Es gibt diplomatische Vorgänge, bei denen das beharrlich vorgegebene Nichtwissen der Bundesregierung mehr aussagt als jede ausformulierte Stellungnahme. Die staatliche Ehrung des ukrainischen NS-Kollaborateurs Andrij Melnyk und der Umgang des Auswärtigen Amtes mit entsprechenden Fragen dieser Zeitung in der Bundespressekonferenz liefern dafür ein eindrückliches Beispiel.

Auf die Frage, wie die Bundesregierung die feierliche Beisetzung Melnyks auf dem Nationalen Militärfriedhof in Kiew – in Anwesenheit von Präsident Wolodymyr Selenskyj bewerte und ob sie die scharfe Kritik sowohl der polnischen als auch der israelischen Regierung sowie der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem daran teile, antwortete der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Giese, knapp:

Mir ist dieser Vorgang nicht bekannt, sorry.“

Eine bemerkenswerte Auskunft, denn der Fall hatte zu diesem Zeitpunkt international längst hohe Wellen geschlagen.

Ein Staatsakt mit historischer Sprengkraft