PfadnavigationHomePolitikAuslandLateinamerikaDas Ende eines linken Traums – Wenn ein ganzer Kontinent nach rechts rücktStand: 07:10 UhrLesedauer: 5 MinutenAm Sonntag wird in Peru gewähltQuelle: AP Photo/Rodrigo AbdDie Stichwahlen in Peru am Sonntag und zwei Wochen später in Kolumbien werden die politische Landschaft Südamerikas verändern. Schon jetzt dominieren rechte Regierungen den Kontinent, weitere könnten folgen. Eine Entwicklung, die linke Parteien nervös macht.Der historische Traum der Linken in Lateinamerika war stets die antiimperialistische „Patria Grande“ (Großes Vaterland). Ein riesiges sozialistisch verbrüdertes Gebilde also, das von Mexiko bis nach Chile reicht und sich als Gegenpol zum kapitalistischen Erzfeind USA organisiert. Nun scheint sich der Kontinent politisch tatsächlich in eine gemeinsame Richtung zu entwickeln. Allerdings nicht nach links, sondern nach rechts.Am Sonntag entscheiden die Peruaner darüber, wer nach Jahren der politischen Krise die Andennation regieren wird. Favoritin ist Keiko Fujimori, Tochter des Diktators Alberto Fujimori, der das Land von 1990 bis 2000 autoritär regierte. In Kolumbien gilt der rechtslibertäre Hardliner Abelardo de la Espriella als Favorit für die Stichwahl zwei Wochen später. Und selbst in Brasilien hofft Flavio Bolsonaro, Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, bis zur Wahl im Herbst auf eine kleine, aber keineswegs ausgeschlossene Außenseiterchance. Lesen Sie auchAlle drei Politiker stehen auf dem politischen Spektrum weit rechts und gelten als potenzielle Verbündete von US-Präsident Donald Trump. Zuletzt waren bereits in Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Honduras und Costa Rica Alliierte des Republikaners neu an die Macht gekommen oder in ihrem Kurs bestätigt worden. Die Linke beobachtet den Rechtsruck auf dem Kontinent mit Sorge. Ein Überblick zeigt, in welchen Ländern in den kommenden Wochen entscheidende politische Weichen gestellt werden – und was das für den Kontinent bedeutet.PeruIn Peru könnte laut Umfragen am Sonntag die rechtskonservative Keiko Fujimori (51) an die Macht kommen. Fujimori liegt in den Umfragen knapp vor dem Linkskandidaten Roberto Sánchez. Sie ist die Tochter des wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verurteilten, inzwischen verstorbenen Ex-Machthabers Alberto Fujimori, der während seiner Amtszeit Zehntausende indigene Frauen ohne ihr Wissen sterilisieren ließ. Offiziell wurde das Programm mit Armutsbekämpfung begründet. „Der Einfluss dieser Debatte über Rechts und Links hat sich mit diesen Wahlen erneut verschärft“, sagt Jose Ignacio Beteta, Vorsitzender des peruanischen Steuerzahlerverbands, im Gespräch mit WELT. Seiner Ansicht nach gibt es in Peru allerdings „weder rechte noch linke Regierungen, sondern wir haben korrupte, merkantilistische Regierungen mit Führern und Caudillos (abwertende Bezeichnung für autoritäre Herrscher, Anm. d. Red.), die keine Doktrin haben“.Kurz vor der Wahl in Peru ordnete ein Richter einen Prozess gegen den linken Kandidaten Roberto Sánchez wegen mutmaßlich falscher Angaben zur Finanzierung seiner Partei an. Es gebe „hinreichende Verdachtsmomente“ gegen den 57-Jährigen, erklärte Richter Adolfo Farfán am Freitag. Auf das Stattfinden der Stichwahl dürfte die Entscheidung keine Auswirkungen haben.Sánchez hat eine Woche, um Einspruch einzulegen. Seine Verteidiger haben bereits angekündigt, in Berufung gehen zu wollen. Gewinnt er die Präsidentschaftswahl, würde er gemäß der peruanischen Verfassung ohnehin Immunität genießen.KolumbienSollte Abelardo de la Espriella die Stichwahl in Kolumbien gewinnen, käme das Donald Trump gerade recht. Immer wieder hatte der US-Präsident das Land und seinen linken Präsidenten Gustavo Petro hart kritisiert. In Umfragen liegt De la Espriella vor der Stichwahl am 21. Juni mit rund sieben Prozent zwar vorn, doch die Wahl gilt als offen. Sollte er gewählt werden, will der Anwalt die Bombardierungen von Guerilla-Lagern wieder aufnehmen und den Einsatz von Chemikalien gegen den Drogenanbau wieder hochfahren. Donald Trump ließ wissen, es sei „eine Ehre für mich, Abelardo de la Espriella meine Unterstützung zuzusichern“. Der Kandidat selbst veröffentlichte in den sozialen Netzwerken martialische Bilder, die einen starken amerikanischen Adler (Trump) und einen kampfbereiten Tiger (De la Espriella) zeigten. Das leicht favorisierte Lager um Linkspolitiker Ivan Cepada und Noch-Amtsinhaber Petro verbreitete anschließend das Narrativ vom Wahlbetrug, ohne dafür konkrete Beweise zu liefern.BolivienIm Oktober 2025 gewann der konservative Rodrigo Paz die Stichwahl in Bolivien und beendete damit die fast 20-jährige Dominanz des Lagers um den linksautokratischen Ex-Präsidenten Evo Morales. Gegen den Sozialisten wurden wiederholt schwere Vorwürfe des Missbrauchs Minderjähriger erhoben, die Morales allerdings vehement zurückweist. Ganz aktuell werfen Kritiker ihm vor, mithilfe von Straßenblockaden, die sich offiziell gegen die Regierungspolitik richten, eine humanitäre Krise herbeiführen zu wollen und gleichzeitig von den Missbrauchsvorwürfen abzulenken. Morales wiederum behauptet, Trump wolle ihn wie Venezuelas Ex-Machthaber Nicolas Maduro verhaften und außer Landes bringen.„Für linke Kreise stellt Trump ein nützliches Narrativ dar, um die neuen lateinamerikanischen Regierungen mit einer vermeintlichen internationalen konservativen Welle in Verbindung zu bringen“, sagt der bolivianische Politikwissenschaftler Juan Pablo Chamon. Sein praktischer Einfluss auf die politische Dynamik Boliviens sei jedoch begrenzt. „Die unmittelbaren Ursachen der Krise sind innenpolitischer Natur und gehen auf Konflikte zurück, die sich über Jahre hinweg im Land selbst angestaut haben.“Es gebe zwar durchaus einen Trump-Effekt im politischen und medialen Diskurs, sagt der Experte, „aber die zentrale Diskussion in Bolivien dreht sich vielmehr um das institutionelle, wirtschaftliche und politische Erbe von Evo Morales, um die Konflikte, die sich aus seinem Machtverlust ergeben haben, und um die aktuellen Auseinandersetzungen um die Regierungsfähigkeit des Landes.“ArgentinienAls einer der wichtigsten und loyalsten Unterstützer Donald Trumps in Lateinamerika gilt Argentiniens libertärer Präsident Javier Milei. Er befindet sich nach einem Sieg bei den Parlamentswahlen vor einem Jahr derzeit allerdings im Stimmungstief. Die Opposition nutzt die aktuellen Pläne des Präsidenten, Argentinien stärker an die USA zu binden, zu scharfer Kritik. Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel, der als Unterstützer der Diktaturen in Kuba und Nicaragua gilt, spricht Milei trotz der demokratisch gewonnenen Wahl das Recht ab, für die Argentinier und Lateinamerikaner sprechen zu dürfen. Milei sei ein „Diener des US-Imperiums“, sagt Perez Esquivel. Lesen Sie auchOb sich diese Sichtweise auch in der Bevölkerung durchsetzt, wird sich in einem Jahr zeigen. Dann will sich Milei um eine zweite Amtszeit bewerben. Und ob das gelingt, hängt davon ab, ob der radikale Reformkurs auch weiterhin von Wachstumsraten begleitet wird.Tobias Käufer ist Lateinamerika-Korrespondent. Im Auftrag von WELT berichtet er seit 2009 über die Entwicklungen in der Region.
Lateinamerika: Das Ende eines linken Traums – Wenn ein ganzer Kontinent nach rechts rückt - WELT
Die Stichwahlen in Peru am Sonntag und zwei Wochen später in Kolumbien werden die politische Landschaft Südamerikas verändern. Schon jetzt dominieren rechte Regierungen den Kontinent, weitere könnten folgen. Eine Entwicklung, die linke Parteien nervös macht.












