PfadnavigationHomeRegionalesHamburgKonzertGewagt. Gewonnen.Veröffentlicht am 16.09.2025Lesedauer: 3 MinutenGeneralmusikdirektor Omer Meir Wellber dirigiert im Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters die 7. Symphonie von Anton BrucknerQuelle: Maximilian ProbstHamburgs neuer Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber überzeugt mit dem Philharmonischen Staatsorchester in der Elbphilharmonie. Zwei Klassiker und eine Uraufführung von Stephen Hough sorgen für einen gefeierten Konzertabend.Das erste Philharmonische Konzert der Saison in der Elbphilharmonie war zugleich das Debüt des neuen Hamburgischen Generalmusikdirektors als auch am Montag der erste Abend, an dem Meir Wellber das neue Prinzip des „Zeitspiels“ erprobte. Dabei wird jeweils ein Satz eines klassischen Werkes durch einen zeitgenössischen Komponisten neu gefasst beziehungsweise überschrieben. Diesmal ersetzte „Cong ran espressione“ vom britischen Komponisten Stephen Hough den zweiten Satz des dritten Klavierkonzerts von Ludwig van Beethoven, das „Largo“.„Zeitspiel“: Beethoven a la DebussyHough, wie Beethoven Klaviervirtuose, erwies sich für diese Aufgabe zum Auftakt der Reihe als perfekte Wahl. Nach der Vorgabe Meir Wellbers, die Harmoniefolge des „Largo“ beizubehalten, ignorierte Hough alle anderen Bestandteile von Beethovens zweitem Satz: Rhythmik und Melodie wurden durch eigene Läufe ersetzt. Hough trat im Konzert auch als Solist in Erscheinung, spielte den ersten und den dritten „Allegro“-Satz originalgetreu und zwischendrin sein eigenes Werk, das sich sehr gut behauptete und hören lassen konnte. Der Bitonalität verpflichtet, ließ Hough einen Beethoven a la Debussy erklingen, der mit der neuen Farbe eine neue Spannung ins Werk brachte, ohne es aus dem Rahmen zu werfen. Kurzum: Das Hörerlebnis war eine Bereicherung. Meir Wellber dirigierte das rund 40-köpfige Orchester elegant als Vermittler zum Solisten und genoss das brillante Spiel Houghs – wie das begeisterte Publikum – sichtbar. Bruckners Siebte als Elbphilharmonie-EventNach der Pause erschien der Philharmonische Klangkörper in voller sinfonischer Breite, also etwa verdoppelter Frau- und Mannstärke, um Anton Bruckners Symphonie Nr. 7 E-Dur in der Elbphilharmonie als Klassik-Event zu feiern – und durchschwelgte sie unter der so energischen wie energetischen Leitung Meir Wellbers bei der Aufführung. Bruckner widmete das Werk, mit dem er seinen internationalen Durchbruch als Sinfoniker erzielte, einst dem „Märchenkönig“ Ludwig II., dem Wagner-Mäzen und ließ es an Anklängen an sein unerreichbares Vorbild Richard Wagner – der verstarb, während Bruckner an seiner 7. Symphonie schrieb – nicht mangeln. Zum angestrebten charakteristischen Philharmoniker-Klang (ob man ihn nun „Hamburger Klang“ nennt wie Kent Nagano oder „einen Klang, den man greifen kann“ wie Omer Meir Wellber) mag es noch ein paar Konzerte hin sein, aber die Philharmoniker sind unterwegs. Die „Zeitspiel“-Reihe zieht sich wie ein roter Faden durch die weiteren neun Philharmonischen Konzerte der Saison. Im zweiten Konzert am 26./27. Oktober wird die Komponistin Aziza Sadikova den zweiten und dritten Satz von Pjotr Tschaikowskys 4. Sinfonie f-Moll neu schreiben, wobei sie versucht, den Charakter des Komponisten zu ergründen. Dirigentin Holly Hyun Choe leitet das Konzert, in dem zuvor die Ouvertüre von „Fürst Igor“ von Alexander Borodin und zwei Werke von Maurice Ravel erklingen werden. Omer Meir Wellber wird sein zweites Hamburger Debüt in neuer Funktion am Eröffnungswochenende in der Hamburgischen Staatsoper geben: Bei der Leitung des Philharmonischen Staatsorchester in der ersten Hamburger Premiere des neuen Opernintendanten Tobias Kratzer „Das Paradies und die Peri“ am 27. September in der Staatsoper.