Außerdem geht es in der kleinen Alltagsfrage um schwarze Punkte an den Rändern von Fenstern in Bussen und Bahnen: Wozu sind die da? Hier können Sie die Folge direkt hören:Abonnieren Sie den Podcast unter anderem bei Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music oder direkt per RSS-Feed.Hier bekommen Sie schon einen kurzen Einblick in den Inhalt der Folge:In der aktuellen Folge von „Aha! Zehn Minuten Alltagswissen“ geht es um Doomscrolling. Gemeint ist damit, dass Menschen viel Zeit damit verbringen, sich von einer schlechten Nachricht zur nächsten zu scrollen – obwohl sie merken, dass ihnen das nicht guttut. Im Gespräch mit dem Professor für Cognitive and Brain Sciences Christian Montag von der University of Macau wird deutlich: Doomscrolling entsteht nicht zufällig, sondern hat viel mit dem Design digitaler Plattformen, mit Algorithmen und mit der Art zu tun, wie unser Gehirn auf Bedrohungen reagiert. Warum schlechte Nachrichten so stark wirkenEin wichtiger Faktor ist das sogenannte Endless Scrolling. Auf sozialen Medien gibt es kein natürliches Ende mehr; Inhalte reißen nicht einfach ab. Das ist ein Designprinzip, das Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange auf Plattformen halten soll. Hinzu kommt die Personalisierung: Algorithmen stellen aus den digitalen Spuren der Nutzer eine Art persönliche Nachrichtenumgebung zusammen.Besonders problematisch wird das, weil negative Inhalte in sozialen Medien häufig viel Aufmerksamkeit bekommen. Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit negativen Botschaften stärker interagieren und sie häufiger teilen. Dadurch verbreiten sich solche Inhalte besonders weit und landen öfter in den Feeds.Aus Sicht des Gehirns ist das nachvollziehbar: Negative Informationen können Hinweise auf Gefahr sein. Deshalb verarbeitet unser Gehirn sie besonders aufmerksam. Was früher überlebenswichtig sein konnte, kann heute dazu führen, dass man an Krisenmeldungen, Katastrophenbildern oder beunruhigenden Updates hängen bleibt.Wird alles immer schlechter?Krisenzeiten gab es auch früher. Neu ist aber die Geschwindigkeit und Dichte, mit der Nachrichten heute verfügbar sind. Während Menschen früher vor allem über Zeitung, Radio oder Fernsehen informiert wurden, erreichen uns Meldungen heute in Echtzeit – über viele Kanäle gleichzeitig und ständig verfügbar auf dem Smartphone.Dadurch können auch kleinere Ereignisse sehr schnell eine große emotionale Wirkung entfalten. Weil das Smartphone im Alltag fast immer dabei ist, sind schlechte Nachrichten nicht mehr an bestimmte Zeiten oder Orte gebunden. Sie erreichen Menschen beim Aufwachen, unterwegs, in Pausen oder kurz vor dem Einschlafen.Ob Doomscrolling eher Folge von Ängsten ist oder selbst Ängste verstärkt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Erste Arbeiten zeigen einen Zusammenhang zwischen häufigem Doomscrolling und existenziellen Ängsten. Wahrscheinlich können sich beide Faktoren gegenseitig verstärken: Wer ohnehin besorgt ist, sucht mehr nach Informationen – und wer dauerhaft negative Nachrichten konsumiert, kann sich noch stärker verunsichert fühlen.Wie man aus der Negativspirale aussteigtDoomscrolling ist noch ein vergleichsweise junges Forschungsfeld. Dennoch liegt nahe, dass ein dauerhafter Konsum negativer Nachrichten Stressreaktionen auslösen kann. Montag erklärt, dass der Körper dabei in eine Art Alarmbereitschaft geraten kann. Auf Dauer kann das negative Gefühle verstärken und die Aufmerksamkeit binden.Ein möglicher Ausweg ist ein bewussterer Umgang mit Nachrichten. Statt jeder einzelnen Eilmeldung hinterherzujagen, kann es helfen, Nachrichten zu festen Zeiten und über ausgewählte Quellen zu konsumieren – etwa über zusammenfassende Formate oder Wochenzeitungen. Auch die Frage, welche Apps dauerhaft auf dem Smartphone verfügbar sein müssen, spielt eine Rolle. Wer soziale Medien oder Nachrichtenportale eher am Computer nutzt, schafft automatisch mehr Abstand im Alltag.Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Studie, bei der Teilnehmende für zwei Wochen den Internetzugang auf ihrem Smartphone deaktivierten. Danach zeigte sich eine messbare Verbesserung der Aufmerksamkeit. Das spricht dafür, dass ständige digitale Reize und Nachrichtenströme kognitive Ressourcen binden können.Diese Zusammenfassung wurde mithilfe von KI aus dem Transkript unseres Wissenschaftspodcasts erstellt.„Aha! Zehn Minuten Alltagswissen“ ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Darin klären wir, was es mit weitverbreiteten Mythen auf sich hat. Und welche Sie davon wirklich glauben können. Lindert ein Konterbier den Kater? Und härtet kaltes Duschen ab? Was stimmt wirklich – und was nicht? Wir gehen außerdem psychologischen Phänomenen auf den Grund: Der Angst, etwas zu verpassen zum Beispiel. Oder der Frage: Warum wir im Schlaf reden? Um all diese Fragen zu beantworten, sprechen wir mit Expertinnen und Experten, die uns helfen, die Welt noch besser zu verstehen. Faktenbasiert und auf dem aktuellen Stand der Forschung – und das alles in nur zehn Minuten. „Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen“ erscheint immer dienstags, mittwochs und donnerstags ab 5 Uhr. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.
Doomscrolling: Warum schlechte Nachrichten süchtig machen können - WELT
Kriege, Krisen, Katastrophen: Wer einmal anfängt, schlechte Nachrichten auf dem Smartphone zu lesen, hört oft schwer wieder auf. Ein Psychologe erklärt, was hinter „Doomscrolling“ steckt, was es mit uns macht – und wie man aus der Negativspirale aussteigen kann.










