Der andere BlickMerz sollte handeln, statt dem Land Optimismus zu verordnen. Vom Schönreden allein wird sich die Wirtschaft nicht erholenDer deutsche Kanzler findet, die Deutschen seien zu pessimistisch. Er sollte sich ein paar nüchterne Kennzahlen anschauen.03.06.2026, 04.30 Uhr3 LeseminutenOptimismus allein wird der deutschen Wirtschaft nicht helfen.Sean Gallup / GettySie lesen einen Auszug aus dem Newsletter «Der andere Blick am Morgen», heute von Anna Schiller, Redaktorin der NZZ Deutschland. Abonnieren Sie den Newsletter kostenlos. Nicht in Deutschland wohnhaft? Hier profitieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der deutsche Kanzler Friedrich Merz hat ein einfaches Mittel gegen die Krisen im Land gefunden: Die Deutschen müssen einfach aufhören, so viel zu meckern.Es gebe keinen Grund für Pessimismus und Schwarzmalerei, sagte er am Dienstag beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum. Es lägen sehr gute Jahre vor Deutschland. Die Bürger müssten allerdings die «sehr deutschen Reflexe des Schlechtredens» hinter sich lassen.Die Deutschen würden zweifellos gerne in eine glänzende Zukunft blicken. Dafür müssten sie die Realitäten ihres Landes allerdings komplett ausblenden. Die wirtschaftliche Lage bietet derzeit wenig Anlass für Optimismus.Hier nur ein kursorischer Überblick:Die Zahl der ausländischen Investitionsprojekte ist 2025 das achte Jahr in Folge gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit 2009.Die Industrieproduktion ist im vergangenen Jahr zum vierten Mal in Folge zurückgegangen. Seit 2018 ist sie um insgesamt 15 Prozent geschrumpft. Ein Grund dafür sind die Energiepreise, die seit Jahren höher sind als in anderen Industriestaaten.Allein seit Beginn der Amtszeit von Merz haben Dutzende deutsche Unternehmen angekündigt, Stellen abzubauen. Darunter auch Traditionsunternehmen wie Volkswagen (50 000), Bosch (22 000), Daimler (5000) und Lufthansa (4000).Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen hat in den vergangenen Jahren besorgniserregende Ausmasse angenommen.Angesichts der dramatischen Lage kann es niemanden verwundern, dass die Stimmung im Land so schlecht ist, erst recht nicht den Kanzler. Merz hätte sich am Dienstag nur einmal umhören müssen: Anlässlich des Forums, auf dem er sprach, wurden ostdeutsche Unternehmer zur wirtschaftlichen Lage im Land befragt. Fast die Hälfte bewertete sie negativ. Deutschlandweit sieht sich laut einer Analyse des Ifo-Instituts gar jedes zwölfte Unternehmen existenziell bedroht.Wie also wäre der deutschen Industrie geholfen, wenn die Bürger optimistischer in die Zukunft blicken würden? Gute Laune allein wird keine Pleite verhindern, die Energiepreise nicht senken und kein ausländisches Unternehmen vom Standort Deutschland überzeugen. Die schauen auf nüchterne Fakten, nicht auf Sonntagsreden.Verordneter Optimismus wird nicht helfenNatürlich hat Merz den Zustand des Landes nicht allein zu verantworten. Er kann nichts dafür, dass der Krieg in Iran die Energiepreise in die Höhe treibt. Viele Probleme, etwa die überbordende Bürokratie, hat er von seinen Vorgängern geerbt. Doch er hat es nun selbst in der Hand, die Stimmung im Land zu verbessern.Dabei werden keine Motivationsreden, keine Appelle und kein verordneter Optimismus helfen. Es gibt für ihn nur einen Weg: Er muss die wirtschaftliche Lage durch sein Handeln sichtbar verbessern. Dann wird auch die Zuversicht zurückkehren.Wer nicht mehr um seinen Job bangen muss und erlebt, dass der eigene Arbeitgeber wieder Gewinne macht, wird ganz von allein wieder Vertrauen fassen.Dafür braucht es allerdings die kraftvolle und mutige Politik, die Merz nun seit Monaten vollmundig verspricht. Wer von den Bürgern mehr Optimismus fordert, muss ihnen dafür auch einen Anlass geben.Passend zum Artikel
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Der deutsche Kanzler findet, die Deutschen seien zu pessimistisch. Er sollte sich ein paar nüchterne Kennzahlen anschauen.










