PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungBundesparteitagSo zerstört Marie-Agnes Strack-Zimmermann die Zukunft der FDPStand: 15:10 UhrLesedauer: 3 MinutenAutoritäre Arroganz: Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) auf dem Bundesparteitag der FDPQuelle: Carsten Koall/dpaKann die FDP zur liberalen Alternative für AfD-Wähler werden? Oder geht sie als Splitterpartei unter? Mit ihrem Auftritt auf dem Bundesparteitag hat Marie-Agnes Strack-Zimmermann ihre Partei schwer beschädigt.Seit Jahren erklären Experten den Aufstieg des Populismus als irrationales Phänomen. Angeblich drückt sich darin eine Stimmung aus Überforderung und Wut aus, gespeist aus der unrealistischen Sehnsucht nach einfachen Lösungen in einer immer komplexeren Welt.Diese Erklärung ist Unsinn. Sie dient der Selbstbestätigung einer politischen Elite, die selbst überfordert ist von einer Gegenwart, die ihrem Zugriff entgleitet. Folglich sieht diese Elite ihre Aufgabe darin, die Bürger über ihre Irrtümer zu belehren – oder, wenn das misslingt, durch Anprangerung, Zensurmaßnahmen und Strafanzeigen zur Einsicht zu zwingen. Niemand verkörpert diese autoritäre Arroganz besser als die scheinbar so leutselige EU-Technokratin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Als ihr ein Maschinenbauer im April 2024 bei einem Auftritt in Ravensburg vorwarf, Arbeitsplätze zu vernichten, verhörte die von Bodyguards umringte FDP-Politikerin den Mann: „Weiß Ihr Chef, was Sie hier machen? Sagen Sie mir doch mal Ihre Firma!“Politik als Angebot, das man besser nicht ablehnen sollte: Genau diese erpresserische Machttechnik hat den Populismus starkgemacht. Als militante Fortsetzung von Angela Merkels „asymmetrischer Demobilisierung“ will sie die Bürger nicht mehr nur beschwichtigen, sondern ihre Zustimmung oder zumindest ihr Schweigen erzwingen – durch die Tabuisierung kritischer Positionen, sei es in der Corona-, Migrations- oder Klimapolitik. Das rationale Kalkül der AfD-WählerStrack-Zimmermanns unangekündigte Kampfkandidatur auf dem FDP-Parteitag, wo die Liberalen mit ihrem neuen Vorsitzenden Wolfgang Kubicki den Neuanfang wagen wollten, folgt dieser Logik. Kubicki weiß, dass der Aufstieg der Alternative für Deutschland auf einem Mangel an Alternativen beruht. Das Votum für die AfD ist für viele Bürger die einzige Form, in der das Wort „Nein“ in der Sprache der Politik zur Verfügung steht. Und in dieser Sprache wird es immerhin gehört. Denn selbst wenn die AfD noch keine Regierungsoptionen hat, macht jeder neue Umfragerekord die Politik nervöser – und bringt die anderen Parteien dazu, zumindest zaghaft jene Probleme anzufassen, deren Existenz sie so lange geleugnet haben.Es ist also kein irrationales Verhalten, sondern rationales Wenn-dann-Kalkül, das Wähler von CDU, SPD und sogar Grünen zu einer Phantompartei treibt, die ihre Kompetenz noch nie unter Beweis stellen musste. Kubicki hat das Problem benannt: Hier die „Volksfront“ aller übrigen Parteien, dort die „völkische Front“ der AfD, ein Drittes gibt es nicht.Lesen Sie auchFür die FDP eröffnet sich unter Kubicki die Chance, ein radikalliberales Gegenprogramm zur herrschenden Politik zu formulieren. Das aber kann nur gelingen, wenn heimatlose Bürgerliche wissen, dass sie nicht doch „more of the same“ bekommen. Schließlich flog die Partei 2025 aus dem Bundestag, nachdem ein Teil der Fraktion dort eine Rückkehr zum geltenden Asylrecht verhinderte, nur weil die AfD das ebenfalls wollte. Wie soll der Wähler so wissen, was er kriegt?Indem sie 39 Prozent der Mitglieder hinter der Forderung versammelte, die FDP dürfe keine „Partei des Dagegen“ sein, hat Strack-Zimmermann diese Unklarheit perfide in die neue Kubicki-FDP hineingetragen – und in der für sie typischen Sprache der impliziten Drohung klargemacht, dass sie das Verhalten des neuen Vorsitzenden weiter genau im Blick hat und im Zweifel gegen ihn mobil machen wird: „Wolfgang weiß, dass es 60 zu 40 steht.“ Doch als gelbe Nuance im Konsens der nur vermeintlich „konstruktiven“ Kompromisskultur werden die Liberalen eine Splitterpartei bleiben – und die AfD wird sich weiter erfolgreich als einzige kritische Kraft inszenieren können. Wenn Strack-Zimmermann ihre kämpferische Pose ernst gemeint hat und sie nicht bloß den siegreichen Widersacher beschädigen wollte, bleibt ihr nur eine ehrenhafte Wahl: Sie sollte aus der FDP austreten.