KommentarWir sollten uns nicht freiwillig ein Damoklesschwert über den Kopf hängenEs hat sich viel Ärger angestaut, gegen übermässige Zuwanderung, gegen Kriminelle mit Migrationshintergrund. Die Versuchung, dagegen ein Zeichen zu setzen, scheint gross. Und doch ist es klüger, ihr zu widerstehen.31.05.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenEin Plakat wirbt in der Nähe von Unteriberg (SZ) für die SVP-Initiative.Salvatore Vinci für NZZaSEin Zeichen setzen. Ein Zeichen gegen den starken Zustrom von Menschen in unser Land. Gegen Kriminelle mit Migrationshintergrund, die im Morgenverkehr wahllos mit dem Messer zustechen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wer derzeit durch das Land fährt und den Menschen zuhört, nimmt eine betont wachstumskritische Stimmung wahr, in die sich spätestens seit der schrecklichen Tat von Winterthur offene Ablehnung gegen Fremdes mischt. Selbst wer mit Wirtschaftsvertretern in den Städten spricht, ist erstaunt, auf wie viel Wohlwollen die 10-Millionen-Initiative auch in diesen Kreisen stösst. Der Sog der Initiative ist beträchtlich, sie hat ein derart starkes Narrativ erzeugt, gegen das schwer anzukommen scheint.Tatsächlich stehen die Gegner seit Wochen vor der Herausforderung, ein ähnlich kräftiges Gegennarrativ zu erzeugen. Denn letztlich sind es Geschichten und Gegengeschichten, die über den Erfolg eines Volksbegehrens entscheiden. Während die Befürworter wochenlang eine mehrheitsfähig-sanfte Kampagne fuhren («Bewahren, was wir lieben»), setzen sie in der Schlussphase auf die Mobilisierung des eigenen Lagers («Asylanten vergewaltigen 11 x häufiger als Schweizer»). Die Gegner verharren derweil bei ihrer Warnung vor der «Chaos-Initiative», einem Framing, das noch nicht so richtig zu überzeugen vermochte.Initiativen sind auch dazu da, Druck zu erzeugen und Lösungen für Probleme einzufordern, denen die Bundespolitik zu wenig Beachtung schenkt. Das ist hier nicht anders – mit dem grossen Unterschied, dass Radikalmassnahmen drohen, sollte das Zuwanderungsproblem nicht auf andere Weise gelöst werden können. Ein Bevölkerungsdeckel, bürokratische Kontingentssysteme und drohende Hindernisse beim Handel mit der EU wären drastische Eingriffe in unser freies Wirtschaftssystem. Wir sollten uns nicht freiwillig ein solches Damoklesschwert über den Kopf hängen.Trotzdem müssen wir die von der Initiative angesprochenen Probleme angehen: den Wohnungsbau durch kluge Verdichtung (auch in die Höhe) und weniger Regulierung forcieren, mit Gestaltungswillen und technologischem Fortschritt dafür sorgen, dass der Verkehrs-, Energie- und Infrastrukturbereich mit der Zuwanderung Schritt hält, Anreize schaffen, dass Menschen ihr Arbeitspensum erhöhen statt senken, ernsthaft über eine Erhöhung des Rentenalters diskutieren und womöglich über eine Zuwanderungsabgabe nachdenken.Viele dieser Vorschläge stossen jeweils umgehend auf Kritik – ironischerweise vor allem bei jenen, die am lautesten für offene Grenzen eintreten. Dennoch sollten wir diesen Ansatz wählen: mit einem Bündel von Massnahmen auf die Nebenwirkungen der Zuwanderung reagieren. Diese Gegenerzählung mag weniger stark klingen als die Verlockung, jetzt einmal ein Zeichen zu setzen. Doch es ist diese Politik der massvollen Schritte, die unserem Land Wohlstand und Stabilität eingebracht hat. Wir sollten dieses Prinzip auch am 14. Juni nicht über den Haufen werfen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»1 KommentarBenno Suter vor 13 MinutenLiebe NZZ, es reicht nun wirklich! Wir haben all die fadenscheinigen Argumente nun x-fach gehört. Es schmeckt nach reiner Propaganda und hat nichts mit einer seriösen, bürgerlichen Zeitung zu tun, welche bestimmt 50% Leser hat, die jeden Tag über diesen Unsinn bloss den Kopf schütteln.