Die AfD möchte, dass die Menschen in Sachsen-Anhalt und wahrscheinlich auch bald im Rest von Deutschland „Deutsch denken!“. So steht es in ihrem Wahlprogramm. Während man sich leicht vorstellen kann, wie man deutsch isst, Deutsch lernt oder Deutsch liest, ist es mit dem Deutsch denken schon schwieriger, geschweige denn die Frage, wie man kontrolliert, wer deutsch denkt. Mit Ausrufezeichen.„Deutsch denken!“ ist hier nicht wörtlich zu nehmen, sondern vielleicht eher als Kurzformel und Absichtsbekundung zu verstehen für einen allgemein zu befördernden Verblödungsprozess, angeführt von den Ostdeutschen, weil, so steht es auch im Programm, „sie politisch reflektierter und wacher“ sind als ihre westdeutschen Artgenossen. Für diesen Prozess hat die AfD ein unmittelbar einleuchtendes und zielführendes Programm vorgelegt.Vorausgesetzt, die Kinder besuchen noch eine sachsen-anhaltische Schule – was sie nicht mehr tun müssen, wenn die AfD dort das Sagen hat, denn sie können auch zu Hause oder am Stammtisch in „Deutsch denken!“ etc. unterrichtet werden –, dann lernen sie viel über Heilpflanzenpädagogik, viel über Bismarck und eher nichts über den Holocaust (Stichwort Vogelschiss), sie lernen Brauchtum und Tradition (dafür kriegt das Dorf, in dem sie wohnen, fünf Euro pro Einwohner) und dürfen wieder nach Russland reisen, weil das „wertvolle Kommunikationsmöglichkeiten“ ermöglicht.Schüler haben dann das Privileg, ihr „Deutsch denken!“ im russischen Ausland zu stärken oder aber zu relativieren – da muss man abwarten, wie sich die Beziehungen und die Grenzen entwickeln. Junge Menschen, die noch eine Schule besuchen werden, müssen jedenfalls wissen, dass das Demokratieprinzip an diesem Ort nicht unbedingt „sachgerecht“ ist, dafür aber „auf dem Schulhof für Recht und Ordnung“ gesorgt werden wird.Gegen diese und andere Absichten der AfD haben Mitte der Woche mehr als 20 Gewerkschaften, Verbände und andere Organisationen aus dem Bildungsbereich in einem Schreiben protestiert. Denn was wie Satire klingt, ist bitterer Ernst. Und Sachsen-Anhalt könnte für diese Ideen eine Art Labor werden.