PfadnavigationHomeRegionalesHamburgOlympia-ReferendumDas Wochenende der Wahrheit für HamburgStand: 07:32 UhrLesedauer: 6 MinutenDas Entzünden der olympischen Fackel in Griechenland – wird das Feuer eines Tages nach Hamburg kommen?Quelle: picture alliance/dpa/Paris SarrikostasAn diesem Sonntag entscheidet sich, ob sich die Hansestadt für die Ausrichtung der Olympischen Spiele bewerben will, das Ergebnis des Referendums wird mit Spannung erwartet. Wie geht es – je nach Ausgang – danach weiter?Hamburg hat die Wahl – am Sonntag endet das vom Senat initiierte Referendum darüber, ob sich die Hansestadt als Austragungsort für Olympische Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll. Seit Wochen werden Pro- und Contra-Argumente diskutiert, es geht – wie bei jedem größeren Vorhaben – um eine Abwägung zwischen Chancen und Risiken und auch darum, ob Hamburg ganz im olympischen Sinn noch dazu in der Lage ist, gemeinsam für eine Idee zu brennen. Da diese Frage für die Zukunft der Stadtgesellschaft so wesentlich ist, sortiert WELT AM SONNTAG vor dem Wahlwochenende die Sachlage.Wie läuft der Abstimmungstag ab, wann liegen Ergebnisse vor?Von 8 bis 18 Uhr sind 178 Abstimmungsstellen geöffnet. Jede der knapp 1,3 Millionen stimmberechtigten Personen, die noch nicht per Brief ihre Stimme abgegeben hat, kann frei entscheiden, welche der Abstimmungsstellen sie aufsuchen möchte. Mitgebracht werden müssen der Abstimmungsschein aus den zugeschickten Unterlagen sowie Personalausweis oder Reisepass. Die Stimmen werden am Sonntagabend noch ausgezählt. Die Auszählung ist öffentlich. Die Stadt informiert laufend auf wahlen-hamburg.de über den Stand der Auszählung. Das vorläufige Ergebnis wird am späten Abend bekannt gegeben. Vermutlich gegen 22.30 Uhr wird feststehen, wie sich die Hamburger entschieden haben.Welche Quoren müssen für eine Zustimmung erreicht werden?Damit ein Referendum in Hamburg erfolgreich ist, müssen mindestens 20 Prozent der Abstimmungsberechtigten, die zur letzten Bürgerschaftswahl wählen durften, mit „Ja“ gestimmt haben. Beim Olympia-Referendum müssen demnach mindestens 262.609 Ja-Stimmen eingehen. Ab dann zählt die einfache Mehrheit. Eine Ja-Stimme mehr als Nein-Stimmen würde reichen, damit Hamburg sich für die Ausrichtung der Olympischen Spiele bewirbt. Ist es wichtig, wie hoch eine eventuelle Zustimmung ausfällt?Zunächst einmal ist entscheidend, dass es überhaupt eine Mehrheit für eine Bewerbung gibt, sonst endet der Prozess an diesem Sonntag. Aber auch eine hohe Zustimmung wäre im weiteren Prozess wichtig, wie Otto Fricke, Vorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), jüngst in der WELT AM SONNTAG deutlich machte. Auf einer Bewertungsmatrix ist die Unterstützung eine von mehreren Punkten, und wenn eine Stadtgesellschaft deutlich stabil hinter einer Bewerbung steht, wäre das ein Vorteil.Lesen Sie auchWelche gesellschaftlichen Gruppen sind für eine Bewerbung – und welche dagegen?Parlamentarisch gesehen sind AfD und Linke hier in der Gegnerschaft vereint. Während der AfD jede Entwicklung ein Dorn im Auge ist, die die Parteien der Mitte stabilisiert, haben die Linken wie schon vor elf Jahren beim Olympia-Referendum ihr Lagerfeuer-Thema gefunden: angeblich steigende Mieten, das böse und unreformierbare IOC, Spitzensport als Elitenspaß. Aber es gibt auch jenseits der Parteien Skeptiker und Gegner, die sich in der Gruppe NOlympia organisieren. Auf der anderen Seite steht OlympJA, eine Initiative vieler Hamburgerinnen und Hamburger, die sich für eine Bewerbung starkmachen. Sie betonen ebenso wie die Parteien Grüne, FDP, CDU und SPD die Bewerbung und betonen, welche Chancen sich für Hamburg ergeben würden, gerade auch mit Blick auf den Ausbau der Sport-Infrastruktur, aber auch als gemeinsames Ziel einer ganzen Region, von dem sich viele positive Aspekte für die kommenden Jahrzehnte ableiten lassen. Und das in allgemein schwieriger werdenden Zeiten. Auch viele Unternehmens- und Wirtschaftsverbände, zahlreiche Sportvereine und andere Institutionen aus der gesellschaftlichen Mitte bekennen sich zu der Bewerbung. Zuletzt sogar Udo Lindenberg. Er wurde wie andere Prominente, aber auch normale Bürger, Teil einer Plakatkampagne der Olympia-Initiatoren, die insgesamt rund zwei Millionen Euro für die gesamten Werbe- und Informationsaktivitäten ausgegeben haben. Die Gegner sprechen von rund 80.000 Euro an eigenem Mitteleinsatz.Welche Bedeutung hat das Abstimmungsergebnis für Bürgermeister Peter Tschentscher und seine Rot-Grün-Koalition?Auch wenn sich Tschentscher stark persönlich engagiert hat – der Ausgang des Referendums hat für ihn und seine rot‑grüne Koalition politisch wenig Sprengkraft. Das ist zumindest die Einschätzung des Senats. Demnach werde die Abstimmung zu Olympia von den Menschen als Einzelfrage verstanden – nicht als Votum über die grundsätzliche Zufriedenheit mit der Regierungsarbeit. Weder ein „Ja“ noch ein „Nein“ beim Referendum tauge daher als Sieg oder Niederlage für Rot-Grün. Sein Selbstbewusstsein stützt Tschentscher auf den Erfolg bei der Bürgerschaftswahl 2025 sowie auf eine jüngste Umfrage, die seine Koalition bestätigt. Entsprechend gilt ein Rücktritt des Bürgermeisters im Fall eines aus Sicht des Senats gescheiterten Referendums als unwahrscheinlich. Das Olympia‑Votum entscheidet also über Olympia – nicht über die Zukunft von Tschentscher oder Rot‑Grün. Geplant ist, dass sich der Bürgermeister direkt am Montag öffentlich zum Ergebnis äußert und die daraus folgenden Schritte erklärt.Was kommt an Infrastruktur auch im Falle eines Scheiterns des Referendums?Schon bei der ersten Präsentation des Konzeptes vor einem Jahr machte Hamburgs Sportsenator Andy Grote (SPD) deutlich, dass auf jeden Fall ein neues Stadion im Volkspark gebaut und dann maßgeblich vom HSV betrieben werden soll. Details dazu fehlen allerdings noch, eine Machbarkeitsstudie ist beauftragt worden. Aber auch die Konzerte der Zukunft, die häufiger auf feste Standorte setzen statt auf klassische Tourneen – zuletzt etwa Adele in München oder die Backstreet Boys in Düsseldorf –, sollen dort stattfinden. Gebaut wird auch die Science City Bahrenfeld. Hier soll temporär das Athletendorf entstehen, das dann in studentischen Wohnraum umgewidmet wird. Eingeführt werden soll so oder so auch der zusätzliche Sportunterricht in Hamburgs Schulen.Und was kommt nicht?Viele Investitionen in die öffentliche Infrastruktur oder in Sportstätten werden deutlich schwieriger zu finanzieren sein – und auch die Attraktivität der Stadt für Investoren aus aller Welt wird dann nicht gegeben sein. Die Plakat-Rechnung der Linken, dass mit dem Geld für viele Jahre das Schulessen bezahlt werden könnte, ist jedenfalls schwer nachzuvollziehen – ohne Olympia wird es das Geld, das für Investitionen vorgesehen wäre, schlicht ebenso wenig geben wie die Einnahmen (und Steuerzahlungen) von heimischen Handwerkern und Baufirmen, die von Olympia profitieren würden. Auch der Bund oder die Deutsche Bahn dürften sich dann weniger auf Hamburg konzentrieren.Lesen Sie auchWie steht es in den anderen deutschen Bewerber-Regionen?In München ist das Referendum mit 66 Prozent Zustimmung längst durch, NRW folgte im Frühjahr mit einem ebenfalls starken Votum. In Berlin hat sich vorvergangene Woche das Abgeordnetenhaus für eine Bewerbung ausgesprochen, eine Volksinitiative will hier noch ein Referendum durchsetzen. Auch die Kieler haben als Wassersportort einer Bewerbung zugestimmt.Falls Hamburg sich bewirbt – wie geht dann der Deutsche Olympische Sportbund vor?Im September stimmen die Olympischen Fachverbände bei einer DOSB-Versammlung über die deutsche Kandidatenstadt oder Kandidatenregion ab. Ein Jahr später käme dann das IOC zum Zuge – auf europäischer Ebene sind Istanbul und Budapest derzeit die Konkurrenten. Deutschland werden gute Chancen zugesprochen.
Olympia-Referendum: Das Wochenende der Wahrheit für Hamburg - WELT
An diesem Sonntag entscheidet sich, ob sich die Hansestadt für die Ausrichtung der Olympischen Spiele bewerben will, das Ergebnis des Referendums wird mit Spannung erwartet. Wie geht es – je nach Ausgang – danach weiter?













