Wir Stadtneurotiker haben echt einen an der Murmel, ich nehme mich da nicht aus. Mit den Jahren hat sich zu meiner unterschwelligen Misanthropie auch noch eine gewisse Lärmempfindlichkeit gesellt. Die urbane Geräuschkulisse – sie ist mir inzwischen zu viel. Baulärm, Pöbeleien, rücksichtslose Biodeutsche und traditionell laut sprechende Menschen aus anderen Kulturen – das alles raubt mir den letzten Nerv.

Toleranter wird keiner mit abnehmender Knochendichte

Jeden Tag frage ich mich, warum viele nicht leiser machen können. Sie werden auch verstanden, wenn sie gedimmt sprechen – wo ist das Problem? Oder hat sich der Drang nach Aufmerksamkeit diesmal vom Digitalen ins Analoge verlagert? Und ich habe es nur mal wieder nicht mitgekriegt? Wenn bei all dem lauten Geschwätz am Handy oder zum Nachbarn wenigstens einmal was Spannendes dabei wäre, das ich belauschen könnte! Aber nein, nur verspätete Züge, nichtsnutzige Behördenfuzzis und nicht spurende Boyfriends. (Warum gendern junge Feministinnen eigentlich nicht „Alter“, wenn sie ihre Freundinnen mit diesem Kürzel ansprechen?)

Tagebuch

An die Armut in unserer Stadt werde ich mich nie gewöhnen: Wird Berlin irgendwann zur Dystopie?