„Die Razzia des grünen Zettels hat mein Leben für immer verändert. Mein Vater wurde vorgeladen und ist nie mehr nach Hause zurückgekehrt“, sagt Liliane Ryszfeld. Als Sechsjährige begleitete sie ihren Vater zu einer Polizeistation in einem Pariser Vorort. 85 Jahre später betrachtet die Holocaust-Überlebende Fotografien jenes Tages im Mai 1941. Dass diese Bilder überhaupt aufgetaucht sind, nennt sie ein „weltbewegendes Ereignis“.Acht Jahrzehnte waren die 98 Aufnahmen des Berliner Fotografen Harry Croner verschollen. Bis zwei Sammler im Jahr 2020 bei einem Trödelhändler auf Karton geklebte Kontaktabzüge entdeckten und dem Mémorial de la Shoah in Paris übergaben. Zusammen mit der Claims Conference und dem Mémorial de la Shoah zeigt die Französische Botschaft in Berlin die einzigartigen historischen Zeugnisse nun in der Ausstellung „Gesichter der Erinnerung: Die Bilder der Razzia des grünen Zettels“. Liliane Ryszfeld konnte ihren Vater auf den Aufnahmen nicht erkennen, doch fünf andere Überlebende identifizierten Angehörige. Die Bilder dokumentieren ein bislang wenig bekanntes historisches Ereignis: die erste große Razzia gegen Juden im besetzten Frankreich. Sie bezeugen die Täuschungsstrategien der Nationalsozialisten, die Kollaboration französischer Behörden – und die letzten Momente des Beisammenseins vieler Familien.