PfadnavigationHomeSportFußballWMAußenseiter UsbekistanIn der Sowjetunion durfte über das verheerende Unglück nicht berichtet werdenVon Matthias MarburgStand: 15:51 UhrLesedauer: 2 MinutenZwei dieser Tupolev-Maschinen kollidierten 1979 in der Luft. An Bord: Die Fußballmannschaft von Pakhtakor TashkentQuelle: Universal Images Group via Getty Images/aviation-images.comUsbekistan zählt zu den Exoten der Fußball-WM. Der erfolgreichste Klub des Landes hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Der Staatspräsident feierte die WM-Qualifikation auf bizarre Weise. Wenig später war der Trainer seinen Job los.Wer mit Usbeken über Fußball spricht, kommt an einem ganz düsteren Kapitel nicht vorbei. Während im Westen nahezu jeder Fußball-Fan vom Flugzeugabsturz der Mannschaft von Manchester United in München 1958 gehört hat, ist hierzulande eine ähnlich tragische Geschichte aus dem Ostblock so gut wie unbekannt.Im August 1979 stießen auf 8400 Metern Höhe über der Ukraine zwei Flugzeuge des Typs Tupolew Tu-134 zusammen. Alle 178 Insassen starben, darunter 17 Spieler von Pakhtakor Tashkent. Der Klub war auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel nach Minsk in Belarus. In der Sowjetunion durfte über das Unglück nicht berichtet werden, viele Details kamen erst später ans Licht. Ursache war der Fehler eines Fluglotsen. Der Wiederaufbau des Vereins dauerte Jahre. Heute ist Pakhtakor mit 16 Meistertiteln der erfolgreichste Verein Usbekistans. Im erweiterten Kader von Nationaltrainer Fabio Cannavaro stehen sechs Spieler des Vereins. Nach der erfolgreichen WM-Qualifikation im Juni 2025 kamen viele Fans zum Denkmal für die tödlich verunglückten Spieler und Betreuer auf dem Gelände des Pakhtakor Markaziy Stadions in Tashkent, legten dort Schals und Blumen nieder. Jeder Spieler bekam ein ElektroautoFür das Land ist es die erste WM-Teilnahme. Die feierte Präsident Shavkat Mirziyoyev auf etwas bizarre Weise. Beim ersten Heimspiel nach der erfolgreichen Qualifikation ließ er auf dem Rasen eine Bühne aufbauen, drückte jeden Spieler lange an seine Brust. Dazu übergab er jedem ein chinesisches Elektroauto im Wert von rund 45.000 Euro. Die wurden unter dem Jubel der Fans ins Stadion gefahren. Mit der Qualifikation hatte Cannavaro übrigens nichts zu tun. Die Usbeken starteten unter dem früheren VfB-Stuttgart-Profi Srecko Katanec, der Anfang 2024 aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat und seitdem auch keinen Trainerjob mehr angenommen hat. Dem Slowenen folgte Lokalheld Temur Kapadze, dem der Sprung zum Turnier gelang. Danach entschied sich der Verband aber für den italienischen Weltmeister von 2006 und die internationale Aufmerksamkeit, die er bringt. Kapadze trat, nicht ganz freiwillig, zur Seite.Lesen Sie auchDie Ernennung Cannavaros war im Land nicht unumstritten. Mit fünf Siegen aus seinen ersten sechs Testspielen gelang es dem Italiener aber, die Fans auf seine Seite zu ziehen. Dabei half ihm sein bekanntester Spieler Eldor Shomurodov. Der Stürmer erzielte 22 Tore für Basaksehir in der türkischen Liga. Der Kapitän soll den Traum seines Landes wahrmachen – bei der WM für Furore sorgen. Auch im Gedenken an die Toten von Pakhtakor Tashkent.