InterviewDer Schauspieler Anatole Taubman sagt vor dem WM-Start: «Fussball ist Religion. Und in der Religion wird verherrlicht»Der Fussball bedeutet Taubman alles: Er war Anker in der schwierigen Kindheit und vereinigt heute die Werte, die ihm wichtig sind. Der Schauspieler verteidigt die Fifa, lobt Granit Xhaka und sagt, wie er den Wunsch seines Sohnes nach einem Yamal-Shirt torpedierte.11.06.2026, 05.30 Uhr11 Leseminuten«Der Fussball begeistert. Bringt und hält zusammen»: Anatole Taubman auf der Steinkluppe, dem Fussballplatz des FC Unterstrass, der für den Schauspieler zum Familienersatz wurde.Stefan Bohrer / KeystoneAnatole Taubman, heute beginnt die WM. Sind Sie nervös?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ich fühle mich wie ein kleines Kind an Weihnachten oder am Geburtstag. Wie im Fieber bin ich bereits seit Wochen, wenn nicht Monaten. Das hat damit zu tun, dass ich während des ganzen Jahres jeden Tag mehrere Stunden Fussball konsumiere und studiere, egal wo ich bin. Alle fünf europäischen Topligen, zum Teil auch die zweiten Divisionen. Talksport, Flashscore, BBC Sport, Eurosport, all das ist Teil meines täglichen Lebens. Ich bin sozusagen immer auf erhöhter Temperatur.Es gab einen Match, der Ihr Leben entscheidend geprägt hat, Ihr erstes Fussballspiel überhaupt. 1976 waren Sie als Fünfjähriger mit Ihrem Vater im Wembley, als Manchester United den FA-Cup-Final gegen Southampton verlor. Woran denken Sie, wenn Sie ihn sich vergegenwärtigen?Ich vergleiche meine Liebe zum Fussball gerne mit dem Wachstum eines Baums. 1976 wurde der Samen gelegt, die ersten Wurzeln haben sich geformt. Ich erinnere mich, wie die Queen den Pokal übergeben hat. Wie ich beim Verlassen des Stadions die Flagge verloren habe. Ich auf einen Fanshop zeige, weil ich eine neue Flagge kaufen möchte. Aber mein Vater zieht mich weg, weil er einen Termin hat. Das war im Mai 1976, im Dezember darauf hat mir mein Vater ein Manchester-United-Kissen geschenkt, ein T-Shirt und einen Bären mit einem Man-United-Shirt. Bevor das Kissen auseinanderfiel, habe ich den Bezug eingerahmt.Gibt es einen WM-Moment, der für Sie mit dem Champions-League-Triumph Ihres geliebten Manchester United im Jahr 1999 mithalten kann?Dieser Moment ist unvergleichlich. Ich mache einen Riesenunterschied zwischen Klubfussball und Nationalteam: Club before country, always! Später bekam ich von einem Freund einen Wecker geschenkt. Die Melodie war der BBC-Live-Kommentar beim Eckball zum Champions-League-Sieg in der Nachspielzeit.Das muss nervig sein.Es ist super. Ich wünschte, ich hätte ihn noch. Während des Finals war ich für Dreharbeiten für eine britische TV-Serie in Südfrankreich, am folgenden Morgen rief mich die Produktion an. Das Hotel hatte mich hinausgeworfen, weil wir viel zu laut waren. Intensive WM-Momente habe ich auf der anderen Seite des Gefühlsspektrums: Schmerz, Traurigkeit. Enttäuschung.Das kann nur mit England zu tun haben.Ausschliesslich. Es beginnt 1996 im EM-Halbfinal gegen Deutschland, der verschossene Penalty von Gareth Southgate. Sehr schmerzhaft. Ganz schlimm war auch der WM-Halbfinal 2018, den wir gegen Kroatien verloren haben. Meine Tochter und ich haben das Spiel zusammen geschaut, beide im England-Shirt, beide haben wir geweint am Ende.Schauspieler, Unicef-Botschafter – und ein riesiger Fussballfancen. · Der britisch-schweizerische Doppelbürger Anatole Taubman hat in rund 140 Filmen gespielt, den meistbeachteten Auftritt hatte er 2008 als Bösewicht in Marc Forsters Bond-Abenteuer «Quantum of Solace». Im Herbst erscheint «111 – Echoes From Halifax» über den Absturz der Swissair-Maschine 1998, in dem der 55-Jährige den Flugkapitän der Unglücksmaschine spielt. Zudem ist Taubman Unicef-Botschafter in der Schweiz und in Liechtenstein. Er lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Zürich, aus früheren Beziehungen hat er drei Töchter.Haben Sie während wichtiger Spiele Familienrituale?Wenn Sie wüssten. Wenn Man United spielt, habe ich diverse Rituale. Die Couch wird drapiert mit einem Schal, mit drei, vier Teddybären, diversen Shirts. Mein siebenjähriger Sohn darf da voll mitmachen. Meine Kinder hatten ja keine Freiheit bei der Wahl des Lieblingsklubs. Aber mein Sohn switcht seit ein paar Wochen Klubs. Im Moment ist der FC Barcelona sein Favorit, natürlich wegen Lamine Yamal. Irgendwie verständlich, trotzdem schmerzhaft. Ich versuche es zu ignorieren. Vor kurzem wollte er unbedingt ein Yamal-Shirt. Nur über meine Leiche! Vor zwei Wochen war ich wieder einmal im Man-United-Online-Shop. Ende der Saison, Ausverkäufe. Ich zeigte ihm ein Matheus-Cunha-Shirt und sogar noch die Hose dazu. Er fand es super, und er liebt es zu tragen.Gibt es auch WM-Rituale?Während jeder WM und EM hängt bei uns eine Flaggengirlande der teilnehmenden Länder. Wenn England spielt, trage ich natürlich das Shirt der Three Lions und meine Frau und mein Sohn ebenfalls. Spielt allerdings die Schweiz gegen England wie an der letzten EM, wird es schwierig.Für wen?Für alle. Die Spannung stieg minütlich. Manuel Akanji spielte noch bei Manchester City, ich war so glücklich, als er im Penaltyschiessen verschoss. Doof war es für unseren Sohn, der es beiden Elternteilen recht machen wollte. Er trug dann in der ersten Halbzeit ein England-Shirt und in der zweiten ein Schweizer.Und bei Ihnen gab es keinen Funken Sympathie für die Schweiz?Im Fussball, nein.Sie tragen zu diesem Gespräch ja auch ein Shirt der Three Lions. Fassen Sie doch einmal in Worte, welche Rolle der Fussball in Ihrem Leben spielt.Ich höre mich selbst sagen: Erzähl nicht schon wieder dieselbe Geschichte. Aber dann merke ich: Es ist zwar die alte Leier, aber meine und wahr. Niemand kann sich den Bahnhof aussuchen, in den er hineingeboren wird. Aber entscheidend ist, dass man irgendwann im Leben zum Lokomotivführer des eigenen Zuges wird. Meine Eltern haben um die Vormundschaft für mich gestritten. Bis das Gericht entschieden hatte, musste ich ins Kinderheim. Wenn ein fünfjähriges Kind in ein Heim kommt, fühlt es sich unterbewusst nicht gewollt und geliebt. Mit neun kam ich zu meiner Mutter, im Jahr danach starb mein Vater, ich kam zu einer Pflegefamilie ins Prättigau – ich war völlig verloren.Geholfen hat der Fussball?Dort hat meine Identifikation mit dem Fussball angefangen, nun begann der Baum zu wachsen. Das ging über das Radio und die Zeitung «Sport», die in den 1970er und 1980er Jahren dreimal wöchentlich erschien. Die waren unersetzlich für mich, weil ich mich so weniger allein fühlte. Sozusagen meine Bibel, mein Radio Maria, von grosser Bedeutung für das Wachstum des Baumes. Für mich ging es um Verlässlichkeit, Zugehörigkeit, Identität, Akzeptanz. Der Fussball hat mich nicht kritisiert oder hinterfragt, er hat mir als Kind etwas zum Festhalten gegeben. Was meine Eltern nicht konnten.Viele Fans distanzieren sich irgendwann ironisch von ihrer eigenen Leidenschaft. Ist das bei Ihnen anders wegen Ihrer Lebensgeschichte?Zu 100 Prozent. Ich bin ein totaler Fussballromantiker. Ich spüre eine bedingungslose Liebe für den Fussball. Der Samen wurde 1976 gepflanzt, aber mit zehn Jahren wurde er für mich identitätsbildend.Das waren auch die Jahre, in denen Sie ganz stark Manchester-United-Fan wurden. Das war sicher nicht leicht im Prättigau.Damals gab es Hintergrundberichte zu internationalen Ligen eben in der Zeitung «Sport» und zum Teil im Fernsehen. In der Schweiz war damals Servette gut, ich fand auch ihre Leibchen so schön. Umberto Barberis, Lucien Favre, Marc Schnyder, Erich Burgener waren Götter für mich. Ich schrieb damals zwei Fanbriefe: an Lucien Favre und die französische Schauspielerin Sophie Marceau. Sie hat nicht geantwortet. Er hat mir eine Autogrammkarte geschickt.Teilte Ihr Umfeld die Liebe zum Fussball?Ich tat das allein für mich. Aber als ich von der Pflegefamilie zu meiner Mama zurückkam und in den FC Unterstrass eintrat, konnte der Baum, der über die Jahre stark gewachsen war, so richtig blühen.Der FC Unterstrass wurde zum Familienersatz.Genau. Der Klub gab mir alles: Struktur, Ordnung, Wertschätzung, Konstanz. Sicherheit, Stabilität, Resilienz, Vertrauen. Grundlegende Werte und soziale Codes. Ich kam gefühlt zum zehnten Mal in eine neue Klasse, es ist nicht einfach und sehr prägend, sich immer wieder neu integrieren zu müssen in den formativen Jahren. Die Hälfte der Jungs in der Klasse spielte im FC Unterstrass. Er war für mich wie eine Krippe, ein Daheim. Der Klub vermittelt, was es braucht, damit eine Gesellschaft funktioniert: «Better together», «Teamwork makes the dream work», «Zusammen sind wir stark». Das Gefühl, dass Zusammenhalt wichtig ist für eine Gesellschaft.«Egal ob im Film oder im Fussball: Gute Unterhaltung hängt immer vom Storytelling ab»: der Schauspieler Anatole Taubman.PDWas Sie vom FC Unterstrass erzählen, klingt idyllisch. Aber im Profisport herrscht Konkurrenzkampf, die Fussballer spielen nicht nur miteinander, sondern auch gegeneinander, schauen auf ihre eigene Entwicklung und ihren Vertrag. Ignorieren Sie das?Fussball ist keine Idylle, aber Teamsport ist ein fundamentaler Teil unseres Lebens, der im Kern für jede Gesellschaft entscheidend ist. Für die Kinder, die Zukunft unserer Welt. Darum ist auch der Weltfussballverband wichtig. Queen Elizabeth hat in ihrer Neujahrsrede immer auf die Werte der Humanisten verwiesen, darauf, was wirklich zählt in einer Gesellschaft: das Miteinander und was es dafür braucht. Genau so möchte ich jeden Tag handeln. An manchen Tagen klappt’s besser, an anderen nicht.Denken Sie manchmal, der Fussball nehme einen zu grossen Teil ein in Ihrem Leben?Nie. Wobei, es gab einen Moment während der Covid-Pandemie. Damals habe ich angefangen, Spiele der weissrussischen Liga zu schauen, weil nur dort der Fussballbetrieb weiterlief. Da habe ich gedacht: «Du musst dich entspannen!»Gibt Ihnen der Fussball mehr als das Schauspiel? Hört man Ihnen zu, bekommt man das Gefühl, Sie seien hauptberuflich Fan und machten daneben noch Filme.Das ist eine super Headline. Aber mein Man-United-Fan-Sein war bis zum 13. Januar, der Ernennung von Michael Carrick als Interimstrainer, ein ewiger «ongoing ride of pain and misery». Ich habe bei jedem Trainer nach Alex Ferguson geglaubt, dass er die Wende schafft. Ob das nun Louis van Gaal war oder Rúben Amorim. Ich stand noch zu Erik ten Hag, als ihn alle längst abgeschrieben hatten.Falls es stimmt, dass der Fussball die Menschen vereint: Was genau verbindet sie: das Spiel, die Emotionen oder die gemeinsame Illusion?Alles. Der Fussball begeistert. Bringt und hält zusammen. Leidenschaft. Herzschlag. Lachen. Weinen.Teamsport als Lebensschule?Davon bin ich überzeugt. Er ist persönlichkeits-, identitäts- und entwicklungsfördernd.Sie schreiben dem Fussball eine sehr grosse Wirkmacht zu.Ich bin nicht Zen und auch nicht Buddha. Aber die Werte des Buddhismus finde ich toll, ich strebe danach, sie umzusetzen. Meinen «state of bliss» erlebe ich in der Nacht, wenn alle schlafen. Dann liege ich auf der Couch und schaue auf Man-United-TV Trainingszusammenfassungen. Das ist pures Seelenglück.Newsletter «Sport – WM-Spezial»Das Wichtigste von der Fussball-WM auf einen Blick: Unser Spezial-Newsletter liefert Ihnen Eindrücke aus Nordamerika sowie Einordnungen und Hintergründe zu den entscheidenden Entwicklungen.Jetzt kostenlos abonnierenDie WM in Nordamerika ist politisch brisant. Teilen Sie die Sorge, dass Figuren wie Donald Trump und der Fifa-Präsident Gianni Infantino die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnten?Nein. Mir geht es um den Fussball, nichts anderes ist wichtig für mich. Ich verbringe so viel Zeit während des Jahres mit all diesen Spielern, dass ich es einfach liebe, wenn sich die Besten an einem Turnier treffen. Es ist meine Wahl, das so zu sehen.Müssen Sie eine Verdrängungsleistung erbringen, damit Sie die negativen Komponenten ausblenden können?Nein. Dass sich 48 Teams treffen, es 72 Gruppenspiele und 104 Partien insgesamt gibt, ist für mich pure Fussballromantik. Und auch das Konzept der Fifa mag ich. Es ist ähnlich wie das von Unicef. Natürlich muss man vorsichtig sein mit solchen Vergleichen, aber im Grundsatz geht es bei beiden Organisationen darum, Prinzipien vor persönliche Befindlichkeiten zu stellen. Um die Zugänglichkeit für alle: Fussball gehört allen. So wie es der Auftrag von Unicef ist, Anwalt von jedem Kind auf der Welt zu sein.Es ist doch etwas abenteuerlich, die Fifa und Unicef gleichzusetzen.Die Fifa ist sogar noch grösser. Und es ist alles transparent. In den vergangenen zehn Jahren gab es keinen einzigen Skandal, es ist langweilig. Ich rede nicht gerne über Personen, aber ich verteidige das Konzept der Fifa. Ich bin da ein echter Musketier.Inwiefern?Wenn ich zu etwas oder jemandem Ja sage, dann zu hundert Prozent. All in.Und es ist wirklich nicht schwierig, zur Fifa hundert Prozent Ja zu sagen?Nein. Mir geht es um die Grundsätze, die gepflegt werden: Prinzipien vor persönliche Befindlichkeiten stellen. Frei von Religionen sein, von sexueller Orientierung, von der Hautfarbe.Das klingt gut. Aber die Fifa richtet ihre Turniere in Ländern aus, in denen die Menschenrechte verletzt werden, in denen Leute beim Bau der Stadien sterben oder unter furchtbaren Bedingungen arbeiten müssen.Natürlich sind Menschenrechtsverletzungen überall auf dieser Welt ein No-Go. Es ist allerdings populistisch und bequem, nur auf die Fifa zu zeigen. Politik und Wirtschaft arbeiten ebenfalls mit jenen Nationen zusammen.Das macht es doch nicht besser.Wie gesagt, es ist zu einfach, nur die Fifa anzuprangern. Ich bin kein Fifa-Pressesprecher. Sondern ein bedingungsloser Fussballromantiker, und nach meinem Empfinden hat die Fifa in der Schweiz auch deshalb einen so schlechten Ruf, weil der Präsident seinen Heimatmarkt überhaupt nicht bespielt, als würde er ihn nicht interessieren. Das würde ich anders machen. Das hat aber mit Haltung und Denkfreiheit zu tun. Sepp Blatter hat jeden Tag mit der Lektüre des «Walliser Boten» begonnen. Er war hier auf jeden Fall viel zugänglicher und spürbarer als Infantino.Verstehen Sie Fans, die angesichts der WM in den USA eine moralische Zerrissenheit spüren?Ja, aber es ist nicht meine Haltung. Ich sage ja, dass Fussball meine Religion ist. Und in der Religion wird verherrlicht.Sie verherrlichen den Fussball also in vollem Bewusstsein?In dem Moment, in dem ich mit Ihnen spreche, ist es mir bewusst. Unser Gespräch wird bei mir sicher nachschwingen, aber einen Unterschied machen wird es nicht. Schauen Sie: Christian Dobrick, U-19-Trainer von St. Pauli, hat sich als erster aktiver deutscher Fussballtrainer eines Profiklubs vor kurzem als homosexuell geoutet. Er hat erzählt, dass ihm Jürgen Klopp als Juniorentrainer einst sagte: «Es ist egal, wer du bist und woher du kommst, solange du eine Haltung hast.» Für ihn war dieser Moment entscheidend, um zu verstehen, dass er zu sich stehen muss. Eines der eindrücklichsten Interviews, die ich je gelesen habe.Sie erzählen die Geschichte als Beispiel für die Möglichkeiten des Fussballs. Doch gerade der Männerfussball zeichnet sich dadurch aus, dass sich praktisch niemand outet aus Angst vor den Konsequenzen.Aber es passiert etwas. Ich bin nicht zuständig für den Weltfrieden. Aber ich kann in meinem Gärtchen und meinem Umfeld schauen, wie ich mich verhalte.Sie sagen, es sei wichtig, eine Haltung zu haben. Und Sie haben auch schon gesagt, Sie vermissten Fussballer mit Ecken und Kanten. Werden die auch im Filmgeschäft seltener?Mittlerweile schon. Die grossen Film- und Serienanbieter wie Netflix, Disney, aber auch öffentlichrechtliche Sender haben die Entscheidungsmacht darüber, wer was wie und mit wem produziert. Ausser bei Arthouse-Kinofilmen hat ein Regisseur heute viel weniger Entscheidungsmacht als früher.Also gibt es keine Alex Fergusons mehr in der Filmbranche?Ich spreche vor allem von den Streamingdiensten. Bei befreundeten Autoren sehe ich, wie sie von Anfang an in ihrer Kreativität und ihrem Mut beschnitten werden. Egal ob im Film oder im Fussball: Gute Unterhaltung hängt immer vom Storytelling ab. Billy Wilder hat einmal gesagt, hinter gutem Entertainment stünden fünfzig Prozent Faszination und fünfzig Prozent Identifikation. Diese Identifikation ist im modernen Fussball zurückgegangen.Welche Spieler haben heute noch Ecken und Kanten?Granit Xhaka. Er vertritt Prinzipien und Werte, auf jeder Ebene. Er war der beste Transfer in die Premier League in der vergangenen Saison. Ich hoffe, er kommt zu Man United nächste Saison.Gibt es Spieler, die Sie nerven?Als Fussballer Kai Havertz. Ich finde, das ist ein dreckiger Spieler, der hintenherum Sachen macht.Wenn Sie einen Fussballer Ihrer Wahl spielen dürften, wen würden Sie verkörpern wollen?Es gibt zwei Mittelfeldspieler: Paul Scholes und Paul Pogba. Und dann bewundere ich Verteidiger: Rio Ferdinand, Jaap Stam, Luke Shaw.Erstmals soll während des WM-Finals eine Halftime-Show stattfinden, wie man sie etwa vom Super Bowl kennt. Da sollen unzählige Stars mitmachen. Hat der Fifa-Chef Gianni Infantino Sie schon eingeladen?Leider nicht. Sonst wäre ich bald im Flugzeug in die USA.Spielen Sie selbst eigentlich noch Fussball?Wieder im FC Unterstrass zu kicken, beim Team 50+, war eines der Highlights der letzten Jahre. Ich liebe das Normale, Bodenständige, Konventionelle, Verlässliche. Das sind Werte, die man in der Schweiz vielleicht mehr auf dem Land findet – aber eben auch in Fussballklubs. Doch dann hatte ich wieder einen Bandscheibenvorfall. Ich musste leider anerkennen, dass die Zeit auf dem Platz für mich vorbei ist.Wer wird Weltmeister?Mein Herz sagt natürlich England. Frankreich, Spanien oder auch Portugal sind realistische Titelanwärter. Argentinien ist die einzige nichteuropäische Mannschaft, die es in den Halbfinal schafft. Die Schweiz übersteht die Gruppenphase locker, aber spätestens im Viertelfinal ist Schluss. Eine wirklich spannende Persönlichkeit finde ich ja auch Murat Yakin. Er ist vielleicht nicht der beste Kommunikator und Rhetoriker nach aussen. Aber wie er es schafft, die Mannschaft zusammenzubringen, ist bemerkenswert. Chapeau! Wer wird denn Ihrer Meinung nach Weltmeister?Ein wilder Gedanke: Deutschland.Bitte nicht. Das wäre ein Albtraum für mich.Passend zum Artikel