KommentarDie Bluttat von Winterthur zeigt: Die Schweiz ist kein Sonderfall. Islamistischer Terror ist auch hierzulande eine tödliche GefahrViele glaubten, die Schweiz sei gefeit gegen barbarische Messerattacken wie in den Nachbarländern Deutschland oder Frankreich. Der Terrorakt von Winterthur beweist das Gegenteil.28.05.2026, 19.03 Uhr3 LeseminutenDer Täter von Winterthur verletzte am Bahnhof Winterthur drei Personen – obwohl er der Polizei bekannt war.Claudio Thoma / APWas in Nachbarländern wie Deutschland mit trauriger Regelmässigkeit für Schlagzeilen sorgt, erschüttert nun auch die Schweiz: eine Terrorattacke im öffentlichen Raum. Ein Islamist, der mit einem Messer offenbar wahllos Passanten angreift und verletzt. Solingen, Mannheim, Duisburg – jetzt Winterthur.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Tat sorgt für Mitgefühl, Bestürzung und Wut. Mitgefühl für die drei Opfer, die der Angreifer – ein 31-jähriger türkisch-schweizerischer Doppelbürger – am Winterthurer Bahnhof zum Teil schwer verletzt hat. Mitgefühl auch für die Schulklasse und die vielen Pendler, die die Bluttat aus nächster Nähe miterleben mussten. Sie werden die Bilder für den Rest ihres Lebens nicht vergessen können.Bestürzung löst die Tat aus, weil sie für viele Schweizerinnen und Schweizer aus heiterem Himmel kommt. Islamistische Messerattacken verbindet man mit anderen Staaten, mit Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, nicht mit der vermeintlich heilen Schweiz. Ein Land, das stolz ist auf seine Integrationsleistung. Stolz darauf, dass es keine Banlieues und Parallelgesellschaften kennt.Der Terrorakt von Winterthur zeigt nun mit aller Deutlichkeit: Die Schweiz ist kein Sonderfall. Auch hierzulande ist der Islamismus eine reale, tödliche Gefahr.In gewissen, oft migrantisch geprägten Milieus herrschen Zustände, die das Abdriften in den religiös-fanatischen Extremismus begünstigen. Die Behörden müssen diese Gefahren ernst nehmen, überwachen und rechtzeitig eingreifen. Täter sollen hart bestraft und nach Möglichkeit ausgeschafft werden. Eine Ausbürgerung, wie sie der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr im gegenwärtigen Fall fordert, darf bei terroristischen Tätern kein Tabu sein.Die Tat kommt nicht aus heiterem Himmel. Sie hat Vorbilder – auch in der Schweiz. 2020 erstach ein türkisch-schweizerischer Doppelbürger in einem Kebab-Imbiss in Morges einen Mann. Im selben Jahr attackierte eine Schweizer Jihadistin in Lugano zwei Frauen mit einem Messer. Erst vor zwei Jahren griff ein junger tunesisch-schweizerischer Doppelbürger einen orthodoxen Juden in Zürich auf offener Strasse an und verletzte ihn lebensgefährlich. Er radikalisierte sich online und schwor dem Islamischen Staat die Treue.Die Schweiz ist längst keine Insel der Seligen mehr. Der Nachrichtendienst des Bundes stuft die terroristische Bedrohung in seinem jüngsten Lagebericht als «erhöht» ein. Eine erhebliche Gefahr geht vor allem von islamistisch motivierten, psychisch labilen Einzeltätern aus – wie mutmasslich jenem von Winterthur.Dass die Tat ausgerechnet in der zweitgrössten Stadt des Kantons Zürich geschah, ist kein Zufall. Und das löst bei manchen Wut aus – berechtigterweise. Winterthur galt in den 2010er Jahren als «Hotspot» der hiesigen Islamistenszene. 2017 schloss die An-Nur-Moschee, ein berüchtigter Treffpunkt; es kam zu Strafuntersuchungen und Prozessen.Der Täter von Winterthur war tief verwurzelt in dieser Szene. Es wurde einst gar wegen Verbreitung von IS-Propaganda gegen ihn ermittelt. Dass einer, der eigentlich auf dem Radar der Behörden sein sollte, eine Bluttat wie jene vom Donnerstag verüben kann, ist erklärungsbedürftig.Anscheinend verbrachte der Mann die vergangenen Jahre in der Türkei. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz meldete er sich bei der Polizei mit einem wirren Anruf. Diese liess ihn in eine psychiatrische Klinik einliefern, was richtig war. Weshalb ein Klinikarzt dann aber nach kurzer Zeit bescheinigte, dass vom Mann weder Fremd- noch Eigengefährdung ausgehe, ist im Rückblick unverständlich und muss untersucht werden. Es stellt sich auch die Frage, wie der Informationsfluss zwischen Polizei und Klinik genau ablief.Viele Fragen sind zurzeit offen. Sicher ist: Der Islamismus ist nicht nur im Ausland eine Gefahr, sondern auch in der Schweiz. Das sollte spätestens seit dem Terrorakt von Winterthur allen ins Bewusstsein rücken.Passend zum Artikel
Bluttat in Winterthur: Islamismus als reale Gefahr auch in der Schweiz
Viele glaubten, die Schweiz sei gefeit gegen barbarische Messerattacken wie in den Nachbarländern Deutschland oder Frankreich. Der Terrorakt von Winterthur beweist das Gegenteil.











