Der andere BlickMarie-Agnes Strack-Zimmermann zwingt die Liberalen durch ihre spontane Kampfkandidatur in eine lähmende Richtungsdebatte. Das ist Gift für die ohnehin um ihr Überleben kämpfende Partei.01.06.2026, 04.30 Uhr3 LeseminutenWolfgang Kubicki am Samstag wenige Sekunden nach Bekanntgabe des Ergebnisses seiner Wahl zum FDP-Vorsitzenden.DTS-Nachrichtenagentur/ImagoSie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», heute von Anna Schiller, Redaktorin der NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Überlebensstrategie der FDP liegt eigentlich auf der Hand. Die Liberalen besitzen im deutschen Parteiensystem ein echtes Alleinstellungsmerkmal: Sie sind die einzige Kraft, die konsequent für weniger Staat und mehr Freiheit eintritt. Diese Botschaft hätte vom Parteitag am vergangenen Wochenende ausgehen müssen. Stattdessen präsentieren sich die Liberalen tief gespalten und orientierungslos.Sicher, die Politik lebt von Streit, er belebt auch die innerparteiliche Debatte. Doch nicht so, wie die Europaparlamentarierin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ihn am Samstag angezettelt hat. Dass sie erst auf eine eigene Kandidatur verzichtete, um dann auf den letzten Metern dem einzig verbliebenen Kandidaten Wolfgang Kubicki doch noch in die Parade zu fahren, war destruktiv.Die FDP kann sich keinen Richtungsstreit leistenIn der Partei scheinen zu viele den Ernst der Lage nicht begriffen zu haben. Die Liberalen sind nur noch in sechs Landesparlamenten vertreten. Zwei davon werden im Herbst neu gewählt. Sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern muss die Partei nach neusten Umfragen um ihren Wiedereinzug bangen. Die FDP ist eine Partei im Überlebenskampf. Einen langwierigen Richtungsstreit kann sie sich nicht leisten.Es gibt nur einen Weg, wie die Partei ihr Überleben sichern kann. Sie muss die mehrheitlich zu AfD und CDU gewanderten Wähler zurückgewinnen. Was diese nicht wollen, dürfte eigentlich klar sein: die faulen Kompromisse aus der Zeit der Ampelkoalition mit Grünen und SPD.Das Ergebnis des Parteitags verdeutlicht jedoch: Grosse Teile der Partei scheinen genau das gut zu finden. Denn nichts anderes werden die Wähler bekommen, wenn die FDP, wie vom linken Parteiflügel gefordert, jegliche Mehrheiten mit der AfD ausschliesst.Strack-Zimmermann bleibt Antworten schuldigWenn sie sich hinter der Brandmauer verschanzt, bleiben der FDP nur Union, Grüne, SPD und die Linkspartei für Mehrheiten im Parlament. Das sind jedoch allesamt politische Kräfte, die erfahrungsgemäss eher wenig Interesse an der Verwirklichung wirklich liberaler Politik haben. Strack-Zimmermann hat auf dem Parteitag zwar vollmundig liberale Prinzipien versprochen, blieb aber die Antwort schuldig, wie sie diese mit ihrem künstlich verknappten Pool möglicher Partner erreichen will.Der innerparteiliche Konflikt wiegt zudem noch schwerer, wenn man bedenkt, dass sich die Frage nach dem Umgang mit der AfD für die Liberalen derzeit nicht so drängend stellt wie etwa für die Union. Die FDP wird wohl vorerst nicht in Regierungsverantwortung kommen. Bei der Debatte geht es allenfalls um eine mögliche gemeinsame Abstimmung. Die Partei zerstreitet sich also gerade an einem Thema, dem sie sich eigentlich mit grösserer Freiheit nähern könnte.Natürlich garantieren auch Abstimmungen mit der AfD kein Aufblühen freiheitlicher Politik in Deutschland. Die Rechtsaussenpartei ist nicht gerade ein Hort des Liberalismus. Ihr schwebt etwa ein Rentensystem vor, das jeden echten Liberalen schaudern lassen muss. Aber warum sollte sich die FDP Abstimmungen mit der derzeit laut Umfragen stärksten Partei grundsätzlich verschliessen, wenn sich mit ihr punktuell liberale Projekte verwirklichen lassen?Kubicki fehlt die UnterstützungKubicki hatte das Problem richtig erkannt. Er benannte die «Brandmauer» als strategischen Fehler und argumentierte, dass sachlich richtige Entscheidungen nicht allein deshalb unterbleiben dürfen, weil die AfD zustimmen könnte. Das war mutig, das war pragmatisch, und es machte die FDP wieder als Partei glaubhaft, die zu ihren liberalen Kernzielen steht.Strack-Zimmermann hingegen hat den Liberalen mit ihrem Manöver in einer heiklen Phase geschadet. Kubicki steht nun vor einem kaum lösbaren strategischen Problem: Er muss Wähler zurückgewinnen, die offensichtlich weniger Hemmungen im Umgang mit der AfD haben. Dafür fehlt ihm jedoch die Unterstützung weiter Teile seiner eigenen Partei.Die FDP kann von Glück reden, wenn sie diese Zerreissprobe überlebt – und Strack-Zimmermann am Ende nicht zur Symbolfigur des liberalen Niedergangs wird.1 KommentarMitja Hänseler vor 22 MinutenAnfang dieses Jahr hat Alice Weidel in der Bundestagsrede von der Einführung eines 3 Säulen Prinzips à la Schweiz geredet. Will mir der Autor damit mitteilen, dass die Schwiez auch kein Liberales Rentensystem hat? Habe ich was übersehen oder falsch interpretiert?Passend zum Artikel
An der Brandmauer entscheidet sich die Zukunft der FDP
Marie-Agnes Strack-Zimmermann zwingt die Liberalen durch ihre spontane Kampfkandidatur in eine lähmende Richtungsdebatte. Das ist Gift für die ohnehin um ihr Überleben kämpfende Partei.










