Es ist 16.04 Uhr an diesem Samstag im Estrel-Hotel im Berliner Südosten, als die Parteitagsregie das Ergebnis verliest: 59,72 Prozent für Wolfgang Kubicki. Der 74-Jährige nimmt den Kuss seiner Frau Annette Marberth-Kubicki entgegen, ohne Emotion, ohne Jubel. Wer in diesem Moment sein Gesicht sah, wusste: Das war kein Triumph. Das war ein Überleben – des Politikers und seiner Partei.
Und deswegen vielleicht ist genau das die treffendste Metapher für den Zustand der FDP in diesem heißen Frühsommer des Jahres 2026 – einer Partei, die nach dem 4,3-Prozent-Debakel der Bundestagswahl 2025 im freien Fall war, sich nun an einen Mann klammert, der das Wort „Brandmauer“ für einen „Popanz“ hält, und auchnim Osten zur Hoffnung wird. Eine paradoxe Konstellation, deren Tragweite erst sichtbar wird, wenn man genauer hinschaut.
Der Coup, der keiner werden durfte
Was sich am 30. Mai 2026 abspielte, war eine kleine politische Sensation. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, 68, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament – dorthin abgeschoben, meinten nicht wenige –, hatte am Vorabend im Bundesvorstand noch geschwiegen, als gefragt wurde, ob es eine Gegenkandidatur gebe. Um 14.30 Uhr dann der Paukenschlag: Der frühere NRW-Parteichef Joachim Stamp tritt ans Pult, schlägt Strack-Zimmermann vor. 33 Delegierte hatten heimlich unterschrieben. Selbst NRW-Landeschef Henning Höne – eigentlich der Verlierer der Vorgeschichte – wusste von nichts.










