Janko hat eine schwere Krankheit, ihm bleibt nicht mehr viel Lebenszeit. Seine Schwester Zuzanna fliegt mit ihm nach New York, von dort aus wollen sie irgendwie bis zum Pazifik reisen. Dass dieses Ziel ihn reizt, hat sie sich aus der Kindheit gemerkt. Ob sie es erreichen werden, da er von der Ärztin eine wahrscheinliche Frist genannt bekommen hat, wissen sie nicht.Ein Roman mit diesem Thema könnte weise oder schwermütig sein, vielleicht auch Galgenhumor haben oder vom Glauben handeln. Marina Schwabes Roman „Rift“ ist klug, aber spart sich jeglichen Durchhaltespruch, er ist so ausbalanciert traurig, dass man zwar weinen muss, aber gleichzeitig getröstet wird, er hat einen feinen, erwachsenen Humor und kommt ohne religiöse oder spirituelle Instanz aus. Aber es gibt unerwartet großzügige, großherzige Menschen, eine Art Wunder sogar, und Gefahren kommen auch vor.

Marina Schwabes „Rift“ Buchcover

© Steidl

„Rift“: Die Erzählerin blickt auf den Bruder und die Natur

Die Schwester erzählt. Ihr Name fällt nur einmal in einem Dialog, während von Janko sehr oft die Rede ist. Sie hat ihre Arbeit bei einem Institut für ein halbes Jahr gekündigt, ihre Wohnung untervermietet und alte Pläne hervorgeholt. Sie behält unterwegs den Überblick über die knappen Finanzen und die Reiseroute. Ihre Perspektive ist einerseits touristisch (wenn man schon mal in den USA ist!) und andererseits empathisch (was ist Janko wie lange zumutbar?). Der Roman ist chronologisch aufgebaut, es gibt wenige kurze Rückblicke in die gemeinsame Kindheit auf dem Land mit Eltern, die kaum Interesse an ihren Kindern hatten. Die Kapitel sind nach den Bundesstaaten benannt.