Zelebrieren die Flatterhaftigkeit: Fransen. Getty Images Im Sommer gelingt es einfacher, seinen Stil neu zu verhandeln: Man stürzt sich mit mehr Leichtigkeit in farbliche Abenteuer oder wagt sich an eine ungewohnte Silhouette. Das sind die Favoriten der Redaktion.Aquamarine, das SommerblauNach Jahren, in denen alles farblich an Hafermilch und Matcha Latte angeglichen wurde, entdeckt die Mode Farben wieder, die auch auf Distanz auffallen. Aquamarin bewegt sich zwischen tropischem Ozeanblau und leuchtendem Türkis und erfüllt diesen Zweck. Und noch viel mehr: Die Farbe erinnert an endlose Sommerferien, während deren man im Pool planschte, bis die Finger schrumpelig wurden, an diese künstlich blauen Cocktails aus All-inclusive-Hotels und an Zeiten, in denen Hotels noch nicht aussahen wie Pinterest-Boards. Aquamarin ist momentan auf Tiktok, bei Street-Styles und . . . Getty Images . . . auf Laufstegen zu sehen, wie etwa bei Burberry. Getty Images Dass die Farbe gerade jetzt zurückkehrt, hat tatsächlich viel mit Nostalgie zu tun. Die Mode greift wieder auf die Bildsprache der späten 2000er und frühen 2010er Jahre zurück, als die postkartenhafte Farbe überall zu sehen war; auf roten Teppichen, in exotischen Resort-Kampagnen, in MTV-Musikvideos, an grossen Sonnenbrillen und Schmuck, der aussehen sollte, als hätte man ihn in den Ferien auf Mykonos gekauft. Als wäre sie direkt aus Capri angereist: Paris Hilton 2007 in einem aquamarinfarbigen Kleid. Getty Images Vielleicht verkauft Aquamarin auch nur eine Vorstellung von Sommer. Allerdings eine, die wunderbar funktioniert, wenn man die warmen Monate in der Stadt verbringt, sich aber lieber ans Mittelmeer wegträumen will. Wobei: An gewissen Stellen sieht selbst der Zürichsee im Juli ein kleines bisschen danach aus, oder?Text: Sonja SiegenthalerVersatiler HalsschmuckEs gab mal eine Zeit, die noch gar nicht so lange her ist, in der gewisse Stilexperten und dergleichen es für angebracht hielten, Männerschmuck als modisch heikles Terrain für den Durchschnittsmann zu deklarieren. Heute ist das alles kein Thema mehr. Vor allem dank jüngeren Generationen, die vor einer Weile schon die Perlenkette für Männer rehabilitierten, aber auch dank den unendlich vielen Trends, Vorbildern und Stylingideen, die wir in den sozialen Netzwerken täglich ausgespuckt erhalten, werden mittlerweile auch heteronormative Herren kaum noch schräg angeschaut, wenn sie sich mal mit einem oder mehreren Schmuckstücken behängen. Getty Images Macht es vor, wie man 2026 als Mann über fünfzig mit Würde Statement-Halsschmuck trägt: der Schauspieler Justin Theroux. Der Halsschmuck ist der simpelste und unkomplizierteste Weg, sich zu verschönern. Mit nur einem Handgriff verleiht man so seinem Outfit einen neuen, besonderen Dreh. Als Key-Piece für diesen Sommer zählen aber nicht unbedingt der kleine Sternzeichen-Anhänger und ähnliche Symbole, die sich Männer seit je an Gold- oder Silberkettchen um den Hals hängen, sondern etwas prägnantere Versionen mit modisch stärkerer Aussage. Die Möglichkeiten reichen von folkigen oder ethnisch inspirierten Amulett-Kreationen mit Natursteinen bis hin zu schlichteren Variationen.Der Vorteil an so einem Stück: Rasch ist dieses umgehängt – ob solo oder in Paarung mit weiteren Gehängen –, und je nach Ausführung ist so eine Halskette keine allzu grosse Investition und nimmt auch im Kleiderschrank wie auch im Reisegepäck nicht viel Platz ein. Kette aus schwarzen Hämatit-Splittern mit Karabinerhaken, 90 cm, 75 Franken, von Seen. PD Kordelkette mit silberfarbenen Messingperlen, Schiebeverschluss, 45 Franken, von COS. PD Text: Kim DangFliegende FransenMit Fransen ist das so ein Ding. Sie gelten immer irgendwie als Trend, aber richtig scheint das nie zu klappen. Vermutlich liegt das Flatterhafte in ihrer Natur. Jedenfalls habe ich mir dieses Jahr einen ausgefransten Sommer vorgenommen. Fransenjupe aus Baumwolljersey, 224 Franken, und Lederstiefel, 884 Franken, von Abra. PD Auslöser war ein schwarzes, ärmelloses Wildledertop mit langen Fransen am Saum, das ich in einem Secondhand-Geschäft in Athen entdeckte. Es hat einen leichten Cowgirl-Einschlag und macht dank der zusätzlichen Textur viele Outfits aufregender. Beim Tragen – und beim Blick in die Sommerkollektionen von Abra bis Loewe – wird klar: Die Magie der Fransen liegt in der Bewegung. Stillstand ödet sie an. Also, los!Text: Jana SchibliBoudoir-HybrideOb Négligée oder Pyjama: Kleider, die lange Zeit eindeutig fürs Drinnen gedacht waren und eindeutig fürs Private, werden nun draussen getragen: das spitzenbesetzte Hemdchen, gerne auch gleich als Top oder Kleid, der Pyjama, wie bei Dolce & Gabbana. Der Shorty, wie Laila Gohar in ihrer Kollektion für Arket zeigte. Im Pyjama nach draussen: Dolce & Gabbana. Getty Images Ja, dieses Outfit ist für draussen gedacht: Laila Gohar für Arket. PD Augenscheinlich wird gerade neu verhandelt, was als adäquate Kleidung gilt. Auch, weil die hohen Temperaturen nach neuen Ideen verlangen. Und was läge näher, als sich sozusagen bis aufs letzte Hemd auszuziehen? Spannender und strassentauglicher, allerdings auch wieder wärmer, wird der Look, wenn er mit artfremden Stücken kombiniert wird, etwa einem Blazer oder seriösen, geschlossenen Schuhen zum Négligée.Text: Malena RuderFerien in ArbeitskleidungDieser Miu-Miu-Schürzen-Look ist ja schon reichlich diskutiert worden. Jetzt, wo die Ferienzeit langsam losgeht, sehe ich Kittel und Schürzen aus anderen Perspektiven. Geschützt arbeiten im Sommer, aber anders: Kirschen und Beeren im Garten des Ferienhauses pflücken und gleich Marmelade kochen. Auch beim Grillieren sind Schürzen oder Kittel unschlagbar, etwa um fettige oder nasse Hände abzuwischen. Wenn man irre wenig Gepäck einpackt, könnte ein Kittel oder auch die Schürze dafür sorgen, dass man zivilisatorisch angezogen ausschaut und sich doch die Hände schmutzig machen kann. Trio der Schauspielerinnen Penélope Cruz, Carmen Maura und Lola Dueñas in Schürzen im Filmklassiker «Volver» von Pedro Almodóvar. In Schürzen lassen sich auch Probleme lösen. Imago Images Vielleicht ist es aber auch so, dass ich in den Ferien immer auch toben und rumwildern möchte. Dafür eignet sich am besten eine Schürze mit Taschen. Am liebsten hätte ich wieder die alte tannengrüne Frotteeschürze meiner Mutter zurück. Aber ich nähme auch den Kittel oder die Schürze vom Künstlerbedarf – oder eben eine von Miu Miu im baldigen Ausverkauf. Schürze mit Tasche überm Badekleid für Fundstücke beim Strandflanieren aus der jüngsten Miu-Miu-Kollektion. Getty Images Text: Ulrike Hug Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Farben, Texturen, Accessoires: Was wir diesen Sommer tragen
Im Sommer stürzt man sich mit mehr Leichtigkeit in farbliche Abenteuer oder wagt sich an eine ungewohnte Silhouette.













