Die Wahrheit: Hochgestochene Minikalifen des Humors
Als Freund italienischer Motorräder braucht es für lautes Gelächter unbedingt ein Übersetzungsprogramm aus dem wundervollen Stiefelianischen.
L ange wiegte ich mich in der schmeichelhaften Illusion, die digitale Welt werde ihren Schöpfern wenigstens auf zwei Gebieten niemals das Wasser reichen können: Humor und Poesie, wahlweise auch humoristische Poesie oder poetischer Humor. Neulich aber musste ich erkennen, dass auch diese letzten beiden Bastionen menschlicher Unnachahmlichkeit inzwischen gefallen sind. Die Kränkung wiegt umso schwerer, als dabei kein Supercomputer am Werk war – sondern das vergleichsweise dümmliche Übersetzungsprogramm von Facebook.
Als Besitzer einer Moto Guzzi bin ich Mitglied verschiedener Gruppen, in denen vor allem Italiener die Macken ihrer Mopeds kommentieren. Weil mir das Italienische „un libro con sette sigilli“ ist, drückte ich irgendwann auf „Translate“ – und es öffneten sich mir die Pforten zum Paradies konkreter Poesie, zu geheimnisvollen Versen ohne Rhythmus, Reim oder Sinn, verfasst von bisher unbekannten Meistern der freien Form.
Auf meine banale Frage, wieso bei mir unten das Öl raustropft, überraschte mich ein gewisser Moreno Capocasa mit folgenden Zeilen: „Meiner hat es auch getan. Cricket und um alle Weinreben herum. Ich habe vier Pulls gefunden und einen, der fast von selbst weg gekommen ist. Ende der Schwellung.“ Mit diesem Zug ins Sexuelle hatte ich nicht gerechnet, auch nicht mit der nüchternen Ergänzung von Gaetano Giacca: „Es ist nur der Teil, wo das Gewächshaus unter Druck ausgeht. So wird es durch Temperaturveränderungen.“ Lakonisch und tröstlich zugleich.











