PfadnavigationHomeRegionalesHamburgKonzertPfingstmesse in der ElbphilharmonieStand: 17:11 UhrLesedauer: 3 MinutenOmer Meir Wellber dirigiert das Philharmonische StaatsorchesterQuelle: Maximilian ProbstDas Philharmonische Staatsorchester, Chöre, Gesangssolisten und Tänzer überzeugten unter der Leitung von Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber mit ihrer bewegend inszenierten Aufführung der „Mass“ von Leonard Bernstein zu Pfingsten in der ausverkauften Elbphilharmonie.Die 80 Musiker des Philharmonische Staatsorchesters und einer angeschlossenen Rockband stehen mitten im Konzert auf und spielen, offenbar aufgeregt diskutierend, im Stehen weiter. Der Hamburger Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber leitet den wohlkalkulierten Aufruhr mit ruhiger Hand. Auch vor und hinter dem Orchester herrschen im großen Saal helle Aufregung. Dutzende Sängerinnen und Sängern dreier Chöre im Rang sind offenbar Nervenzusammenbrüchen nah, vor den Musikern zeigen Spitzen-Breakdancer ihre Moves, Tänzerinnen sind aufgewühlt und Gesangssolisten streiten mit einem Priester über Glaubensfragen. Hochkarätiges Musikspektakel mit Theater, Tanz und FilmSo viel war selten los in der Musikkathedrale an der Elbe wie am Sonntag und Montag bei der Aufführung der „Mass“ von Leonard Bernstein (1918-1990), die hier ganz nebenbei zur mitreißenden Pfingstmesse wurde. Das Publikum war in die Inszenierung eingebettet, singende „Street People“ saßen in Quartettstärke in den Reihen, Gesangssolisten waren über die Etagen verteilt und sangen mal hier mal dort. Chöre wanderten. Welch hochkarätiges Musikspektakel mit Theater, Tanz und Film auf den Saalwänden – eine Feier des Lebens und der Religiosität. Die künstlerischen Grundelemente der menschlichen Kultur mit Blick auf die Götter reichen schließlich bis in die Steinzeit zurück. Da wurde ums Lagerfeuer getanzt, Höhlenmalereien entstanden, musiziert wurde noch mit Gesang und Knochenflöten sowie Rhythmusinstrumenten. Bernsteins „Mass“ ist einer der jüngeren Höhepunkte einer Religionszivilisationsgeschichte, die in der katholischen Messe gipfelt. Der jüdische Komponist Bernstein aus New York nahm im Auftrag von Jacqueline Kennedy Anfang der Siebzigerjahre die katholische Messe zum Grundgerüst seiner Messe in 17 Kapiteln. Elemente aus anderen Religionen und Musikwelten fließen selbstverständlich in die Klänge und Bewegungen seiner Crossover-Komposition ein. Jazz und Blues gehören wie südamerikanische Einflüsse zu seinen Baustoffen. Für Generalmusikdirektor Wellber, den keine Berührungsängste zu nichtklassischer Musik plagen und der sich als Opernspezialist mit Dramatisierungen auskennt, erwies sich die „Mass“ als Steilvorlage zu einer stimmigen Inszenierung, die das Publikum mitnahm und einbettete. Die Philharmoniker steigern sich als Orchester nach den Jahren mit Kent Nagano unter Wellbers Leitung weiter, der Sound war wundervoll, das Spiel exakt. Von „Kyrie Eleison“ bis „Pax: Communion“Schon am Eingang erhielt jeder Besucher ein fliederfarbenes „Mass“-Buch, das sowohl als Programmheft fungierte, in dem die einzelnen Abschnitte und der Text der Liturgie vom „Kyrie Eleison“ bis zu „Pax: Communion“ und der abschließenden Stille im ganzen Saal erläutert werden, als auch als Notizbuch für persönliche Gedanken. Das Buch war auch ein wiederkehrendes Element in der Spielhandlung, im absichtlich nicht immer glatt verlaufenden Gottesdienst, gestaltet vom ausdrucksstarken, mit einem weiten Stimmumfang gesegneten Bariton Will Liverman als Priester. Der initiiert nicht nur immer wieder Gebete, er baut auch aus Messbüchern einen Altar für Kreuz, Glocke und Weihwasserschale, er zerreißt ein Messbuch, stellvertretend für die Bibel und lässt den Zorn der Massen über sich ergehen wie ein geduldiger Jesus in „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber. Die szenische Einrichtung des Abends durch Alexander Radulescu war rundum gelungen, die Tänzerinnen und Tänzer glänzten mit ihren ausdruckstanzstarken Einlagen zu mal aufwühlenden, mal besinnlichen Klängen. Leonard Bernstein wollte mit seiner „Mass“ so direkt und universell kommunizieren wie möglich, um den Glauben zu bekräftigen. Mit dieser Aufführung in der Elbphilharmonie ist es ihm 35 Jahre nach seinem Tod erneut gelungen.
Konzert: Pfingstmesse in der Elbphilharmonie - WELT
Das Philharmonische Staatsorchester, Chöre, Gesangssolisten und Tänzer überzeugten unter der Leitung von Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber mit ihrer bewegend inszenierten Aufführung der „Mass“ von Leonard Bernstein zu Pfingsten in der ausverkauften Elbphilharmonie.








