KommentarE-Autos sind leise, und das ist auch gut so. Künstlich erzeugter Motorenlärm ist sinnfrei und komplett überflüssigGewisse Autohersteller wollen die Attraktivität von Elektroautos erhöhen, indem sie die Klangeigenschaften eines Verbrenners nach aussen übertragen. Das sind Lärmemissionen für Fahrzeuge, die sonst erfreulich emissionsarm fahren.25.07.2026, 05.20 Uhr3 LeseminutenDer Hyundai Ioniq 5 N hat künstlichen Auspuffsound – als Elektroauto aber keinen Auspuff.PDSeit fünf Jahren ist künstlicher Klang aus Elektroautos Pflicht, und dies aus Sicherheitsgründen. Fahren Stromer unterhalb von 20 km/h, könnten Fussgänger oder Fahrradfahrer sie beim lautlosen Anrollen nicht bemerken. Daher erzeugen sie einen Ton wie ein leiser Brummkreisel. Das ist im Wust der Überregulierung eine sinnvolle Regelung für mehr Sicherheit im Zusammenspiel von Elektroautos und anderen Verkehrsteilnehmern.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Seit einiger Zeit gibt es aber auch Elektroautos, die bei höheren Tempi einen Klang nach aussen übertragen, der nach einem Sportwagen mit Verbrennungsmotor tönt. Um einem eigentlich lautlosen Auto eine höhere Emotionalität zu verleihen, programmieren Hersteller wie Audi, BMW, Hyundai, Mercedes und Porsche ihren Autos sonore Motorsounds ein, die nicht nur innen, sondern auch von aussen deutlich zu hören sind. Dafür werden eigens Lautsprecher eingebaut, die den Klang an die Umwelt übertragen.Selbst virtuelle Gangschaltungen mit Sound gibt esHyundai und Porsche gehen sogar einen Schritt weiter und bieten in ihren vollautomatischen Ein-Gang-Getrieben sogar künstliche Schaltvorgänge mit virtuellen Gängen, die beim synthetischen Herunterschalten gar Zwischengas-Stösse simulieren. Porsche bewirbt seine überarbeitete Elektrolimousine Taycan mit der Formulierung: «Virtuelle Gangwechsel mit spürbaren Schaltrucken, ein neu interpretierter Porsche Electric Sport Sound und ein virtueller Drehzahlmesser garantieren ein multisensorisches Fahrgefühl.»Hyundai spricht in der Werbung für das sportliche Elektroauto Ioniq 5 N die Fans ganz direkt an: «Was Performance-Enthusiasten bisher bei Elektrofahrzeugen vermisst haben, kannst du jetzt sowohl spüren als auch hören», heisst es in der Online-Werbung.All diese Elemente sollen ihre sonst nüchtern wirkenden E-Maschinen zu heissen Flitzern machen. Das sind sie aber schon, denn Elektromotoren sind in vielen Bereichen den Benzin- und Dieselmotoren deutlich überlegen, etwa in der Leistungsentwicklung. Was fehlt, ist das gewohnte laute Geräusch, das schon Kinder beim Spielen mit Matchbox-Autos gerne nachahmen. In Autos für Erwachsene, die lautlos und flott vorankommen, sorgt künstlicher Lärm eher für Kopfschütteln.Gamification hat im Auto nichts zu suchenFür Aussenstehende wirken solche Softwareentwicklungen wie Spielerei aus der Game-Konsole, mit der vorgegaukelt werden soll, dass Elektroautos alles so machen wie Fahrzeuge mit Sprit im Tank und Auspuff. Aus Sicht der Entwickler und der Rennsportfans vielleicht beeindruckend, sind die virtuellen Anleihen bei historischen Autos reine Spielerei, die es fürs Fahren des Autos gar nicht braucht. Für Menschen mit Benzin im Blut mag ein bollernder V8-Benziner ein Quell der Freude sein, für die breite Bevölkerung aber ist der Lärm ein Ärgernis. Immerhin: Der Fahrer kann den Klang auch ausschalten.Gleichzeitig wird viel Aufwand in die Entwicklung von Flüsterbelägen auf Strassen und in geräuscharme Reifen gesteckt. Warum also schaffen Autobauer in ihren lautlos rollenden Wagen künstlichen Lärm für die Aussenwelt, wenn gleichzeitig an der Abschaffung von Lärmquellen gearbeitet wird? Man stelle sich vor, die ersten Automobile hätten, statt zu knattern, eher so geklungen, wie Pferde mit ihren Hufen klackern – und das nur, damit sich der Fahrer etwas mehr wie in einer Kutsche aus dem 19. Jahrhundert fühlt. Dem Durchbruch des Autos hätte dies kaum geholfen.Solange noch Verbrenner auf den Strassen unterwegs sind, fällt der virtuelle Klang von Stromern im Mischverkehr nicht weiter auf. Aber sobald Benzin und Diesel nur noch selten und vor allem für Oldtimer gebraucht werden, sollten die Lärmvorschriften insbesondere für E-Autos deutlich stringenter werden. Dann können Autohersteller ihre Entwicklungsressourcen statt auf Spielereien auf sicherheitsrelevante Bereiche konzentrieren.Passend zum Artikel