Die Diagnose ist klar, die Therapie seit Jahren bekannt. Mit dem Patient Deutschland verhält es sich wie mit einem Übergewichtigen, dem der Arzt Jahr für Jahr eine Diät und mehr Bewegung empfiehlt. Doch der Bierbauch wächst stetig. Man drückt sich eben gerne vor dem Abspecken, man ist bequem.

Die deutsche Wirtschaft hat nun gleich mehrere solcher Diagnosen bekommen. Auch der zuletzt gut trainierte ostdeutsche Teil beginnt zu lahmen und droht zu verkümmern. Das hat Ende letztes Jahr das Institut der deutschen Wirtschaft aus Köln (IW) so diagnostiziert, und jüngst legte auch das Ifo-Institut nach. Doch die Therapie liegt nun nicht in der Macht des Patienten. Die Wirtschaft macht überwiegend alles richtig. Es ist die Politik, die mehr Tempo bräuchte und der Wirtschaft mehr Bewegungsfreiheit gönnen müsste. Und um dieses „Gönnen können“ wird nun auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum (OWF) im brandenburgischen Bad Saarow heiß gestritten.

Energiewirtschaft: schnelle Therapie nötig

Die Diagnose kurzgefasst: Reformstau. Zu viel Bürokratie, zu hohe Sozialabgaben und Energiepreise belasten die deutsche Wirtschaft seit Jahren – sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer. Stagnation ist die Folge. Mit dem Irankrieg und der Ölkrise steigen die Energiepreise weiter und damit die Kosten in den Liefer- und Wertschöpfungsketten: Preissteigerung plus Stagnation ergibt als toxische Mischung Stagflation. Besonders im Osten sinken laut Ifo-Institut die privaten Investitionen. Zudem belastet die Überalterung der Gesellschaft den ostdeutschen Arbeitsmarkt zusehends: Vor allem die Fachkräfte schwinden.