Eddis Eltern arbeiten in einer Sportspezialschule in Mecklenburg-Vorpommern. Wenn in Andreas Martin Widmanns Roman „Eddi“ die Handlung beginnt, haben sie dort gerade gekündigt. Es ist etwas vorgefallen, und um einem Verfahren, einer Strafe oder wachsendem Social-Media-Geraune zu entgehen, entschieden die Eltern, sich woanders zu bewerben. Ihr Neuanfang wird in Japan sein. Leistungssport bleibt überall Leistungssport.
Mit den Eltern und der Verfehlung der Mutter hält sich der Roman wenig auf. Man erfährt, dass die Mutter offenbar nicht nur eine Anhängerin strenger Trainingsmethoden ist, sondern auch verbal beleidigend sein kann. Was noch vor wenigen Jahren im Spitzensport normal war, wird heute aber nicht mehr einfach hingenommen.
Blicke in eine kaputte Erwachsenenwelt
Im Zentrum des Buches steht Eddi, denn die ist gerade allein zu Haus. Der Autor erschafft für das 15-jährige Mädchen eine Art Zeitloch zwischen dem bis eben gewohnten Alltag und der Zukunft in der Fremde. Die Eltern sind schon am neuen Ort, bereiten ihr Leben vor. Eddi bleiben drei Tage in der fast vollständig ausgeräumten Mitarbeiterwohnung am Sportinternat, bis der Vater sie holen würde.
Das Internat liegt auf halber Strecke zwischen einem Dorf und Neubrandenburg. Die Ferien haben schon begonnen, alle sind abgereist, von den Freundinnen kommen nur noch spärliche Antworten auf ihre Handynachrichten. „Sie haben mich schon abgehakt, dachte sie, sie warten nur drauf, dass jemand anderes für mich kommt und am Rand sitzt und sie anfeuert.“ Doch so öde eigentlich alles um sie her ist, erlebt Eddi Abenteuer, die ihr Blicke in eine kaputte Erwachsenenwelt gestatten. Vieles, was abgeklärte Menschen als unerheblich abtun würden, ist aus der Perspektive der Jugendlichen wesentlich deutlicher und schwerwiegender. Das zu zeigen, ist die Stärke des Buchs; sie überdeckt kleine erzählerische Schwächen.







