Matthias Hundt sollte Berlin in die digitale Zukunft führen. Es kam anders: Erst kamen die Zweifel, dann die Insolvenzen, dann die Ermittlungen, dann der Rücktritt. Eine Chronik eines politischen Fehlgriffs.

Als Kai Wegner Mitte März einem Mann aus Dresden die Ernennungsurkunde überreichte, sah es auf den ersten Blick aus wie ein Neuanfang. Berlin bekam einen neuen Chief Digital Officer, einen Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung, einen Mann also, der ausgerechnet jene Stadt in die Zukunft führen sollte, in der man für einen Bürgeramtstermin noch immer mehr Glück braucht als für einen Sechser im Lotto.

Matthias Hundt hieß der Hoffnungsträger. Unternehmer. Digitalmanager. Vernetzer. Einer, der angeblich wusste, wie Transformation geht. So jedenfalls klang es in der offiziellen Erzählung der Senatskanzlei. Hundt sollte die Arbeit seiner Vorgängerin Martina Klement fortsetzen, die nach Brandenburg gewechselt war. Er sollte Berlins Verwaltung modernisieren, Prozesse beschleunigen, die Bezirke einbinden, den digitalen Rückstand aufholen. Kurz: Er sollte die Hauptstadt aus dem Fax-Zeitalter führen.

Gut zwei Monate später ist aus dem Aufbruch ein Lehrstück geworden. Nicht über Digitalisierung. Sondern über Berliner Personalpolitik.