Hyrox macht aus Fitnessjunkies Athleten – und füllt Fussballstadien wie Taylor Swift. Weil der Wettkampf perfekt in unsere Zeit passtSchwitzen, stossen, ziehen: An den Hyrox-Weltmeisterschaften in Stockholm messen sich die fittesten Menschen der Welt. Nur schon das Zuschauen ist anstrengend.22.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenHat erst vor wenigen Monaten ihren ersten Hyrox gemacht, nun ist sie Weltmeisterin: Die Amerikanerin Alyssa McElheny.HyroxAm Ende gewinnt einer, mit dem gar niemand gerechnet hat. Nicht der Titelhalter aus Deutschland, der als Erster an die letzte Station kam, und nicht der amerikanische Showman, der fast das ganze Rennen geführt hat.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Ende gewinnt Dylan Scott die Hyrox-Weltmeisterschaft der besten 15 Männer, obwohl er zeitweise über eine Minute zurücklag. Der Sieg des Amerikaners, oder besser der Nichtsieg der anderen, löst in den sozialen Netzwerken eine weltumspannende Diskussion aus. Dort wird auch über die Weltmeisterin diskutiert: Alyssa McElheny, auch Amerikanerin, hat erst im Februar ihren ersten Hyrox absolviert.Die beiden sind die fittesten Menschen der Welt. Denn beim Fitness-Wettkampf Hyrox kommen die vielseitigsten Übungen zu einem hochintensiven Mix zusammen: Ski-Erg (Langlauf-Stockstösse), Sled-Push (Schlitten stossen), Sled-Pull (Schlitten ziehen), Burpee-Broad-Jump (auf den Bauch legen, aufstehen, beidbeinig nach vorne springen), Rudern, Farmer’s Carry (Gewichte tragen), Sandbag-Lunges (Ausfallschritte mit Gewicht), Wall-Balls (Medizinball in die Höhe werfen). Und davor und dazwischen jeweils einen Kilometer rennen.Die Diskussion in der Hyrox-Szene entbrennt nach dem Final der Männer darüber, ob der Schiedsrichter die Schludrigkeit des amerikanischen Showmans bei den Burpees zu hart bestrafte oder ob der deutsche Titelhalter hätte disqualifiziert werden müssen, weil er den letzten der hundert Wall-Balls nicht traf und trotzdem ins Ziel rannte. So stünde es eigentlich im Regelwerk.Diese Kontroversen gibt es bei fast allen Hyrox-Rennen. Denn die Schiedsrichter sind Laien und so zahlreich, dass es nie eine einheitlich faire Bewertung geben wird. Mat Lock, der Sportdirektor, fragt trotzdem: «Welche Kontroverse?»Der spätere Sieger Dylan Scott liegt beim Sled-Pull noch weit zurück.HyroxBald über 2 Millionen Athleten2017 erfanden zwei Deutsche Hyrox. Die vielen Menschen, die sich weltweit täglich ungesehen in Fitnesscentern abrackern, sollten etwas haben, um sich zu messen.Seither steigen die Zahlen jedes Jahr: 2024/25 haben 600 000 Athleten teilgenommen, 2025/26 1,5 Millionen, und in der nächsten Saison sollen es über 2 Millionen sein. Ende Mai hat in New York ein zehntägiger Event mit 50 000 Teilnehmenden stattgefunden, so gross ist auch der New-York-Marathon. Zu den 95 Städten weltweit kommen jedes Jahr weitere hinzu, Ende Woche Jakarta.Zum Abschluss der Saison schlägt der Tross in Stockholm auf. In der Strawberry-Arena, der Heimstätte des schwedischen Fussball-Nationalteams, hat Taylor Swift ihre «Eras Tour» gespielt, eben waren die Foo Fighters hier. Nun schwitzen, stossen und ziehen 7200 Athleten aus 101 Ländern in den jeweiligen Altersklassen um die Weltmeistertitel. Die Besten schaffen das in unter einer Stunde, und alle sind spätestens im Ziel komplett geschafft.Joanna Wietrzyk hat in dieser Saison alle grossen Hyrox-Wettkämpfe gewonnen – nur die Weltmeisterschaft nicht.Hyrox«Hyrox macht etwas mit dir»Auch Anette Meier-Ullmann. Die 63-jährige Deutsche hat sich im vergangenen Herbst mit dem Weltrekord in ihrer Altersklasse qualifiziert, 1:17:12. Sie sagt: «Hyrox macht etwas mit dir!» Die Grenzen sprengen, leiden, sich fragen, warum man das tut – und im Ziel einfach nur glücklich sein.Doch es sei die Community, die Hyrox einzigartig mache. «Die ist Weltklasse. Egal wer du bist, wie du aussiehst, du wirst gefeiert. Im Hyrox herrscht so eine positive Grundeinstellung gegenüber anderen Menschen.»In der Arena ist es unglaublich laut, die Musik macht bumm-bumm, die Zuschauer feuern an. Und die vielen halbnackten, durchtrainierten Körper machen Lust darauf, auch so auszusehen.Hyrox ist die komplette Überreizung. Ein Hotel bei der Arena haben die Organisatoren zum «Haus of Hyrox» umgebaut. Mit eigenem Hyrox-Gym, in der Lobby wehen Logo-Fahnen wie in Hogwarts, die Hotelmitarbeitenden tragen die neusten Hyrox-Schuhe. Hier treffen sich Elite-Athleten – die meisten von ihnen längst Profis – und Amateure beim Frühstück. Hier netzwerken Fitnessmarken.Wie trainiert man diese Vielseitigkeit am besten?Und das soll noch mehr werden: Hyrox-Events sollen Festivals sein. Im Fan-Village ausserhalb der Arena können sich Kinder als Hyrox-Young-Stars ausprobieren. Auf einem Laufband kann man versuchen, die schnellsten Kilometerzeiten der Profis zu knacken – 2 Minuten 56 Sekunden bei den Frauen, 2 Minuten 52 Sekunden bei den Männern. Und natürlich gibt es Fanartikel überall.Melanie Maurer, die beste Schweizer Athletin, mag das eigentlich nicht. Den Trubel umgeht die 38-Jährige, sie ist hier für den Sport. «Man weiss noch nicht genau, wie man Hyrox am besten trainiert», sagt sie, «das fasziniert mich.» Die Vielseitigkeit der Übungen, der Wechsel von Kraft und Ausdauer, trainingstechnisch beisst sich das. Weil sie heute viel mehr Muskeln hat, läuft die ehemalige Duathlon-Weltmeisterin den Kilometer 15 Sekunden langsamer als früher.Hyrox passt in unsere Zeit. In die Nach-Covid-Zeit von Longevity und Selbstoptimierung, von Coffee-Runs und Communitys, von Po-betonenden Leggings für Frauen, Fachsimpeleien über Proteinpulver und Umarmungen für alle. Hyrox macht aus Fitnessjunkies Athleten.Doch je grösser der Sport wird, desto mehr drehen sich die Fragen um Professionalität.Das Rennen der Männer ist eng, bei den abschliessenden Wall-Balls gerät die Rangliste durcheinander.HyroxNoch ein langer Weg bis OlympiaHyrox will olympisch werden. «Wir wollen den Sport legitimieren und den Athleten die Möglichkeit geben, ihn auf höchstem Level auszuüben», sagt Mat Lock, der Sportdirektor von Hyrox. Dass er dafür noch einige Schritte gehen muss, weiss er.Da wäre die Kontroverse um die Schiedsrichterentscheide, die Lock mit seiner australisch lockeren Art abtut: Schiedsrichter seien auch nur Menschen, sagt er, alles werde nachbesprochen. Oder die Diskussion darüber, wie man sich für die WM qualifiziert: Einige Athleten fliegen zu Events in Asien, wo Hyrox noch nicht so gross ist, um gegen schwächere Konkurrenz Punkte zu sammeln.Kritik gibt es auch an der Qualität des Materials, die nicht immer gleich gut ist, und den Event-Resultaten, die nicht vergleichbar sind. Und da ist auch noch das Thema Doping. Kontrollen gibt es nur an wenigen Events; wer dopen will, kann dies problemlos dazwischen tun. Ebenso lasch wie die Dopingkontrollen sind die Taschenkontrollen zur Arena. Bösewichte scheint man in der Welt von Hyrox nicht zu fürchten.Passend zum Artikel
Hyrox macht aus Fitnessjunkies Athleten – und füllt Fussballstadien wie Taylor Swift
Schwitzen, stossen, ziehen: An den Hyrox-Weltmeisterschaften in Stockholm messen sich die fittesten Menschen der Welt. Nur schon das Zuschauen ist anstrengend.














