Analyse

Das Vereinigte Königreich steckt in der Krise, der amtierende Premierminister Keir Starmer ist angezählt. Der Zeitpunkt, in UK-Aktien zu investieren, könnte gerade deshalb ideal sein. «Change? Change? Aren’t things bad enough as they are?»Lord Salisbury (3. Februar 1830 – 22. August 1903), ehem. britischer PremierministerOptimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

Themarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.

Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der britische Premierminister Keir Starmer hängt in den Seilen. Gemäss der jüngsten YouGov-Umfrage sind lediglich 20% der Befragten mit seiner Arbeit zufrieden, 70% sehen sie negativ. Kritikpunkte sind u.a. die andauernde wirtschaftliche Stagnation, die steigenden Lebenshaltungskosten sowie die Einwanderungspolitik.Vorläufiger Tiefpunkt waren die Kommunal- und Regionalwahlen vom 7. Mai, in denen Starmers linke Labour-Partei massiv an Zuspruch eingebüsst hat, während die rechte Partei Reform UK von Nigel Farage kräftig zugelegt hat – und zwar auch in Regionen, in denen Labour historisch den Ton angab. Es ist keine Frage mehr, ob Starmer frühzeitig abgelöst wird, sondern vielmehr, wann.Die Rufe nach einer Absetzung auch aus dem eigenen Lager werden lauter, und die Konkurrenz bringt sich in Stellung. Der derzeitige Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham, gilt als Favorit für die Nachfolge Starmers. Das Problem: Burnham kann erst dann ins Rennen steigen, wenn er amtierender Abgeordneter ist. Dazu muss er die Nachwahl in seinem Wahlkreis Makerfield, die voraussichtlich am 18. Juni stattfindet, für sich entscheiden. Zu den weiteren potenziellen Kandidaten zählen die ehemalige stellvertretende Ministerpräsidentin Angela Rayner sowie Gesundheitsminister Wes Streeting. Kurzum: Die politische Unsicherheit hat zugenommen.«Bond Vigilantes» sorgen für NervositätWer auch immer das bessere Ende behält: Auf ihn oder sie wartet eine unangenehme Aufgabe. Denn seit dem Minibudget der konservativen Premierministerin Liz Truss im September 2022, das die Renditen britischer Staatsanleihen (Gilts) in die Höhe schnellen und den Pfundkurs absacken liess, wird die Finanzpolitik von den sogenannten Bond Vigilantes dominiert. Aus diesem Grund sind Starmer und seine Finanzministerin Rachel Reeves erpicht darauf, einen ausgeglichenen Finanzhaushalt zu erreichen.Kein Wunder, denn in den vergangenen Jahren hat sich das Königreich im europäischen Vergleich finanzpolitisch negativ entwickelt. Es gehört zu den wenigen Ländern, die sich durch eine Kombination aus gestiegener Verschuldung und ungünstiger Schuldenentwicklung auszeichnen, was den Spielraum der Regierung einengt (vgl. Grafik). Die Grafik zeigt die öffentliche Verschuldung relativ zum BIP (y-Achse) sowie die Haushaltsbilanz relativ zum BIP (x-Achse) und anhand von Pfeilen die Veränderung von 2015 bis 2025 für verschiedene Länder. Im Vereinigten Königreich haben sich z.B. die Verschuldung und auch die Haushaltsbilanz in diesem Zeitraum verschlechtert. Quelle: Gavekal Research Marktbeobachter sorgen sich derzeit, dass angesichts des anstehenden Führungswechsels die politische Unsicherheit zunehmen wird, was die Kreditkosten weiter in die Höhe treiben würde. Und das in einer Zeit, in der vermehrt in die Rüstung investiert werden muss und der Schuldendienst drückt.Zuletzt zeigten die Kapitalmarktzinsen über alle Laufzeiten hinweg nämlich steil nach oben. Die Rendite zehnjähriger UK-Staatsanleihen hat vorübergehend die Marke von 5% durchbrochen. Derzeit notiert sie bei rund 4,9%. Die Kosten für neu aufgenommene Schulden sind also kräftig gestiegen.Wachstum abgewürgtHinzu kommt das schleppende Wachstum. Als die Konjunktur endlich an Dynamik gewann, griffen die USA und Israel Iran an, worauf die Energiepreise in die Höhe schnellten. Das schadet der Konjunktur, weil die Konsumenten weniger Geld zur Verfügung haben und viele Unternehmen mit höheren Kosten konfrontiert sind. «In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass das vierteljährliche Wachstum ab dem zweiten Quartal durchschnittlich nur noch 0,1% betragen wird», meint Dan Hanson von Bloomberg Economics. Für das Gesamtjahr prognostiziert er ein Wachstum von bloss noch 0,8%.Auch Sven Jari Stehn von Goldman Sachs hat seine Prognose nach unten angepasst. Er kommt zum Schluss, dass die höheren Energiepreise u.a. durch einen geringeren Konsum das Wachstum um 0,7 Prozentpunkte dämpfen werden. Die steigenden Zinsen sieht er ebenfalls als bremsenden Faktor: «Infolgedessen prognostizieren wir für die nächsten vier Quartale eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um nur 1%, was deutlich hinter unserer Schätzung des Potenzialwachstums zurückbleibt.»Der Industrie-Einkaufsmanagerindex, der am 1. Juni publiziert wird, und der Dienstleistungsindex (3. Juni) könnten erste Signale dazu liefern, wie es um die Konjunktur steht. Die vorläufigen Indizes lassen primär bei den Dienstleistungen einen deutlichen Rücksetzer erkennen.Was macht die Bank of England?Die hohen Energiepreise bei einer konjunkturellen Abschwächung stellen auch die Währungshüter vor Probleme. Die Bank of England (BoE) hat an ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung im April die Zinsen unverändert bei 3,75% belassen und erklärt, dass sie «bereit ist, die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die Konsumentenpreisinflation auf Kurs bleibt, das Ziel von 2% mittelfristig zu erreichen».Erfreulicherweise sind die Konsumentenpreise zuletzt weniger kräftig gestiegen als befürchtet. Nach 3% im März hat sich die Inflationsrate im April auf 2,8% abgeschwächt. Dadurch hat der unmittelbare Druck auf die BoE, die Leitzinsen anzuheben, abgenommen.Die Ökonomin Anna Titareva und ihre Kollegen von UBS rechnen deshalb damit, dass die BoE den Leitzins in diesem Jahr nicht verändern wird. Angesichts der schleppenden Konjunktur und einer wenig expansiven Fiskalpolitik sind sie der Ansicht, der derzeitige Zins von 3,75% sei bereits restriktiv und ausreichend, um weiteren Inflationsdruck zu verhindern. «Wir gehen davon aus, dass der nächste geldpolitische Schritt eine Zinssenkung – und zwar im Februar und im April 2027 – und keine Zinserhöhung sein wird», schreiben sie in einer Analyse.Auch Goldman Sachs erwartet keine Anhebung: «Die jüngsten Daten haben uns in der Überzeugung bestärkt, dass der geldpolitische Ausschuss den Leitzins bei seiner Sitzung am 18. Juni unverändert lassen wird.» Dan Hanson von Bloomberg Economics ist etwas vorsichtiger: «Wir gehen von einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Juni aus, wobei das Risiko eher in Richtung einer Verschiebung auf Juli tendiert.»Vieles hängt jedoch davon ab, ob sich die Lage am Persischen Golf bald entspannt.(Wieder-)Annäherung an die EUFür die Probleme der Wirtschaft wird auch der Austritt aus der EU verantwortlich gemacht. 2016 war die Welt noch eine andere. Die Globalisierung schritt voran, in Europa konnte man sich keinen Krieg vorstellen, und London pflegte ein ausgezeichnetes Verhältnis zum Verbündeten in Washington.Zehn Jahre nach dem Brexit herrscht eine gewaltige Verunsicherung, die USA und China streiten sich um die wirtschaftliche Vormacht, in der Ukraine und am Persischen Golf wüten Kriege, und die Welt zerfällt in Einflusszonen. Die Bedeutung des Vereinigten Königreichs hat deutlich abgenommen.Nun werden dort die Stimmen lauter, die eine neuerliche Annäherung an die europäische Gemeinschaft wünschen. So sprachen sich Keir Starmer, aber auch potenzielle Nachfolger wie Andy Burnham und Wes Streeting für eine Annäherung oder gar einen erneuten Beitritt aus. Aber auch in der Bevölkerung hat ein Stimmungswandel stattgefunden. Eine aktuelle YouGov-Umfrage hat ergeben, dass derzeit 56% der Befragten der Meinung sind, das Königreich solle der EU wieder beitreten.Chancen für das Vereinigte KönigreichFür Anatole Kaletsky, Mitgründer von Gavekal Research, wäre eine solche Annäherung eine positive Entwicklung. Er kommt zum Schluss, ein neuer Premierminister der Labour-Partei habe eigentlich nur wenige Optionen, um Starmers wirtschaftliche Bilanz zu verbessern. Dazu zählen eine Normalisierung und Vertiefung der Beziehung zu Europa, eine Überarbeitung der Haushaltsregeln und breit angelegte Steuererhöhungen – oder möglicherweise alles zusammen. Die obere Grafik zeigt die Entwicklung des BIP pro Kopf für die G-7-Länder von 1990 bis 2016, unten ist die Entwicklung ab 2017 dargestellt. Quelle: Gavekal Research Er verweist auf den frappanten Wachstumsunterschied vor und nach dem Brexit. Von 1990 bis 2016 lag das Königreich beim Wachstum des BIP pro Kopf an der Spitze der G-7-Länder. In den darauffolgenden Jahren war die Entwicklung einzig in Deutschland schwächer. Für Kaletsky ist klar, dass der Austritt das Wachstum belastet hat. Allein ein starkes Signal, dass eine Rückkehr in die EU realistisch ist, dürfte sich laut dem Gavekal-Experten positiv auf das Investorenvertrauen – und damit auch auf die Vermögenswerte – auswirken.Den Finanzhaushalt auf eine solide Basis zu stellen, sei anspruchsvoller. Nicht nur die starren fiskalpolitischen Haushaltsregeln müssten angepasst werden, sondern auch die Steuerstruktur. Derzeit bezahle eine kleine Minderheit der Bevölkerung immer höhere Steuern, um den Sozialstaat zu finanzieren, was nicht nachhaltig sei. Auf lange Sicht können öffentliche Dienstleistungen für die gesamte Bevölkerung nur durch höhere Steuern finanziert werden. Die Alternative: beim Sozialstaat sparen.Da ein Weitermachen wie bisher nicht infrage komme, müsse es zu positiven Veränderung kommen, ist Kaletsky überzeugt. Behalte er recht, «bietet Grossbritannien derzeit eine interessante Gelegenheit für Anleger in Aktien, Währungen und möglicherweise sogar Anleihen».Unbeliebte AktienVor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass Vermögenswerte aus dem Vereinigten Königreich von den Anlegern verschmäht werden. Das zeigt etwa die jüngste Umfrage von Bank of America unter Fondsmanagern. Nach ihren Über- und Untergewichten gefragt, gab ein Grossteil der Teilnehmer an, UK-Aktien stiefmütterlich zu behandeln.Einzig in Bezug auf Anleihen und auf Basiskonsumgüteraktien sind sie pessimistischer eingestellt. Dazu passt, dass die Anlageexperten auch dem Pfund gegenüber skeptisch sind. Für Anleger, die entgegen der herrschenden Meinung an den Märkten investieren möchten, ist das positiv.Die negative Einstellung ist sicherlich auch eine Konsequenz der schleppenden Entwicklung der vergangenen Jahre. Während US-Aktien und Valoren aus den Schwellenländern vorpreschten, gehörte der Londoner Leitindex FTSE 100 zu den Nachzüglern.Für Aktien aus dem Königreich spricht des Weiteren, dass sie ein optimales Gegengewicht zur derzeitigen Euphorie rund um die künstliche Intelligenz bilden. Während der Technologiesektor in den USA, den Niederlanden, in Südkorea und in Taiwan mittlerweile ein beträchtliches Gewicht erreicht, ist er im FTSE 100 mit 1% praktisch inexistent. Auch Kommunikationswerte (2%) fristen ein Mauerblümchendasein. Zum Vergleich: Im breiten FTSE All World machen IT-Aktien 30% aus, Kommunikationstitel kommen auf mehr als 8%.Werden die hohen Erwartungen an die KI enttäuscht und kommt es zu einer Korrektur, dürfte der FTSE 100 vergleichsweise gut dastehen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Gefahr einer stagflationären Phase angesichts der Kriege in der Ukraine und am Persischen Golf erhöht ist und der Index überdurchschnittlich viele Unternehmen aus den Branchen Energie und Grundstoffe aufweist, die in einem solchen Umfeld profitieren dürften. Ebenfalls ein Vorteil ist, dass dem FTSE 100 im Gegensatz zu den populären US-Indizes keine Verwässerung wegen unprofitabler Neuzugänge droht.«Der Markt dient weiterhin als wirksame geopolitische Absicherung, da er stark auf Rohstoff- und defensive Sektoren ausgerichtet ist, einschliesslich unseres bevorzugten defensiven Sektors, des Gesundheitswesens», schreiben die Strategen von Citigroup. Umgekehrt wird der UK-Markt weiterhin zurückbleiben, solange KI-Aktien in die Höhe streben.Bewertung ist wenig anspruchsvollDie Unbeliebtheit sorgt dafür, dass die Bewertung insgesamt moderat ist. So notiert das vom Nobelpreisträger Robert Shiller popularisierte langfristige Kurs-Gewinn-Verhältnis, das den Index mit den mittleren inflationsbereinigten Gewinnen der vergangenen zehn Jahre vergleicht, nur leicht über dem historischen Durchschnitt. Viele andere Märkte handeln derzeit deutlich höher.Die Marktstrategin Beata Manthey von Citigroup kommt zum selben Schluss: «Der günstigste grosse Markt bleibt sowohl in absoluter als auch in relativer Hinsicht das Vereinigte Königreich, obwohl alle grossen Märkte nach wie vor über dem historischen Durchschnitt notieren.»Gemäss Manthey dürften britische Unternehmen im laufenden Jahr ein robustes Gewinnwachstum hinlegen: «Konsensprognosen gehen für 2026 von einem weltweiten Wachstum des Gewinns pro Aktie von mehr als 20% aus. Für die Schwellenländer wird ein Wachstum von mehr als 40% erwartet, dahinter folgen die USA (+18%) und Grossbritannien (+18%).» Auch sie erwartet, dass sich UK-Titel vergleichsweise gut schlagen werden, sollte der Krieg in Iran erneut eskalieren.Angesichts der gedämpften Erwartungen braucht es womöglich nicht viel, um britischen Aktien neuen Schwung zu verleihen.Welche ETF sind an der Schweizer Börse verfügbar?Wer seinem Portfolio Aktien aus dem Vereinigten Königreich beimischen möchte, macht das am einfachsten über kotierte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF).Der umfassendste ETF bildet die Unternehmen des FTSE All Share UK ab. Dieser reflektiert die Wertentwicklung aller am Hauptmarkt der Londoner Börse kotierten Gesellschaften, die die Kriterien hinsichtlich Grösse und Liquidität erfüllen. Gemäss dem Indexanbieter deckt das Barometer rund 530 Valoren ab, was 98% der Marktkapitalisierung des Vereinigten Königreichs entspricht. An der Schweizer Börse ist der folgende ETF erhältlich – eine Variante schüttet die Dividenden aus, die andere investiert sie sogleich wieder:Wer primär auf die grossen und bekannten Unternehmen wie HSBC, AstraZeneca, Shell und Rolls-Royce setzen möchte, wählt Fonds auf den Leitindex FTSE 100 oder den MSCI United Kingdom. Ersterer umfasst die hundert grössten britischen Konzerne, Letzterer enthält derzeit 71 Large Caps, was bedeutet, dass die Firmen im MSCI UK im Durchschnitt ein höheres Marktgewicht aufweisen.Eine Alternative bieten die mittelgrossen Firmen, die im FTSE 250 zusammengefasst werden. Allerdings sind sie typischerweise stärker binnenmarktorientiert und damit abhängiger vom politischen Geschehen und von der Konjunktur im Vereinigten Königreich.Schliesslich gibt es auch noch ETF, die sich auf Unternehmen konzentrieren, die höhere Standards in Sachen Umwelt, Soziales und bezüglich betrieblicher Führung erfüllen: Der ETF-Markt in der SchweizDer ETF-Markt wächst und wächst – auch in der Schweiz. 2009 waren erst rund 250 ETF an der Schweizer Börse kotiert, 2014 waren es bereits gegen 1000, und per Ende 2025 standen den Anlegern 2099 ETF zur Auswahl. Allein im vergangenen Jahr wurden 283 neue ETF aufgelegt, während 87 geschlossen wurden. Achtzehn bestehende ETF wurden um eine zusätzliche Handelswährung ergänzt.Insgesamt werden hierzulande derzeit rund 1,9 Bio. Fr. via ETF verwaltet. Per Ende 2025 war der iShares Core S&P 500 mit einem verwalteten Vermögen von rund 100 Mrd. Fr. der grösste an der Schweizer Börse kotierte Fonds.Ging es ursprünglich darum, einfach die gängigen Börsenindizes wie den Swiss Market Index oder den S&P 500 passiv abzubilden, drängten zuletzt vor allem aktive ETF an den Markt, die mit ihren Strategien versuchen, den Vergleichsindex zu schlagen. Dazu zählen auch ESG-ETF, die auf Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung fokussieren, sowie Themenfonds.Komplexere und teurere Produkte auf dem Vormarsch«So verzeichneten im letzten Jahr besonders jene Produkte ein hohes Wachstum, die nicht mehr im ursprünglichen Sinn einen Index passiv abbilden, sondern aktive Wetten eingehen, um so den Markt zu schlagen», schreiben Nino Zebiri und Manuel Rütsche in einer aktuellen Studie des VZ VermögensZentrum mit dem Titel «ETF-Marktstudie Schweiz 2026: Trends, Gebühren und Renditen – eine Analyse zum ETF-Angebot in der Schweiz». Nino Zebiri und Manuel Rütsche: «ETF-Marktstudie Schweiz 2026: Trends, Gebühren und Renditen – eine Analyse zum ETF-Angebot in der Schweiz», VermögensZentrum, Mai 2026. In der Summe wurden 2025 116 aktive ETF lanciert (zwei wurden geschlossen), bei den ESG-ETF kam es zu 68 Neuzugängen, allerdings auch zu vierzig Schliessungen. Aktive ETF sind bislang ausschliesslich in den Anlageklassen Aktien Ausland und ausländische Anleihen erhältlich. Sie können für Investoren mit Zusatzkosten verbunden sein.Bei den Themenfonds standen dreissig Zugängen 21 Abgänge gegenüber. Eine einheitliche Definition von Themen-ETF existiert nicht. Wie der Name aber sagt, umfassen sie Unternehmen, die einem bestimmten Thema zugeordnet werden können; Beispiele sind etwa künstliche Intelligenz, Wasser oder Langlebigkeit.Durch diese Entwicklung entfernt sich der ETF-Markt zunehmend von der Idee, einfach die gängigen Indizes nachzubilden – und auch die Komplexität und die Kosten der Produkte nehmen zu. Während bei den «klassischen» ETF die Gebühren in den vergangenen Jahren nach unten tendierten, lassen sich mit aktiven und Themenfonds höhere Einnahmen erwirtschaften, ohne dass allerdings die Performance nachhaltig über den Vergleichsindizes liegt. Immerhin können Anleger aus einer grösseren Palette an Produkten auswählen und ihre Strategie optimal an ihre Bedürfnisse anpassen.Bei den Anlageklassen überwiegen die Produkte auf Aktien, dahinter folgen Anleihen-ETF. Bei beiden geben ausländische Titel den Ton an.Wie die VZ-Studie ebenfalls zeigt, dominieren wenige Anbieter den hiesigen Markt: Amundi, iShares (BlackRock) und UBS stellen nahezu die Hälfte aller an der Schweizer Börse kotierten ETF. Allerdings hat die Konzentration im vergangenen Jahr leicht abgenommen, da zehn neue Fondshäuser, darunter Janus Henderson und Schroders, hinzugestossen sind.Bei den Indexanbietern (dazu gehören etwa FTSE und MSCI) besteht ebenfalls eine grosse Konzentration. ETF-Anbieter wie WisdomTree sind deshalb dazu übergegangen, eigene Indizes zu kreieren, um Lizenzkosten zu sparen.Stabile GebührenFür Anleger erfreulich ist, dass die Kosten 2025 weitgehend stabil geblieben sind. 164 ETF senkten ihre Gebühren um durchschnittlich 0,05 Prozentpunkte (Pp), während 31 ihre Gebühren um durchschnittlich 0,02 Pp anhoben. Die Gesamtkostenquote (TER) der an der Schweizer Börse kotierten ETF variiert zwischen 0,03 und 0,9%, wobei sich der Durchschnitt über alle Anlageklassen hinweg auf rund 0,3% beläuft, wie die VZ-Experten aufzeigen.Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Entwicklung am ETF-Markt für hiesige Anleger erfreulich ist: Die Auswahl ist nochmals gewachsen, während sich die Kosten nur unwesentlich verändert haben. Navigationshilfe ETF-KompassDas oben beschriebene grössere Angebot birgt natürlich zunehmend die Gefahr, dass Anleger den Überblick verlieren und dadurch womöglich den falschen ETF wählen oder frustriert aufgeben.Wer soll sich noch zurechtfinden, wenn es mittlerweile mehr ETF als Einzelaktien gibt? Das zumindest gilt inzwischen für den US-Markt, wie eine Grafik von Torsten Slok vom Vermögensverwalter Apollo Group illustriert:Mehr ETF als börsenkotierte Unternehmen in den USA Die Grafik zeigt die Anzahl kotierter Unternehmen in den USA (blaue Linie) und die Anzahl ETF (orange) seit 2000. Quelle: Apollo Group Auch der Autor dieser Zeilen hat sich lange ein Tool gewünscht, das bei der ETF-Suche hilft. Umso mehr hat er sich über die Meldung gefreut, dass das VZ just ein solches kreiert hat. Mit dem sogenannten ETF-Kompass lässt sich das ETF-Universum bequem nach verschiedenen Kriterien wie Anlageklasse, Region, Fondsgrösse, Domizil, Ertragsverwendung usw. durchforsten.Suchen kann man auch direkt via Ländernamen. Manchmal findet man zwar erst etwas, wenn man den englischen Begriff verwendet. So kann der Kompass mit «Polen» nichts anfangen, gibt man allerdings «Poland» ein, spuckt er den iShares MSCI Poland UCITS ETF aus. Insgesamt ist er für die Produktauswahl aber eine grosse Hilfe.Wer die Suchmaschine ausprobieren möchte, findet sie unter diesem Link. Sie ist kostenlos, aber man muss ein Log-in erstellen. Dieses verlangt allerdings lediglich den Namen und eine E-Mail-Adresse.