North Carolina hat Roche, Novartis und Ypsomed angelockt. Aber der amerikanische Gliedstaat will noch mehrFirmen aus dem Gesundheitssektor investieren wegen der Zölle so viel wie noch nie in den USA. Fabriken in der Schweiz drohen dadurch bedeutende Exportvolumen zu verlieren. Der Gouverneur von North Carolina ist derweil in Zürich auf Werbetour.09.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenJosh Stein, der Gouverneur von North Carolina, traf während zweier Tage Unternehmen in der Schweiz.Maurice Haas für NZZJosh Stein, der Gouverneur des amerikanischen Gliedstaats North Carolina, erscheint in Begleitung von mehreren Personenschützern auf der NZZ-Redaktion. Zwei von ihnen schickt er am Empfang gleich wieder nach draussen. Die wüssten sich selbst zu beschäftigen, sagt er.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zum Gespräch folgen ihm nur ein Bodyguard, der ausserhalb des Sitzungszimmers Platz nimmt, und ein persönlicher Mitarbeiter. Stein, Mitglied der Demokratischen Partei und Ende 2024 erstmals zum Gouverneur von North Carolina gewählt, hat Verspätung.Tiefere Gewinnsteuern als in anderen GliedstaatenEr sei in die Schweiz gekommen, um den Schweizer Firmen zu danken, die in North Carolina hochwertige Arbeitsplätze anböten, sagt Stein. Der Gliedstaat im Südosten der USA, in dem rund 11 Millionen Menschen leben, ist hinsichtlich der Wirtschaftskraft nicht mit New York, Texas oder Kalifornien zu vergleichen. Dennoch hat er es dank einer geschickten Standortpolitik geschafft, in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Unternehmen aus dem In- und Ausland anzulocken.Zu den Vorteilen von North Carolina zählt eine Gewinnsteuer von 2 Prozent. Das ist der niedrigste Wert aller 44 Gliedstaaten, die eine Körperschaftssteuer kennen. Anderswo beträgt der Satz in den USA bis zu 11,5 Prozent. Er wird mit den 21 Prozent addiert, die Firmen auf Bundesebene im ganzen Land abführen müssen. Nevada, Ohio, South Dakota, Texas, Washington und Wyoming besteuern die Gewinne von Firmen nicht extra. Aber sie erheben bei juristischen Personen teilweise anders gelagerte Steuern.North Carolina offeriere Firmen auch ein attraktives Kostenniveau, was Land, Arbeitskräfte und Energie betreffe, sagt Stein. Der Gouverneur ergänzt, North Carolina verzeichne von allen amerikanischen Gliedstaaten am meisten Zuzüger aus anderen Landesgegenden. «Wir bieten dank Bergen und Stränden eine hohe Lebensqualität. Die Leute leben gerne bei uns, auch weil wir so freundlich sind», behauptet Stein.Auch die UBS ist in North Carolina prominent vertretenIn North Carolina sind 80 Firmen tätig, deren Hauptsitz in der Schweiz liegt. Sie beschäftigten über 8000 Mitarbeitende, rechnet der Gouverneur vor. Die Grossbank UBS betreibt in Charlotte einen bedeutenden Standort. Der grösste Schweizer Industriekonzern ABB steuert sein US-Geschäft von Cary in der Nähe der Hauptstadt Raleigh aus.Jüngst war es aber die Basler Pharmabranche, deren Unternehmen den einst stark ländlich geprägten Gliedstaat mit umfangreichen Investitionen bedachten. Als Coup kann North Carolina für sich verbuchen, Roche angelockt zu haben. Der Medikamentenhersteller investiert 2 Milliarden Dollar in den Bau einer neuen Fabrik für Abnehmspritzen in Holly Springs – einer Stadt, die sich ebenfalls im Umkreis von Raleigh befindet.Die Tochterfirma Genentech, die das US-Geschäft von Roche führt, produzierte bis anhin Medikamente in den Vereinigten Staaten einzig in Kalifornien an der Westküste. Im neuen Werk in Holly Springs sollen über 550 Arbeitsplätze entstehen.Novartis, der Basler Lokalrivale von Roche, expandiert ebenfalls kräftig in North Carolina. Die Firma hat nach Angaben der Regierung des Gliedstaats angekündigt, fast eine Milliarde Dollar für die Errichtung neuer Produktionsstätten auszugeben. Auch die amerikanischen Pharmakonzerne Johnson & Johnson, Amgen und Abbvie sowie der dänische Medikamentenhersteller Novo Nordisk haben in jüngster Zeit North Carolina für umfangreiche Investitionen auserkoren.Profiteur des amerikanischen ProtektionismusDass Pharmafirmen auf einmal eine Fabrik nach der anderen in North Carolina hochziehen lassen, ist allerdings nicht nur dem Geschick der lokalen Behörden zu verdanken. North Carolina ist ein Nutzniesser des zunehmenden Protektionismus der US-Regierung. Der amerikanische Präsident Donald Trump hat durchgesetzt, dass Medikamentenhersteller, die nicht aktiv Projekte zum Ausbau der Produktion in den Vereinigten Staaten verfolgen, Zölle von 100 Prozent entrichten müssen. Zwar gibt es zahlreiche Ausnahmen. Doch angesichts immer neuer Änderungen in der amerikanischen Zoll- und Handelspolitik haben Unternehmen wie Novartis beschlossen, den Grossteil der Medikamente für den amerikanischen Markt künftig nur noch im Land selbst zu produzieren.Josh Stein sagt, es sei vorteilhaft, wenn Firmen ihre Produkte möglichst in der Nähe der Abnehmer herstellten. Angesprochen darauf, ob die zunehmende Abschottung des amerikanischen Markts nicht auf Kosten ausländischer Exporteure wie der Schweizer Pharmaindustrie gehe, schüttelt er den Kopf. Beide Seiten, North Carolina und die Schweiz, profitierten.Der Gouverneur fügt gönnerhaft hinzu, man helfe der Schweiz, all die grossartigen Ideen auszuführen, die ihre Bewohner ausheckten. Es gelangten Jahr für Jahr so viele neue Medikamente auf den Markt, dass selbst ein Schwergewicht in diesem Sektor wie die Schweiz nicht über ausreichend Kapazitäten für die Produktion verfüge.Steuerrabatte während zwölf JahrenTrotz der wachsenden Präsenz von Schweizer Firmen weist North Carolina im Handel mit der Schweiz ein hohes Defizit aus. Im vergangenen Jahr beschränkten sich die Exporte auf 334 Millionen Dollar, während die Importe ein Volumen von 2,9 Milliarden Dollar erreichten. Es sei das erklärte Ziel von North Carolina, die Ausfuhren in die Schweiz zu steigern, sagt Stein.In letzter Zeit hat der Gliedstaat auch die Schweizer Medizintechnikfirma Ypsomed für den Bau eines Produktionsstandorts gewonnen. Der Hersteller von Injektionssystemen (Pens) plant, Ende 2027 mit der Fertigung zu beginnen. Unternehmen, die sich in North Carolina ansiedeln, können laut dem Gouverneur damit rechnen, dass ihnen über zwölf Jahre ein Teil der Gewinnsteuer erlassen wird. Die Rabatte seien davon abhängig, wie viele Arbeitsplätze geschaffen würden, wie gut diese bezahlt würden und wie viel Kapital die Firmen für ihre Investitionen aufbrächten.Daneben fliessen auch direkte Zuschüsse. Man müsse auch Geld auf den Tisch legen, um im Standortwettbewerb mit anderen Gliedstaaten kompetitiv zu sein, räumt Stein ein. Allerdings fliesse anderenorts mehr Geld.Der Gouverneur verbrachte zwei Tage in der Schweiz. Wie er erklärt, traf er nicht nur Vertreter von Firmen, die schon in North Carolina tätig sind. Man habe auch mit Schweizer Unternehmen gesprochen, die potenzielle Investoren seien. Der wachstumsstarke amerikanische Gliedstaat hat Appetit auf mehr.Passend zum Artikel
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Firmen aus dem Gesundheitssektor investieren wegen der Zölle so viel wie noch nie in den USA. Fabriken in der Schweiz drohen dadurch bedeutende Exportvolumen zu verlieren. Der Gouverneur von North Carolina ist derweil in Zürich auf Werbetour.















