rosinen, Oliven und Kapern, die im Ofen wie ein Auflauf gebacken wird.Auch Gouda-Rinden wurden verarbeitetDas Gericht stammt aus der Zeit der Sklaverei, als viele Menschen mit Lebensmittelresten kochen mussten und dabei auch die Rinden von holländischem Gouda verarbeiteten. Für ein hausgemachtes Keshi Yena mit Hühnchen braucht man 500 Gramm Hühnchenbrust, je eine grüne und eine rote Paprika, eine Zwiebel, zwei Sellerie, je 50 Gramm grüne Oliven in Scheiben, Rosinen, Kapern und Cashewkerne, vier Esslöffel Tomatenmark, ein Esslöffel Ketchup, ein Esslöffel Sojasoße, Butter und 500 Gramm mittelalten Gouda in Scheiben.Das Hühnchen 15 Minuten in Brühe kochen, herausnehmen und in kleine Stücke schneiden. Paprika, Zwiebel und Sellerie ebenfalls klein schneiden und mit dem Hühnchen wieder in die Brühe geben und weitere zehn Minuten kochen. Dann Oliven, Rosinen, Kapern und Cashewkerne hinzufügen und fünf Minuten weiter köcheln lassen. Nun die Brühe abgießen und die Masse mit Tomatenmark, Ketchup und Sojasoße vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Schließlich vier Suppentassen großzügig ausbuttern und den Boden und die Seiten mit Käsescheiben bedecken. Die Füllung in die Tassen geben, mit Käse bedecken und die Tassen bei 180 Grad 30 Minuten im Ofen backen. Ein wenig abkühlen lassen und dann vorsichtig auf Teller stürzen und warm servieren.Auch in den großen Hotels auf der Insel steht Keshi Yena mitunter auf den Karten, eigentlich ist diese deftig-rustikale Speise aber der Favorit der Einheimischen. Sie ist so populär, dass selbst die Pizzerien auf der Insel längst „Keshi Yena Style Pizza“ im Programm haben. Wer weiß, vielleicht lässt Nationaltrainer Dick Advocaat seinen Männern diesen Klassiker sogar vor dem Spiel gegen die Deutschen servieren.Elfenbeinküste: Kochbananen-Chips und dicke Maniok-KlößeDie Elfenbeinküste ist eine Herausforderung. Fußballerisch vielleicht sogar die größte, die in der Vorrunde auf die DFB-Elf wartet. Das ivorische Team hat dreimal den Afrika-Cup gewonnen, zuletzt 2024. Viele Spieler sind bei europäischen Spitzenteams in England, Frankreich und Italien unter Vertrag. Und die WM-Qualifikation absolvierten die „Elefanten“ souverän, ohne auch nur ein einziges Gegentor. Julian Nagelsmann und seine Jungs sollten gewarnt sein.Foutou: Die dicken Klöße gibt es überall in Westafrika, sie werden aus Kochbananen, Maniok oder anderen stärkehaltigen Wurzeln und Knollen gemacht.CuisineazHerausfordernd ist das westafrikanische Land aber auch im kulinarischen Sinn – und eine Warnung ist auch hier angebracht, denn die Ivorer essen sehr scharf. Pfeffer und Chili spielen in der Landesküche eine wichtige Rolle, scharf gewürzte Soßen und Eintöpfe sind überall verbreitet und beliebt. Geprägt ist die Küche der Elfenbeinküste durch die große ethnische Vielfalt der Bevölkerung und das große Angebot von tropischen Früchten und Gemüse-, Getreide- und Wurzelarten von Bananen, Papaya und Guaven über Mais, Hirse, Maniok, Süßkartoffeln und Kochbananen bis zu Zwiebeln, Tomaten, Auberginen, Avocados und Okra.Gegessen wird traditionell mit den Fingern oder mit Löffeln. Und überall im Land gibt es die sogenannten Maquis, einfache Straßenrestaurants, in denen Speisen unter freiem Himmel gekocht und serviert werden. Das vielleicht beliebteste Streetfood ist dabei Alloco: frittierte Kochbananen-Stücke, die als Snack oder Beilage gegessen werden. Wer es zu Hause ausprobieren will, nimmt drei oder vier sehr reife Kochbananen (die Schale sollte fast vollständig schwarz sein), schneidet sie in dicke Scheiben, würzt sie mit Salz und frittiert sie dann bei mittlerer Hitze goldbraun in Palmöl.Die Zubereitung ist ein KinderspielUnumgänglich ist in der Elfenbeinküste zudem Foutou, gewissermaßen die westafrikanische Version der Thüringer Klöße. Zubereitet werden diese Klopse aus verschiedenen Wurzeln, Knollen oder anderen stärkehaltigen Zutaten wie Yam, Maniok, Süßkartoffeln oder Kochbananen. Die Zubereitung ist ein Kinderspiel: Für eine Variante aus Maniok und Kochbanane schält man 500 Gramm Maniok und 250 Gramm grüne Kochbananen, schneidet sie in dicke Scheiben und kocht sie in Salzwasser in etwa 30 Minuten weich. Dann das Wasser abgießen und alles zu einem feinen Püree stampfen oder mixen und den Brei schließlich zu großen Knödeln formen.Gegessen wird Foutou mit verschiedenen Soßen aus Tomaten, Erdnuss oder Okra, aber auch als Einlage von deftigen Fleischeintöpfen. Für eine milde Tomaten-Kokos-Soße würfelt man zwei Gemüsezwiebeln, vier Knoblauchzehen und eine kleine Chilischote sehr fein und schwitzt sie zusammen mit zwei Esslöffeln Tomatenmark in einer Pfanne in Öl an, gibt je 400 Gramm pürierte Tomaten und Kokosmilch hinzu. Die Soße lässt man 15 Minuten köcheln, rührt dann nach Belieben gehackten frischen Koriander unter und schmeckt das Ganze mit Salz und Chiliflocken ab. Aber auch hier gilt die Warnung: Es kann sehr schnell sehr scharf werden.Ecuador: Marinierte Garnelen und gesalzenes PopcornIn Ecuador sind sie eine sehr beliebte Delikatesse, hierzulande eher als Haustier bekannt: Meerschweinchen sind niedlich, pflegeleicht – und durchaus schmackhaft. Vor allem in den bergigen und küstenfernen Regionen Südamerikas werden die Nager als traditionelle Proteinquelle geschätzt und meist im Ganzen gegrillt oder frittiert, in Peru und Ecuador werden dafür extra große Rassen, die sogenannten Cuys, gezüchtet. In Deutschland ist das – sagen wir mal – eher unüblich.Ceviche de Camarones: Statt Fisch werden für die ecuadorianische Variante des in ganz Südamerika verbreiteten Gerichts Garnelen mariniert.Picture AllianceVor der heimischen Fußball-WM 2006, bei der die deutsche Elf schon einmal in der Vorrunde gegen die Ecuadorianer antreten musste und am Ende zu einem ungefährdeten 3:0 kam, äußerten sich sogar die Betriebskrankenkassen zu dem Thema. Aus Rücksicht auf Kleintierzüchter und empfindsame Kinderseelen könne man den Genuss von gebackenen oder gebratenen Meerschweinchen ausdrücklich nicht empfehlen, hieß es damals. Und weil sich die deutschen Sitten seither in Sachen Nagetier-Konsum nicht wesentlich geändert haben, wollen wir uns bei unserem Blick auf die kulinarischen Spezialitäten des letzten deutschen Gruppengegners auch lieber auf die zweite Nationalspeise des Andenstaates richten: auf Ceviche.Mehr eine kalte Suppe als ein SalatIn den Mainstream hat es dieses lateinamerikanische Gericht hierzulande zwar noch nicht geschafft, aber für ein Essen, das in Deutschland vor ein paar Jahren noch fast unbekannt war, hat Ceviche es inzwischen zu erstaunlicher Popularität gebracht. Ursprünglich stammt die Zubereitungsart – also mit Zitronen- oder Limettensaft marinierte rohe Fischwürfel oder Meeresfrüchte, die mit Chili, Maiskörnern, Zwiebeln, Süßkartoffeln und Koriander serviert werden – aus Peru. Aber auch in Kolumbien, Chile und eben Ecuador gibt es viele Varianten und Liebhaber dieser für europäische Gaumen mitunter ziemlich säuerlichen und scharfen Vorspeise.Statt mit frischem Fisch wird das ecuadorianische Ceviche meist mit rohen oder ganz kurz vorgegarten Garnelen zubereitet und mit deutlich mehr Soße serviert als in den Nachbarländern. Mitunter ähnelt das typische Ceviche de Camarones daher eher einer kalten Suppe als einem Salat. Die Zubereitung ist tatsächlich sehr einfach: Für 500 Gramm Garnelen braucht man fünf sehr reife Tomaten, zwei große rote Zwiebeln, vier Limetten, eine Orange, eine große rote Chilischote, ein Bund Koriander, drei Esslöffel Olivenöl sowie etwas Salz.Zunächst werden die Garnelen, falls sie roh sind, für zwei Minuten in Salzwasser blanchiert und dann abgeschreckt und abgetropft. Die Zwiebeln werden in kleine Ringe geschnitten und zehn Minuten lang in Salzwasser gelegt, um sie milder zu machen. Dann die Tomaten enthäuten, entkernen und in sehr kleine Stücke schneiden. Außerdem die Chilischote in sehr feine Ringe schneiden. Schließlich noch die Orange und die Limetten auspressen, den Koriander fein hacken und alles zusammen mit dem Olivenöl in eine große Schüssel geben, vermengen, mit Salz würzen und mindestens eine Stunde im Kühlschrank ziehen lassen. Vor dem Servieren in tiefen Tellern noch einmal vermengen und gegebenenfalls nachwürzen.Die Ecuadorianer knabbern zu ihrem Ceviche de Camarones am liebsten Kochbananen-Chips oder gesalzenes Popcorn. Europäer können es auch mit Kartoffelchips oder Baguette versuchen – laufen dabei aber ins Abseits. Zenloop Survey