Die Deutschen werden es mit vielen gelben Trikots zu tun bekommen, wenn sie am 25. Juni in New Jersey die Vorrunde dieser WM beschließen. Ecuador gehört zu jenen südamerikanischen Nationalmannschaften, die zu ihren Spielen sehr zahlreich begleitet werden – nicht zuletzt hier in den USA, wo mehr als 800 000 Landsleute leben. Die Tribünen im Stadion von Philadelphia waren am Sonntagabend weitgehend mit gelb gekleideten Menschen belegt, obwohl ihr Team als nominelles Gästeteam in Weiß-Blau auflief.So eindeutig sind die Sympathien in dieser Arena sonst nur verteilt, wenn die einheimischen Eagles Football spielen, in Grün. Für die Elfenbeinküste in ihren orangen Trikots und ihren vergleichsweise überschaubaren Anhang unter den 68 000 Zuschauern war das ein Auswärtsmatch, so ähnlich könnte es auch für die DFB-Elf werden. Allerdings kam dann die 90. Minute, und auf einmal wurde es recht still. Denn Amad Diallo schoss den Ball nach einem verblüffend langen Lauf auf rechts außen und präzisen Querpass von Innenverteidiger Wilfried Singo links unten ins Tor, Endstand 1:0.Deutschland bei der Fußball-WM:Hurra, ein locker-fluffiger AuftaktsiegDiesmal kein verpatzter WM-Start: Beim 7:1 der deutschen Nationalelf gegen Curaçao treffen sechs unterschiedliche DFB-Spieler – und ein paar Ideen von Bundestrainer Nagelsmann gehen auf.Sein Trainer Emerse Faé hatte den Stürmer von Manchester United in der 58. Minute für Bazoumana Touré aus Hoffenheim eingewechselt, eine gute Idee. Bis zu seinem etwas überraschenden Treffer sah es trotz aller Möglichkeiten doch sehr so aus, als würde zum ersten Mal bei diesem Turnier eine Partie torlos enden. „Sí se puede“, sangen die Ecuadorianer und Ecuadorianerinnen, das ist die ecuadorianische Version von „Yes we can“, und ja, ihre Männer unten auf dem Rasen hätten schon gekonnt.Kapitän Enner Valencia, 36, traf den Pfosten, John Yeboah und Alan Minda trafen die Latte, ebenso wie gegenüber Elye Wahi. Da hätten ohne Weiteres ein paar Tore fallen können, das werden sich Bundestrainer Julian Nagelsmann und seine Auswahl noch mal genau ansehen. Wer von diesen zwei restlichen Gruppengegnern ist nun der bessere? Schwer zu sagen, jedenfalls sind beide Rivalen erwartungsgemäß bedrohlicher als Curaçao, auch wenn die Neulinge von der Karibikinsel schon einmal mehr getroffen haben als Ecuador.Und es gibt weitere Gewissheiten. Eine davon ist die, dass Deutschland jetzt am kommenden Samstagnachmittag in Toronto zum Spitzenspiel der Gruppe E gegen die Elfenbeinküste antritt. Außerdem dürfte so ziemlich jedem Augenzeugen aufgefallen sein, dass der interessanteste Mann des nächsten Widersachers die Rückennummer 11 trägt. Wobei das keine sonderlich überraschende Erkenntnis ist, denn die Nummer 11 der Elfenbeinküste heißt Yan Diomande.Diomande ist gegen Ecuador überall zu findenSein Nachname klingt sicher nicht zufällig wie Diamant. Dieser 19 Jahre alte Hochbegabte steht bei RB Leipzig unter Vertrag, wie Freunde der Bundesliga wissen, sein Marktwert beträgt laut transfermarkt.de 90 Millionen Euro, mit grünem Pfeil nach oben, der mögliche Preis scheint noch wesentlich höher zu liegen. Die Tendenz ist bei seinem WM-Debüt weiter gestiegen, der FC Liverpool hat in ihm einen Nachfolger für Mo Salah entdeckt.Diomande war links und rechts zu finden, er trickste und schlug Flanken. Er war kaum zu halten, auch nicht von Ecuadors Piero Hincapié, vormals Bayer Leverkusen, inzwischen FC Arsenal. So ein wendiger Flügelstürmer scheint ihm in der Premier League nicht begegnet zu sein, Hincapié hatte dort und in der Champions League eine ausgezeichnete Saison. Natürlich wurde Diomande zum Man of the Match gekürt, wer hätte es sonst sein sollen.Er ist der Blickfang in einer kompakten Riege, die vor allem in der ersten Halbzeit das Glück hatte, dass Ecuador dreimal die Torbegrenzung im Weg war. „Das heute ist wirklich schade“, sagte Ecuadors Angreifer Gonzalo Plata, angestellt bei Flamengo in Rio de Janeiro. „So etwas kommt eben vor. Wir haben angegriffen, das Spiel dominiert, Chancen herausgespielt – wir waren nicht unterlegen.“Kontrolliert hätten sie das Spiel und mindestens ein Unentschieden verdient gehabt, fand Sebastián Beccacece, der argentinische Trainer Ecuadors. „Klar tut das weh“, berichtete ebenfalls mit dem Akzent Argentiniens sein Torwart Hernán Galíndez, geboren wie Lionel Messi vor ungefähr 39 Jahren in Rosario, aber 2019 in Ecuador eingebürgert. Er habe in seiner Karriere allerdings schon schlimmere Momente erlebt.Auch Galíndez verwies darauf, wie viel Kraft die Begegnung gekostet habe. Das Ensemble der Elfenbeinküste ist körperlich enorm stark, darauf dürfte ihr nächster Gegner vorbereitet sein, Nagelsmann weiß um die Physis der Afrikaner. Sein Kollege Emerse Faé machte nach Diallos Tor in letzter Minute einen beachtlichen Sprung aufs Feld, so hoch ist er wahrscheinlich seit seinen Zeiten als Profi in Nantes und Nizza nicht mehr gesprungen.DFB-Team:Für Browns Karriere bräuchten andere eine ZeitmaschineAb in die Zukunft: Nathaniel Brown überzeugt in seinem erst sechsten Länderspiel in allen Disziplinen, nun auch mit Flanken. Der FC Bayern darf sich in seinem Interesse bestätigt fühlen.Seit eineinhalb Jahren coacht er die Elfenbeinküste, diese Zeit habe ihm geholfen, sich mit seiner jungen Mannschaft zurechtzufinden und, wie er es nennt, „eine kollektive Struktur aufzubauen“. Beim Afrika-Cup in Marokko hatten sie enttäuscht, bei der WM haben sie große Pläne. Es werde schwer gegen Deutschland, „aber wir werden auf Sieg spielen“, sagte Faé. „Wir versuchen, die deutsche Mauer einzureißen“, den Plan hatte schon lange niemand mehr.Germany? „Sehr gutes Team“, lobte auch Seko Fofana, der Mittelfeldspieler aus Porto. „Die haben sehr starke Spieler, aber wir haben die Power und versuchen den Unterschied zu machen.“ Was außer der Hoffnung für die nächsten Spiele bleibt Ecuador, dem knappen Verlierer? „La Tri“ musste trotz ihrer Torchancen punktlos abreisen, aber ihre Fans haben Philadelphia erobert. Sogar die Statue von Rocky Balboa, oben auf der berühmten Treppe aus dem Film, vor dem Philadelphia Museum of Art, trug in diesen Tagen ein gelbes Trikot.
Nächster DFB-Gegner: Die Elfenbeinküste ist weitaus bedrohlicher als Curaçao
Nach dem Sieg gegen Ecuador kommt es am Samstag in Gruppe E zum Spitzenspiel gegen Deutschland.












