Frauen wollen finanzielle Unabhängigkeit – doch beim Investieren bleiben sie viel zu zögerlichIhre Alltagsfinanzen haben Frauen zwar fest im Griff, sie verschenken beim langfristigen Vermögensaufbau aber viel Potenzial. Expertinnen empfehlen vor allem ein Gegenmittel.10.06.2026, 13.30 Uhr4 LeseminutenDer Schritt an den Kapitalmarkt fällt vielen Schweizerinnen schwer: Eine Frau studiert ein Kursdiagramm auf dem Handy.vgajic / E+Frauen sind beim Investieren deutlich vorsichtiger und zurückhaltender als Männer. Das Phänomen ist so weit verbreitet, dass es dafür einen Fachbegriff gibt: «Gender Investment Gap» oder zu deutsch die Investment-Lücke zwischen den Geschlechtern.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Unterschied liegt allerdings nicht daran, dass sich Frauen überhaupt nicht um finanzielle Fragen kümmern. Das zeigt eine neue Studie der Grossbank UBS. Sie hat erhoben, wie Frauen zum Thema Geld und Finanzen stehen. Dafür wurden über 1000 Frauen ab 16 Jahren befragt.Eines der Resultate: Frauen kümmern sich durchaus um Geldthemen. In einem Haushalt lebende Frauen übernehmen oft das Bezahlen von Rechnungen oder das Ausfüllen der Steuererklärung. Frauen scheuen sich auch nicht, zu reagieren, wenn finanzielle Schwierigkeiten drohen. 73 Prozent setzen dann auf Ausgabendisziplin, 56 Prozent greifen zu einer strikten Budgetkontrolle.Insgesamt schätzen 82 Prozent der befragten Frauen ihren praktischen Umgang mit Geld als gut oder sehr gut ein - ein bemerkenswert hoher Wert, wie es in der Studie heisst.Thema Vorsorge vernachlässigtDie Studie der UBS kommt aber noch zu einem weiteren bemerkenswerten Befund: Ein Drittel der befragten Frauen hat sich bisher nur wenig oder noch gar nicht mit dem Thema Vorsorge auseinandergesetzt. Und dies, obwohl dieses Thema zu den am breitesten diskutierten Gesellschaftsfragen in der Schweiz gehört.«Angesichts der hohen gesellschaftlichen Relevanz und der langfristigen Tragweite von Vorsorgeentscheidungen erscheint dieser Anteil durchaus beachtlich», heisst es dazu in der Studie.Ein ähnliches Bild zeigt sich bei einem weiteren wichtigen Geldthema, dem Investieren. Die Studie hat dazu einen Vergleich zwischen den Geschlechtern angestellt, für den auch Männer befragt wurden. 62 Prozent von ihnen gaben an, sie seien «sehr» oder «eher» am Geldanlegen interessiert.Bei den Frauen lag dieser Wert bei nur 40 Prozent und damit «spürbar unter dem Interesse der Männer», so die Studie. 64 Prozent der Frauen beschreiben ihren Investitionsstil zudem als vorsichtig. Bei den Männern liegt dieser Wert deutlich tiefer bei 45 Prozent. Aus Sicht der Autorinnen und Autoren der Studie ist noch ein weiterer Punkt bedenklich: Drei von zehn Frauen sagen, sie würden sich überhaupt nicht über Anlagethemen informieren.Wie zurückhaltend und risikoscheu Frauen beim Investieren sind, zeigt sich noch an einem weiteren Studienergebnis. Sicherheit ist für Frauen beim Anlagen das mit Abstand wichtigste Kriterium. Dieser Punkt wird von 57 Prozent der befragten Frauen genannt. Den «langfristigen Vermögensaufbau» nennen dagegen nur 34 Prozent der befragten Frauen als Ziel. Einen ganz schweren Stand hat das Thema Rendite: Nur 21 Prozent der Umfrageteilnehmerinnen nennen sie als Ziel ihrer Anlagestrategie.Verzicht auf RenditeDamit geraten viele Frauen in einen Widerspruch. 93 Prozent der befragten Frauen erachten ihre finanzielle Unabhängigkeit nämlich als wichtig, wie der Studie ebenfalls zu entnehmen ist. Dennoch scheuen viele Frauen davor zurück, renditeorientiert anzulegen. Dabei würden sie mit einer offensiveren Anlagestrategie ihre Chancen stark erhöhen, mit fortschreitendem Alter denn auch tatsächlich finanziell unabhängig zu werden.Sara Neuweiler, die Leiterin der Niederlassung Uster des Vermögenszentrums (VZ), bestätigt die Erkenntnisse der Studie. Neuweiler berät immer wieder Paare über deren bevorstehende Pensionierung. Wenn es um die Frage gehe, wie die Vorsorgegelder für den Ruhestand angelegt werden sollen, seien Frauen in der Tendenz tatsächlich vorsichtiger als Männer, sagt sie.In den Gesprächen fällt Neuweiler noch etwas anderes auf. Es seien oft die Männer, die bereits Erfahrungen mit dem Investieren gesammelt hätten, während das Thema für Frauen häufiger neu sei. Dabei sei Risikobereitschaft letztlich eine Frage der Erfahrung, sagt Neuweiler. «Wer investiert, erlebt am eigenen Leib, dass die Aktienmärkte stark fallen, aber eben auch stark steigen können. Oder dass eine Investition nach einigen Jahren tatsächlich eine erfreuliche Rendite abwirft.» Je länger man bereits investiere, desto risikoaffiner sei man.Möglichst früh investierenNeuweiler bestätigt auch, dass Frauen oftmals einen anderen Fokus beim Thema Finanzen haben. «Sie überlegen sich, wie sie alle ihre Ausgaben decken können oder wie sie sicherstellen, dass sie einen Notgroschen haben.» Doch das reiche nicht. «Wenn man sich wirklich um sein Geld kümmern will, muss man im Minimum sicherstellen, dass das Ersparte vor der Inflation geschützt ist», sagt sie.Sara Neuweilers Appell an die Frauen lautet darum, bereits in jungen Jahren zu investieren und so Erfahrung zu sammeln. «Heute lässt sich schon früh Geld anlegen, weil dafür keine grossen Beträge nötig sind», sagt sie. Der Einstieg sei für Privatpersonen unkompliziert: Man könne bereits mit wenigen Hundert Franken anfangen, etwa über sogenannte ETF-Sparpläne oder mittels Einzahlungen in die 3. Säule.Passend zum Artikel