Mehr als 60 Jahre nach seinem Tod wurde der „Nationalheld“ Andrij Melnyk in der Ukraine beigesetzt. Gemeinsam mit seiner Frau Sofia wurde der frühere Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) am Montag im Rahmen einer Staatszeremonie auf dem Nationalen Militärfriedhof bei Kiew bestattet. Präsident Wolodymyr Selenskyj und Ex-Präsident Viktor Juschtschenko nahmen persönlich an dem Festakt teil.

Dabei würdigte Selenskyj den Nationalisten als „Helden“ und Vorbild für die Ukraine. „Heute sehen wir alle, dass die ukrainische Idee das überwinden kann, was einst völlig unüberwindbar schien“, sagte er laut Euronews mit Blick auf den ukrainischen Unabhängigkeitskampf gegen die Sowjetunion.

Doch die Ehrung sorgt international für Empörung. Denn Melnyk und die OUN kollaborierten im Zweiten Weltkrieg mit NS-Deutschland. Sie verübten Pogrome, bewachten Ghettos und Teile der OUN waren am Massaker von Babyn Jar beteiligt – einem der größten Massenmorde des Holocausts, bei dem 1941 über 33.000 Juden erschossen wurden.

Kritik aus Israel und den eigenen Reihen

Besonders scharfe Kritik kommt deshalb aus Israel. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erklärte, die Ehrung untergrabe die moralische Integrität des Holocaust-Gedenkens. Auch das israelische Außenministerium äußerte sich kritisch. Die ukrainisch-jüdische Holocaust-Forscherin Marta Havryshko sprach auf X von einer „Demütigung für alle, die einst glaubten, dass ‚Nie Wieder‘ in der heutigen Ukraine noch eine Bedeutung habe.“