Vorstände stehen aktuell unter Druck, die Effizienzpotenziale von KI zügig zu heben. Die Antwort lautet vielfach: Reskilling der Belegschaft. Eine Vielzahl von Beratungen hat dafür den Markt erkannt und flutet die Unternehmen mit KI-Assessments, AI Academies, Tool-Stacks oder Skill Roadmaps. Solche Reskilling-Programme wirken in wilden Zeiten beruhigend. Sie haben eine klare Agenda. Sie zeigen auf, was es zu tun gibt. Ihr Erfolg wirkt messbar, weil sie Teilnehmerquoten produzieren.

Doch Reskilling ist in Wahrheit nur ein Teil der Lösung. Wer Menschen im Umgang mit einem neuen Werkzeug schult, löst noch lange nicht die psychologische Dimension der aktuellen Transformation. Angst, Selbstzweifel, der drohende Verlust des eigenen beruflichen Selbstverständnisses – all das kommt in vielen gut gemeinten Initiativen nicht vor. Was vielfach wie eine schnelle Reaktion auf eine noch schnellere Entwicklung wirkt, geht deshalb oft am eigentlichen Kern vorbei.

Auch wenn es sich gerade so anfühlt, als würde KI in der Arbeitswelt alles auf Kopf stellen, es ist nicht alles neu. Was mit hoher Wahrscheinlichkeit gleich bleiben wird, ist die Reaktion von Menschen auf technologische Innovationen.Schon im Jahr 1997 konnte man eindrucksvoll beobachten, was auf emotionaler Ebene geschieht, wenn Menschen sich in ihrer Königsdisziplin einer Maschine geschlagen geben müssen. Damals verlor Schach-Großmeister Garri Kasparow in New York nach sechs Partien das Match gegen IBMs Deep Blue. „Ich war der erste Wissensarbeiter, dessen Job von einer Maschine bedroht wurde“, schreibt er später. Im Kern ging es dabei nicht um eine Kompetenzlücke. Sondern um Kasparows über Jahrzehnte bestehendes Selbstverständnis als bester Schachstratege der Welt.