Deutschland kommt wirtschaftlich weiter nicht vom Fleck. In ihrem Frühjahrsgutachten haben die Wirtschaftsweisen ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,9 auf nur noch 0,5 Prozent gesenkt. Gleichzeitig warnen sie vor einer gefährlichen Mischung aus schwacher Wettbewerbsfähigkeit, demografischem Wandel und stark steigenden Sozialabgaben. Ohne Reformen könnten die Sozialbeiträge bis 2040 auf fast 50 Prozent steigen.Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, gilt als eine der einflussreichsten Ökonominnen Deutschlands. Im Interview mit der Berliner Zeitung erklärt sie, warum die Bundesrepublik aus ihrer Sicht längst in einer strukturellen Krise steckt, weshalb sie tiefgreifende Reformen bei Rente, Pflege und Krankenversicherung für unvermeidlich hält, welche Fehler die Merz-Regierung und die Wirtschaft gemacht haben – und warum sie trotz aller Krisen Hoffnung für den Standort Deutschland hat.
„Wir stecken in einer strukturellen Krise“
Frau Schnitzer, Ihr Frühjahrsgutachten liest sich deutlich alarmierter als frühere Gutachten. Sie haben die Wachstumsprognose für 2026 von 0,9 auf 0,5 Prozent fast halbiert. Steckt Deutschland inzwischen in einer strukturellen Krise fest?Wir stecken in einer strukturellen Krise. Die Halbierung unserer Wachstumsprognose hat allerdings weniger mit dieser strukturellen Krise zu tun als mit dem Iran-Krieg. Daran sind wir nicht selbst schuld – außer vielleicht insofern, als wir nach wie vor zu stark von fossilen Energieträgern abhängig sind und deshalb die steigenden Energiepreise besonders stark spüren. Hinzu kommen die US-Zölle und die Unsicherheit, die daraus entsteht.












