Analyse
Viele Schweizer sparen einen Teil ihres Einkommens, doch ein erheblicher Teil des Geldes bleibt auf Sparkonten liegen. Das bietet Sicherheit und Verfügbarkeit, schützt aber kaum vor einem Kaufkraftverlust. Entscheidend ist deshalb, Ersparnisse gezielt und mit System zu investieren. Laut Bundesamt für Statistik sparten Schweizer Haushalte 2023 im Durchschnitt rund 20’830 Fr. pro Jahr. Doch wie diese Ersparnisse angelegt oder gehalten werden, ist oft nicht effizient. Gemäss einer Moneyland-Umfrage vom Frühjahr 2025 halten 79% der Befragten zumindest einen Teil ihres Vermögens auf einem Sparkonto, 36% sogar einen Grossteil.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das bietet zwar nominale Stabilität und Verfügbarkeit, hat langfristig aber seinen Preis: Die Verzinsung ist begrenzt, und nach Abzug der Inflation droht ein schleichender Kaufkraftverlust, auch wenn nominale Sparzinsen von 5% im Jahr wie etwa in den frühen Neunzigerjahren hoch wirken.Bei einer jährlichen Teuerung von 0,5% sinkt die Kaufkraft von heute 100’000 Fr. über zwanzig Jahre auf 90’506 Fr. Bei 1% bleiben real noch 81’954 Fr., bei 2% nur noch 67’297 Fr. Historisch ist selbst das nicht aussergewöhnlich: Zwischen 1946 und 2022 erreichte die Inflation in der Schweiz zeitweise fast 10%, besonders in den Siebzigerjahren. Über längere Phasen bewegte sie sich zwischen 1 und 4%.Wer sein Vermögen real schützen oder steigern will, kommt kaum darum herum, einen Teil langfristig in Sachwerte wie Aktien anzulegen, betont Tashi Gumbatshang, Leiter Kompetenzcenter Vermögens- und Vorsorgeberatung bei Raiffeisen Schweiz.Die folgende Übersicht zeigt, worauf es beim Investieren ankommt.Inhaltsverzeichnis Am Anfang steht das Anlageziel Budgetierung sorgt für finanzielle Stabilität Das Risikoprofil als Fundament Aufbau oder Verzehr? Renditeerwartungen richtig einordnen Strategische und taktische Ausgestaltung des Investierens Investieren als Königsweg Am Anfang steht das Anlageziel Ausgangspunkt jeder Anlagestrategie sind zwei Fragen: Wofür spare ich? Und wann brauche ich das Kapital? Typische Ziele sind Vermögensaufbau, grössere Anschaffungen und die Altersvorsorge.Viele verfolgen mehrere finanzielle Ziele gleichzeitig. Eine Finanzplanung hilft, sie nach Zeithorizont und Lebenssituation zu ordnen und daraus die passende Anlagestrategie abzuleiten.Elisabeth Beusch, Ökonomin bei der Grossbank UBS, empfiehlt, die Ziele in drei Bereiche oder Töpfe zu gliedern: Liquidität für kurzfristige Ausgaben und Notfälle, Langlebigkeit zur Sicherung des Lebensstandards im Ruhestand sowie Weitergabe an die nächste Generation oder für besondere Zwecke.Auch Raiffeisen Schweiz empfiehlt ein Topfmodell. «Wichtig ist für alle der erste Topf mit der eisernen Reserve für ungeplante Ausgaben», sagt Gumbatshang. In der Erwerbsphase dient der zweite Topf dem langfristigen Vermögensaufbau, etwa für Wohneigentum oder die Ausbildung der Kinder. Nach der Pensionierung kommt ein dritter Topf hinzu: Neben Liquidität und planbarem Vermögensverzehr bleibt ein wachstumsorientierter Teil investiert, der laufenden Ertrag liefern und das Vermögen langfristig erhalten soll.Unabhängig von der Lebenssituation lohnt sich mindestens einmal jährlich eine systematische Gesamtschau der eigenen Finanzen. Budgetierung sorgt für finanzielle Stabilität Ein strukturiertes Budget ist die Grundlage der finanziellen Stabilität – und des gezielten Investierens. Ausgangspunkt ist ein realistischer Überblick über die Einnahmen, insbesondere das Nettoeinkommen.Auf der Ausgabenseite stehen zunächst die Fixkosten wie Wohnkosten, Krankenkasse oder Steuern. Zusätzlich sollten über mehrere Monate die variablen Ausgaben erfasst und hochgerechnet werden, etwa für Lebensmittel, Freizeit oder Kleidung. Sinnvoll ist die Unterscheidung zwischen kaum reduzierbaren Kosten und Posten, bei denen sich im Notfall sparen lässt. Häufig unterschätzt werden unregelmässige Ausgaben wie Zahnarztkosten.Aus Fixkosten, unverzichtbaren variablen Ausgaben und möglichen Gesundheitskosten lässt sich ableiten, wie hoch der Notfallpuffer sein sollte. Als Faustregel gelten drei bis sechs Monatsausgaben beziehungsweise Monatslöhne. «Diese Sicherheitsreserven sind aber ein zentraler Baustein für die finanzielle Stabilität», sagt Giovanni Davi’, Finanzplaner bei PostFinance. Je unsicherer die Einnahmen, je höher die Fixkosten und je grösser die familiären Verpflichtungen, desto wichtiger ist eine ausreichende Reserve.Das Budget sollte regelmässig überprüft und bei veränderter Lebenssituation angepasst werden.Neben kurzfristigen Rücklagen gehört auch die langfristige Vorsorge ins Budget. Entscheidend ist, ob die erwarteten Einkünfte im Ruhestand ausreichen, um den gewünschten Lebensstandard zu halten. «Oft sinken die Lebenshaltungskosten im Ruhestand kaum», sagt Beusch.AHV und Pensionskasse decken das frühere Einkommen meist nicht vollständig. Deshalb sollten frühzeitig regelmässige Vorsorgebeiträge fest eingeplant werden: Je früher das Sparen beginnt, desto geringer sind später Renditedruck und Risiko.Unter fünfzig stehen Einzahlungen in die Säule 3a meist im Vordergrund. Ab etwa fünfzig gewinnen Pensionskasseneinkäufe an Bedeutung: Sie können steuerlich attraktiv sein und bieten je nach Kasse Kapitalschutz sowie eine moderate Verzinsung. Das Risikoprofil als Fundament «Das Risikoprofil ist das Fundament jeder fundierten Anlagestrategie und beruht auf drei klar zu trennenden Dimensionen: Risikofähigkeit, Risikobereitschaft und Renditeerwartung», sagt Bekim Laski, Anlagechef beim Finanzdienstleister smzh.Ausgangspunkt jeder Anlagestrategie sind die finanziellen Ziele und der Anlagehorizont. Muss ein bestimmter Betrag zu einem festen Zeitpunkt verfügbar sein, etwa für den Kauf einer Immobilie? Oder bestehen zeitlicher und finanzieller Spielraum? Je länger der Anlagehorizont und je flexibler Ausgaben zeitlich und in der Höhe angepasst werden können, desto mehr Risiko kann eingegangen werden.Wer nach einem Markteinbruch verkaufen muss, schwächt die Kapitalbasis und verlängert die Erholungszeit. Jede Strategie sollte deshalb klären, wie gross ein vorübergehender Verlust sein darf. Zugleich gilt: Wer einen Rückgang von 40% nicht aushält, sollte nicht vollständig in Aktien investiert sein.Die Risikobereitschaft beschreibt, wie gut jemand temporäre Kursrücksetzer und Buchverluste emotional aushält. Wer finanziell hohe Risiken tragen kann, emotional aber nicht, neigt in Krisen zu Fehlentscheidungen. Umgekehrt kann übermässige Vorsicht langfristig teuer werden. «Zu viel Vorsicht führt zu suboptimalen Strategien und damit zu realem Kaufkraftverlust und Opportunitätskosten», betont Laski.Hilfreich ist dabei das Shortfall-Risiko. Es beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit einer gewählten Strategie über den definierten Anlagehorizont weniger als den ursprünglich investierten Betrag zurückzuerhalten. «Bei einem reinen Aktienportfolio schätzen wir die Wahrscheinlichkeit, dass der Portfoliowert nach zwanzig Jahren unter den insgesamt vorgenommenen Einlagen liegt, auf rund 12%», sagt Beusch. Aufbau oder Verzehr? Die Risikofähigkeit hängt davon ab, wann und in welchem Umfang Anleger auf ihr Vermögen angewiesen sind. Gerade mit der Pensionierung verändert sich diesbezüglich die Ausgangslage entscheidend: Der Fokus verschiebt sich meist vom Vermögensaufbau zum Vermögensverzehr. Entscheidend ist dann, ob das Vermögen die laufenden Ausgaben zuverlässig decken kann.Die objektive Risikofähigkeit hängt somit vor allem von der Deckungssituation und dem Anlagehorizont ab. Die Deckungssituation beschreibt das Verhältnis zwischen verfügbarem Vermögen und jährlicher Einkommenslücke. Reicht das Vermögen rechnerisch deutlich länger als die erwartete Restlebensdauer, ist die Risikofähigkeit hoch.Reicht das Vermögen dagegen nur knapp, besteht eine Budgetrestriktion. Dann gewinnt der Anlagehorizont an Bedeutung: Ein längerer Horizont hilft zwar, Marktschwächen auszusitzen, doch ein starker Verlust darf die Finanzierung des Ruhestands nicht gefährden. Klassische Lebenszyklusmodelle empfehlen deshalb mit zunehmendem Alter eine schrittweise Reduktion der Aktienquote. Renditeerwartungen richtig einordnen Seit 1900 erzielten Schweizer Aktien eine durchschnittliche nominale Jahresrendite von rund 6,8%. Entscheidend dabei ist der Anlagehorizont: Seit 1909 hätte gemäss der Privatbank Pictet kein Anleger mit Schweizer Aktien Geld verloren, sofern er mindestens vierzehn Jahre investiert blieb – selbst über Krisen wie die Weltwirtschaftskrise, den Zweiten Weltkrieg oder die Finanzkrise 2008 hinweg.Je länger der Anlagehorizont, desto eher nähert sich die jährliche Rendite dem langfristigen Durchschnitt an. Laut Djâafar Aballeche von Pictet Wealth Management betrug die durchschnittliche annualisierte Nominalrendite über dreissig Jahre 7,3% und über vierzig Jahre 7,4%. Die Wahrscheinlichkeit, diesen Wert zu übertreffen, betrug 61 beziehungsweise 63%.Für ein globales Portfolio mit 95% Aktien und 5% Liquidität, das weitgehend währungsgesichert ist, erwartet UBS über fünfzehn Jahre eine jährliche Rendite von 6%.Je tiefer der Aktienanteil, desto geringer ist die erwartete Rendite, zumindest wenn Aktien durch defensivere Anlagen wie Obligationen oder Liquidität ersetzt werden. Strategische und taktische Ausgestaltung des Investierens Die strategische Asset Allocation legt fest, wie das Vermögen langfristig auf Anlageklassen verteilt wird, und hat damit den grössten Einfluss auf Risiko und Rendite des Portfolios. Entscheidend ist, dass diese Grundaufteilung zu den finanziellen Zielen, zum Anlagehorizont und zum Risikoprofil passt. Sie bildet das Fundament der Geldanlage und sollte nicht wegen jeder kurzfristigen Marktbewegung infrage gestellt werden.Die taktische Asset Allocation erlaubt gezielte, zeitlich begrenzte Anpassungen, um kurzfristige Chancen zu nutzen oder Risiken zu steuern.Wichtig ist denn auch eine regelmässige Überprüfung des Portfolios. Steigen einzelne Aktien, Sektoren oder Anlageklassen stark, kann sich die ursprüngliche Gewichtung verschieben. Rebalancing stellt die Zielallokation wieder her und hilft, das Risiko zu kontrollieren.Eine breite Diversifikation über Anlageklassen, Regionen und Sektoren kann Schwankungen abfedern und verbessert die Chancen auf ein ausgewogenes Verhältnis von Risiko und Rendite. Die Anlagepyramide ist dafür eine hilfreiche Orientierung, weil sie Ertrag, Risiko und Liquidität anschaulich ordnet. Die Anlagepyramide ordnet Vermögen nach Risiko, von sicheren bis zu spekulativen Anlagen. Quelle: ZVG Für den langfristigen Vermögensaufbau eignen sich breit gestreute Portfolios meist besser als kurzfristige Modetrends. Ein bewährter Ansatz ist das klassische 60-40-Portfolio mit 60% Aktien und 40% Anleihen, etwa über global diversifizierte ETF. ETF sind günstig, transparent und einfach zu handeln.Wer auf einen laufende Ertrag angewiesen ist, kann Dividendenaktien stärker gewichten. Sie bieten regelmässige Ausschüttungen und können stabilisierend wirken, ersetzen aber keine breite Diversifikation. Auch Immobilien können das Portfolio ergänzen, sind für Privatanleger jedoch oft kapitalintensiv.«Die Beimischung von Dividendenaktien, Immobilien und Gold in der strategischen Asset Allocation erhöht die Stabilität und den Inflationsschutz des Portfolios», sagt Simon Lutz, Anlagechef bei Tareno. Angesichts struktureller Inflationsrisiken und hoher Staatsschulden hält er eine strategische Goldallokation von rund 5% für sinnvoll. Investieren als Königsweg Investieren ist nicht das Gegenteil von Sicherheit, sondern kann ein wichtiger Bestandteil davon sein, vorausgesetzt, Anlagehorizont, Risikofähigkeit und Anlagestrategie passen zusammen. Langfristig bieten die Börsen weiterhin die besten Renditechancen. Um sie sinnvoll zu nutzen, braucht es jedoch ein systematisches Vorgehen: klare Ziele, ein realistisches Budget und ein sauber bestimmtes Risikoprofil.Daraus ergibt sich die passende Anlagestrategie. Sie sollte breit diversifiziert sein, kosteneffizient umgesetzt und regelmässig überprüft werden. Nicht nur die richtige Allokation, sondern auch die Wahl geeigneter Instrumente trägt wesentlich zum langfristigen Anlageerfolg bei, wie Lutz von Tareno betont.Eine allgemeingültige Strategie gibt es nicht. Entscheidend ist ein systematisches Vorgehen, das Ziele, Zeithorizont, Risikofähigkeit und Risikobereitschaft zu einer passenden Anlagestrategie zusammenführt.









