KommentarGewalt in Belfast: Wie viele Warnzeichen brauchen die britischen Politiker noch?Wütende Männer brennen Häuser von Immigranten in Belfast nieder, nachdem ein Asylbewerber aus dem Sudan einen Briten brutal angegriffen hat. Der Gewaltausbruch ist inakzeptabel. Doch er erinnert die führenden Politiker an ihre nie eingelösten Versprechen.11.06.2026, 12.24 Uhr3 LeseminutenBrandstiftung und Gewalt von Randalierern richten sich gegen Immigranten in Belfast.Peter Morrison / APBelfast hat eine weitere unruhige Nacht erlebt. Gruppen vermummter Männer zogen durch die Strassen der nordirischen Hafenstadt, jagten schwarze Personen und zündeten Autos, Geschäfte und Wohnhäuser an, in denen sie Immigranten vermuteten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Trotzdem lösten ihre schrecklichen Taten spontane Proteste aus, die sich wegen der Herkunft der Täter gezielt gegen Einwanderer richteten. Britische Regierungspolitiker in London und Belfast verurteilen die jüngsten Proteste zu Recht. Brandstiftung und konzertierte Angriffe auf Menschen jedweder Hautfarbe sind vollkommen inakzeptabel.In Grossbritannien hat nach dem jüngsten Vorfall eine Debatte darüber begonnen, wie der Sudanese nach Belfast gelangt war. Er war aus Frankreich mit dem Flugzeug nach Dublin geflogen. Von dort reiste er mit dem Bus weiter nach Belfast, wo er um Asyl bat. An der Einreise ins Königreich hatte ihn niemand gehindert, da die Grenze zwischen Irland und Nordirland grundsätzlich offen ist.Das ist mit guten Gründen so, um die Staatsgrenze auf der Insel möglichst unsichtbar zu machen – ein wichtiger Teil der Versöhnung nach dem schrecklichen Nordirlandkonflikt des letzten Jahrhunderts. Nur 2,5 Prozent der Asylbewerber im Vereinigten Königreich halten sich in Nordirland auf. Eine Einschränkung der Reisefreiheit auf der Insel wäre deshalb unverhältnismässig, zumal die Polizei durchaus punktuell Kontrollen im Grenzgebiet durchführt und illegal Einreisende stellt.Die Details über den Mann und seinen Asylantrag sind nicht öffentlich bekannt. Doch allein der Umstand, dass sein Asylantrag angenommen wurde, verweist noch nicht auf einen Fehler des Systems. Im Sudan tobt seit Jahren ein Krieg, dem nach Schätzungen bisher zwischen 150 000 und 300 000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Millionen sind auf der Flucht. Dass der Antrag des Sudanesen erst einmal zur weiteren Prüfung angenommen wurde, entspricht der Logik des Asylwesens. Ob er schon zuvor aufgefallen war und von den Einwanderungsbehörden als möglicher Gefährder hätte erkannt werden müssen, ist nicht bekannt.Die Einwanderung ist vielen zu hochDieser Einzelfall eignet sich schlecht, um ein Versagen des britischen Grenzschutzes oder des Asylwesens zu belegen. Die früheren Mordtaten von Southampton wurden gar nicht von Asylbewerbern begangen. Dennoch verweist die heftige Reaktion eines Teils der Bevölkerung in allen drei Fällen auf einen grossen Unmut gegenüber Migranten sowie einen Vertrauensverlust gegenüber den Behörden.Dieser ist nicht unbegründet. In den letzten drei Jahrzehnten stieg die Einwanderung auf historisch nie gesehene Ausmasse. Allein in den letzten 15 Jahren wuchs die Bevölkerung Grossbritanniens um 5,5 Millionen Menschen oder fast 9 Prozent. Wiederholt versprachen Politiker vor Wahlen ein radikales Eindämmen der Einwanderung, und immer brachen sie ihr Versprechen nach der Wahl.Nur etwa ein Zehntel der Einwanderer sind Asylbewerber. Dennoch ist der Konsens weit verbreitet, dass das britische Asylwesen häufig missbraucht werde. Wer mit einem Schlauchboot von Frankreich über den Ärmelkanal nach Südengland übersetzt, tut dies nicht, weil sein Leben in Frankreich bedroht wäre. Sondern weil er sich andere Vorteile davon verspricht. Trotz etlichen Bemühungen haben die britischen Behörden diese Asylmigration nicht in den Griff bekommen. Ideen gibt es, bis hin zur Deportation solcher Asylbewerber, doch bisher konnte sich keine Regierung zu den dafür nötigen Gesetzesänderungen durchringen. Das verärgert zu Recht viele Briten. Gewalt und Brandstiftung rechtfertigt es freilich nicht.Die nationalkonservative Protestpartei Reform UK von Nigel Farage verspricht eine Verschärfung des Asylrechts und eine drastische Reduktion der Einwanderung. Sie ist laut Umfragen momentan die weitaus beliebteste Partei Grossbritanniens. Die traditionellen Regierungsparteien müssten eigentlich längst die Dringlichkeit glaubwürdiger eigener Schritte erkennen.Passend zum Artikel
Brennpunkt Belfast: Gewalt zeigt Versäumnisse britischer Politiker
Wütende Männer brennen Häuser von Immigranten in Belfast nieder, nachdem ein Asylbewerber aus dem Sudan einen Briten brutal angegriffen hat. Der Gewaltausbruch ist inakzeptabel. Doch er erinnert die führenden Politiker an ihre nie eingelösten Versprechen.












