Anfang Mai legte der Öltanker „Agios Fanourios I“ im irakischen Hafen Basra ab, beladen mit zwei Millionen Barrel Rohöl im Wert von rund 200 Millionen Dollar. Dabei führte die Route, mit dem Ziel Vietnam durch die aktuell meistdiskutierte Meeresenge, der Straße von Hormus, eine der umkämpftesten Wasserstraßen der Welt.

Eingefädelt hatte das Geschäft nicht ein Rohstoffgigant, sondern Lytton SA: ein Genfer Handelsunternehmen, das erst seit 2024 existiert, nach eigenen Angaben gerade einmal acht Mitarbeiter zählt und in der Branche bis dahin kaum jemandem aufgefallen war.

Die Herausforderung war enorm. Seit Israel und die USA Ende Februar Iran angriffen, kontrolliert Teheran die Straße von Hormus als wichtigstes Druckmittel in den laufenden Verhandlungen mit Washington. Mehr als 30 Handelsschiffe wurden seitdem in der Region getroffen, mindestens zehn Seeleute kamen ums Leben. Für Reedereien sind Mehrkosten in Millionenhöhe pro Woche laut Verband Deutscher Reeder inzwischen keine Seltenheit mehr.

Dreimal gestoppt, dreimal weitergekommen

Die „Agios Fanourios I“ wagte die Passage dennoch – und geriet zunächst in das Auge des Sturms. Nach Angaben von Bloomberg wurde das Schiff zweimal zur Umkehr aufgefordert und zeitweise Richtung Bandar Abbas umgeleitet, dem wichtigsten iranischen Seehafen am Persischen Golf. Was genau in diesen Stunden an Bord und hinter den Kulissen geschah, ist nicht bekannt. Lytton SA macht zu den Details keine Angaben.