Roger Federer schlug die Tennisbälle fast schon anmutig übers Netz, Usain Bolt jubelte manchmal schon vor der Ziellinie über seine Sprint-Rekorde, und Turnsuperstar Simone Biles dreht Schrauben und Salti, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Diese Lässigkeit der Profis fühlt sich manchmal an wie Hohn. Als würden sie sich kaputt lachen über die ehrlichen Hobbysportler, die schweißgebadet und mit hochrotem Kopf nach ihrer Fünf-Kilometer-Joggingrunde auf den Boden sinken. Aber es gibt sie noch, die Identifikationsfiguren. So wie Tim Rex, 22.Der belgische Radprofi ist derzeit beim Giro d'Italia im Einsatz, der großen Rundfahrt durch Italien. Dort hilft er seinem Chef, dem Topfavoriten Jonas Vingegaard, die Berge hinauf. Dabei geht Rex ganz offensichtlich an seine äußersten Schmerzgrenzen. Videos, die Rex leidend auf dem Rad zeigen, gingen in den vergangenen Tagen viral. Sie zeigen ihn auf der 14. Etappe, einem der schwersten Tage des diesjährigen Giro mit einigen steilen Bergen. Am Anstieg nach Lin Noir führt Rex das Fahrerfeld an, das Trikot geöffnet, den Mund weit aufgerissen. Er verzieht das Gesicht, als würde er gleich in Tränen ausbrechen.Rex gibt alles, um das Tempo hochzuhalten. Dabei hat er an diesem Tag schon zwei Berge und rund 75 Kilometer in den Beinen. Nicht zu vergessen die 13 Etappen zuvor, zusammen 2210 Kilometer. Beim Sender Eurosport sagte Ex-Profi Jens Voigt mitfühlend: »Oh mein Gott, der weint ja fast, der arme Kerl«. Trotzdem hielt Rex sich noch länger vorn. Seine Aufgabe als Helfer war es, an der Spitze des Favoritenfeldes den Abstand zu den Ausreißern zu verkürzen und das Tempo hochzuhalten, seine Teamkollegen konnten in seinem Windschatten Energie sparen.