Familienfeiern gelten gemeinhin als Orte maximaler sozialer Belastbarkeit: betrunkene Onkel, politische Diskussionen mit Oma und Opa und Kinder, die ihr Essen verschmähen und nach einer Stunde schreiend kundtun, dass sie wieder nach Hause wollen.Mein jährliches Treffen mit der Familie väterlicherseits hat mit diesen Horrorszenarien glücklicherweise wenig zu tun. Da sich ein Großteil meiner Verwandtschaft im Ruhrgebiet verteilt hat und ich in Berlin lebe, sieht man sich selten. Umso größer ist die Freude, wenn alle zusammenkommen – in diesem Jahr über Christi Himmelfahrt auf einem Landhaus nahe Emden. Die eigentliche Zerreißprobe begann erst danach – beim Versuch, Niedersachsen mit der Deutschen Bahn wieder zu verlassen.
Die Regionalbahn als soziales Großexperiment
Wer an Feiertagswochenenden mit der Bahn reist, betritt keinen Zug, sondern ein gesellschaftliches Experiment. Man stellt Menschen unterschiedlichster Herkunft, Geduld und Körpergröße auf engstem Raum zusammen und beobachtet, was passiert.
Beim Einsteigen in Emden sah alles noch harmlos aus. Meine Freundin und ich hatten Sitzplätze ergattert – ein Erfolg, dessen Ausmaß sich erst im Laufe der Fahrt zeigte und der rückblickend ungefähr auf dem Niveau eines bezahlbaren Wohnungsfundes in Berlin liegt.









