Schon zum Amtsantritt im Mai 2025 begann Kanzler Friedrich Merz sich unbeliebt zu machen. Die Ankündigung in seiner ersten Regierungserklärung, „mehr Flexibilität durch eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit“ zu erzielen, hatte er tags zuvor auf dem Wirtschaftstag der CDU damit verknüpft, dass in Deutschland „wieder mehr und vor allem effizienter“ gearbeitet werden müsse. Den Wohlstand des Landes könne man mit Konzepten wie der Viertagewoche oder einer reinen Work-Life-Balance nicht erhalten, so Merz.

Schaut man auf die Bund-Länder-Statistik, dann arbeiteten die Deutschen 2025 mit 61,3 Milliarden Arbeitsstunden etwas weniger als noch 2023. Da waren es 61,5 Milliarden Stunden. Ist das ein – oder sogar der einzige – Grund für das stagnierende Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre? Hätte je eine Stunde Mehrarbeit der 42,4 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland das Bruttoinlandsprodukt nach oben katapultiert? Nein. Friedrich Merz hat eine Scheindebatte angestoßen. Und selbst die Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas fiel jüngst im ARD-Talk bei Caren Miosga darauf herein. Vier Punkte, die Merz und Bas außer Acht lassen:

1. Produktivität ist kein Ergebnis von Mehrarbeit

Entscheidend ist nicht die Menge, sondern die Effizienz des Arbeitens. Die ökonomische Kennzahl hierfür ist die Produktivität. In den 1980ern lag die Produktivität der DDR-Staatswirtschaft bei unter 50 Prozent im Vergleich zur Bundesrepublik. Das heißt: Aufgrund der Mangellage und veralteter Technik schafften zwei DDR-Arbeiter das, was in der BRD einer schaffte. Heute kann man die Produktivität einer Arbeitskraft beispielsweise durch konsequente Digitalisierung im Betrieb oder die Unterstützung mit KI-Agenten erhöhen.