Am Ende rappen die Roboter. In einem KI-generierten Video tanzt eine Boygroup von Humanoiden durch die Straßen und Nachtmärkte von Taipeh und fasst noch einmal singend zusammen, was der Nvidia-Chef Jensen Huang in den zwei Stunden davor in der großen Konzerthalle der taiwanischen Hauptstadt so alles vorgestellt hat. Und das ist einiges: Statt wie einst nur Grafikkarten oder Prozessoren für Computer herzustellen, entwickelt sich der Konzern zum Alles-Anbieter rund um die Künstliche Intelligenz (KI).Für den Normalnutzer ist wohl am interessantesten, dass das wertvollste Unternehmen der Welt nun auch in den Markt für Laptops und PCs einsteigt. Gemeinsam mit Microsoft hat Nvidia einen neuen „Superchip“ für solche Heimcomputer entworfen, den Huang als nicht weniger als den „Smartphone-Moment“ für diese Geräte bezeichnete. Mit Mobiltelefonen mache man heute alles außer telefonieren. Ähnlich durchgreifend würden die Veränderungen, die mit den neuen PCs einhergingen, die eigens für die Arbeit mit KI-Agenten vorgesehen seien, sagte Huang.„Größte Neuerfindung seit 40 Jahren“„Microsoft und Nvidia werden den PC neu erfinden“, sagte der Nvidia-Chef vor dem Publikum in der voll besetzten Halle. Die Implementierung der KI-tauglichen Prozessoren bezeichnete er als größte Neuerfindung in dem Gebiet seit der Einführung von Windows vor fast 40 Jahren. Sie sollen dafür sorgen, dass möglichst viele Aufgaben der KI direkt auf dem Rechner ausgeführt werden, ohne den Umweg über die Cloud zu nehmen. In einem Video entwarf eine Architektur-Anwendung auf dem Laptop innerhalb kürzester Zeit einen fotorealistischen Entwurf für eine Villa am Meer.„Die brauchbare KI ist jetzt da“, sagte Huang und meinte damit den Übergang von der generativen KI, bei der Menschen der KI Aufgaben stellen, hin zur agentischen KI, die quasi von allein arbeitet. Die neuen Rechner würden eine Art „Supercomputer für Ihr Zuhause“, die immer mehr Aufgaben im Haus allein erledigen könnten.An den Märkten sorgte die Ankündigung für heftige Bewegung. Die Kurse von Wettbewerbern wie Intel, AMD und Qualcomm, die ebenfalls ihr Geld mit PC-Prozessoren verdienen, sackten ab. Die Papiere von Nvidia, Microsoft und ihren Entwicklungspartnern Mediatek und Arm verteuerten sich.Nvidia bildete mit seiner Show in der Konzerthalle den Auftakt für die Messe Computex, die jedes Jahr Branchenvertreter aus aller Welt nach Taipeh lockt. Sprachen dort normalerweise die Vorstandschefs mehrerer Unternehmen im Zuge einer Eröffnungskonferenz über die eigenen Neuheiten und die Lage der Branche, so schien das Großevent des Chipkonzerns in diesem Jahr alles andere in den Hintergrund zu stellen. Die Vorstandsvorsitzenden von Intel, Arm und NXP haben ihre Reden vorsorglich auf den Dienstag verlegt, um etwas mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen.„2026 ist das Jahr der Agenten“Der Übergang von der generativen zur agentischen KI beschäftigt aber auch die anderen Chipkonzerne. „Viele Dinge, über die wir schon lange sprechen, werden jetzt Realität“, sagte Cristiano Amon, der Vorstandschef von Qualcomm, in seiner Eröffnungsrede der Computex. „2026 ist das Jahr der Agenten.“ Das werde die Branche aber auch vor große Herausforderungen stellen, insbesondere wenn man auf den Energieverbrauch blicke. Die Zahl der Rechenaufgaben (Tokens), die hinter der agentischen KI stehe, sei um ein Vielfaches größer als bei der generativen KI. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre hätte sich diese Zahl durch die Verbreitung der KI schon um den Faktor 100 vermehrt. „Denken Sie daran, wie schwer es heute schon ist, dass der Akku des Handys einen ganzen Tag durchhält. Und dann stellen Sie sich mal vor, dass nicht nur Sie, sondern auch eine Reihe von KI-Agenten den ganzen Tag damit arbeiten.“Sowohl Amon als auch Nvidia-Chef Huang warben damit, wie ihre Produkte beim Energiesparen helfen sollen. In Zukunft zähle mehr denn je die Leistung pro Watt, sagte Huang. „Ihre Rechenleistung wird ihr Umsatz sein.“ Als „größte Anstrengung in unserer Geschichte“ stellte Huang das System „Vera Rubin“ vor, in dem Nvidia nun ganze Systeme mit Rechen-, Speicher- und Kühleinheiten für KI-Rechenzentren zusammenstellt. Auch das soll den Energie- und Wassereinsatz verringern. „Die ganze Welt steht im Wettbewerb, wer am schnellsten KI-Rechenzentren baut“, sagt Huang. „Das ist das größte Rennen um Infrastruktur in der Geschichte.“Für Huang, der in Taiwan geboren wurde, aber in Amerika zur Schule und zur Universität ging, ist ein Auftritt in Taipeh auch immer wie ein Heimspiel. Nvidia arbeitet eng mit den dortigen Chipherstellern wie TSMC und 350 weiteren Partnerunternehmen zusammen. Schon vor wenigen Tagen hatte Huang angekündigt, dass Nvidia künftig 150 Milliarden Dollar im Jahr in der Inselrepublik investieren wolle. „Taiwan hat das beste Lieferketten-Ökosystem in der ganzen Welt“, sagte Huang. Details allerdings sind noch nicht bekannt.
Nvidia steigt in den Windows-Laptop-Markt ein
Der Chipkonzern will mit KI und dem Softwareriesen Microsoft den klassischen Heimcomputer revolutionieren. Das setzt die Aktienkurse der Konkurrenz heftig unter Druck.












