In den Jahren ab 1933, als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht gekommen waren, wurde der westliche Nachbar das Exilland Nummer eins: Rund 100.000 größtenteils jüdische Menschen flohen bis 1939 nach Frankreich, in das Land der Menschenrechte. Doch ab Anfang August 1942 mussten sie erleben, dass die Kollaborationsregierung im südfranzösischen Vichy den Nazis half, Jagd auf jüdische Flüchtlinge aus Deutschland zu machen. Wer bei den Razzien den Greifern in die Fänge geriet, den deportierten sie über das Lager Drancy bei Paris mit Viehwaggons nach Auschwitz, bewacht von der Feldpolizei der Nazi-Wehrmacht.

Der Plan zur Vernichtung der europäischen Juden, ausgearbeitet auf der sogenannten Wannsee-Konferenz im Januar 1942 in Berlin, wurde jedoch in Frankreich durchkreuzt: Verschiedenen Organisationen der Zivilgesellschaft, Kirchen, jüdischen Organisationen, Menschenrechtsgruppen, kurz: der zivilen Résistance gelang es, fast drei Viertel der über 300.000 Bedrohten vor dem Zugriff der Mörder und ihrer französischen Helfer zu retten. Dies ist der zweithöchste Anteil in den von den Nazis beherrschten Ländern in West- und Nordeuropa. Nur in Dänemark war die Rettung noch erfolgreicher: Von den knapp 8.000 jüdischen Menschen, die hier lebten, wurden im Oktober 1943 fast alle per Fischerboote über die Ostsee in das neutrale Schweden gerettet.