Elektroautos gelten als die leiseren Geschwister von Benzinern und Dieselfahrzeugen. Doch ganz geräuschlos fahren auch sie nicht. Statt Motorenlärm treten andere Töne in den Vordergrund: ein Pfeifen beim Laden, ein Sirren aus dem Antrieb oder das Surren elektronischer Bauteile. Forschende der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben nun eine Möglichkeit entwickelt, genau diese Geräusche zu reduzieren – mithilfe von recyceltem Reifengummi.

Die Idee klingt zunächst überraschend einfach. Statt schwere Dämmmaterialien einzubauen, füllt das Forschungsteam um Prof. Hermann Rottengruber und Dr. Braj Bhushan Prasad Granulat aus alten Autoreifen in vorhandene Hohlräume der Leistungselektronik. Dort wirken die kleinen Partikel wie ein Dämpfungssystem: Sie nehmen Schwingungen auf und verhindern, dass daraus störende Geräusche entstehen.

In Laborversuchen konnten die Ingenieure den Lärmpegel nach eigenen Angaben deutlich reduzieren. Im besonders kritischen Frequenzbereich sank der Schalldruckpegel um bis zu 6,5 Dezibel, die Schwingungen eines Bauteildeckels gingen um bis zu 9,7 Dezibel zurück. Für die Forschenden ist das ein Hinweis darauf, wie sich die Akustik moderner Fahrzeuge verändert. „Elektroautos brummen nicht wie Benziner oder Diesel. Gerade weil das gewohnte Motorengeräusch fehlt, treten andere Töne stärker hervor“, erklärt Prof. Hermann Rottengruber.