Kein Glanz, aber Gloria: Alexander Zverev hat seine nächste Pflichtaufgabe bei den French Open erfüllt und zum sechsten Mal nacheinander das Viertelfinale erreicht. Am Sonntag genügte fürs Weiterkommen beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt nach schwachem Start eine solide Leistung. Seine Rolle als neuer Turnierfavorit von Roland Garros ist er damit im Ergebnis gerecht geworden. Ob Zverevs Darbietung gegen den Niederländer Jesper de Jong den verbliebenen Rest des Herrenfeldes das Fürchten lehrt, sei dahingestellt. „Ich habe das Gefühl, mein Spiel ist da, und es kommt darauf an, es auf den Matchcourts zu zeigen“, sagte Zverev im Siegerinterview.Der Globetrotter aus Haarlem, 106. der Weltrangliste und mit Tape an der rechten Wade, erwies sich bei Zverevs 7:6 (7:3), 6:4, 6:1-Achtelfinalsieg wie erwartet als zu kleines Kaliber. „Als ich meinen Rhythmus gefunden hatte, fühlte ich mich auf dem Platz wohl“, sagte der Deutsche.Jetzt wartet Spaniens Toptalent JodarDie nächste Hürde, die der 29-Jährige auf dem Weg zum ersehnten ersten Grand-Slam-Titel überwinden muss, stellt nach den bisherigen Eindrücken eine größere Herausforderung dar. Es ist der zehn Jahre jüngere Rafael Jodar. Der 29. der Weltrangliste machte im Achtelfinale einen 0:2-Satzrückstand gegen seinen Landsmann Pablo Carreno Busta wett und gewann sein zweites Fünftsatzmatch binnen drei Tagen (4:6, 4:6, 6:1, 6:2, 6:2). Gegen den spanischen Teenager mit Spitznamen „Rafa“ – da war doch was! - hat Zverev noch nie gespielt. „Er ist unglaublich talentiert. Ich muss Vertrauen in mich haben, dann werde ich bereit sein“, sagte der in Paris an Position zwei Gesetzte.Während Jannik Sinner als gescheiterter Titelkandidat stürzte und andere Mitfavoriten wie Novak Djokovic ebenfalls aus dem Wettbewerb purzelten, bleibt der Deutsche also in Paris standhaft. In vier Runden gab er nur einen Satz ab – ein gutes Zeichen für die zweite Turnierwoche. Haushaltet der Hamburger doch anders als früher gut mit seinen Kräften. Der Weltranglistendritte stand gegen den Niederländer 2:14 Stunden auf dem Platz. Die Zeit reichte, um de Jong den 26. Geburtstag zu vermiesen.Am zweiten French-Open-Sonntag war alles anders als eine Woche zuvor an Pfingsten. Zum einen, was das Wetter anging: nicht mehr so heiß wie in der ersten Turnierwoche, sondern lauwarm, leicht böig und gelegentlich feucht. Bedingungen, wie sie der Sonnenanbeter Zverev nicht mag, weil die Bälle dadurch langsamer und seine besten Schläge weniger gefährlich werden. „Man muss das Beste daraus machen“, sagte der Weltranglistendritte: „Das ist Paris. Wie in Deutschland können sich die Bedingungen an einem Tag ändern.“Zum anderen war alles anders, was die Wette auf den Favoriten betraf: nicht mehr so eindeutig, nachdem Sinner in der zweiten Runde an seinem Körper und Juan Manuel Cerundulo gescheitert und einen Tag später auch der Grand-Slam-Rekordturniersieger Djokovic am halb so alten Brasilianer Joao Fonseca gescheitert war. Seither weht ein frischer Wind durch das Turnier.Zverevs nervöser StartEs war am Sonntag auf dem Court Philippe-Chatrier zunächst ein Spiel mit vertauschten Rollen: De Jong stand dicht an seiner Grundlinie und suchte offensiv seine Chancen. Zverev begann wie einer, der viel zu verlieren hat, und tastete sich nur allmählich nach vorne. Nach drei Aufschlagspielen stand es 0:3 – nicht zuletzt wegen fünf Vorhandfehlern Zverevs, die wohlmeinend als Geschenke einzuordnen wären zu De Jongs Geburtstag. Danach wurde der neue Turnierfavorit langsam lockerer und schien sich erfolgreich daran zu erinnern, dass er in diesem Jahr doch eigentlich aggressiver spielen wollte. Im Tiebreak leistete er sich zwar seine Vorhandfehler 12 und 13. Nach dem daraus resultierenden 0:3-Rückstand gewann Zverev jedoch sieben Punkte nacheinander zum Satzgewinn.Je länger das Match dauerte und je stabiler die Vorhand hielt, desto souveräner wurde Zverev. Seine Klasse ließ er gelegentlich aufblitzen, wenn nötig. So sicherte er sich spät im zweiten Satz das entscheidende Break zum 6:4 und nahm dem Niederländer auch im dritten Durchgang gleich nochmal den Aufschlag ab. Nach 2:14 Stunden Spielzeit verwandelte er den ersten Matchball.Der Druck auf den neuen Turnierfavoriten wird von außen erhöht. So hatten zwei Herren, die ihre Grand-Slam-Trophäensammlung schon vor vielen Jahren abschlossen, schon vor Zverevs Match gut reden. „Wenn er diesmal nicht gewinnt, weiß ich nicht, ob er jemals gewinnen wird“, sagte US-Altstar John McEnroe im TV-Studio von TNT Sports. Bei selber Gelegenheit ins gleiche Horn stieß der ähnlich alte Schwede Mats Wilander. „Er wird einen gewinnen. Ich weiß aber nicht, ob es hier sein wird. Eine Menge junger Kerle, die noch im Wettbewerb sind, sind schwer zu schlagen.“ Alexander Zverev ist alt und reif genug, es zu schaffen.
French Open: Alexander Zverev bleibt gegen de Jong standhaft
Gegen den Niederländer Jesper de Jong qualifiziert sich Alexander Zverev ohne Glanz, aber letztlich souverän fürs Viertelfinale. Die nächste Hürde auf dem Weg zum ersten Grand-Slam-Titel dürfte jedoch größer werden.
Alexander Zverev besiegte Jesper de Jong 7:6 (7:3), 6:4, 6:1 und erreichte zum sechsten Mal in Folge das Viertelfinale von Roland Garros. Als neuer Turnierfavorit nach dem Ausscheiden von Sinner und Djokovic wartet nun der zehn Jahre jüngere Spanier Rafael Jodar – Zverevs bislang größte Hürde auf dem Weg zum ersten Grand-Slam-Titel.










