Die Ufo-Akten der Schweizer Armee: Was leuchtet da über dem Bielersee?Donald Trump sorgt mit der Veröffentlichung von Aufnahmen fliegender Untertassen für Aufregung. Auch die Schweizer Behörden dokumentierten im Kalten Krieg Sichtungen unbekannter Flugobjekte. Besonders spannend sind die Schilderungen dreier Kampfpiloten von 1971.24.05.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenEin Mirage-Kampfflugzeug der Schweizer Armee. Die Piloten, die Anfang der siebziger Jahre über der Schweiz helle Lichtpunkte beobachteten, waren in solchen Maschinen unterwegs.Jean-Christophe Bott / KeystoneAm Abend des 2. März 1971 startet in Payerne eine Mirage der Schweizer Luftwaffe. Der geplante Nachtflug ist nichts Besonderes, eine Routineübung. Doch als die Maschine rund dreissig Kilometer nordöstlich des Militärflugplatzes über dem Bielersee die Wolkendecke durchbricht, bemerkt der Pilot auf einmal etwas Eigenartiges. «Ich schaute zurück und sah (. . .) über dem Horizont eine starke, weisse Lichtquelle.» Was da so leuchtet, vermag der junge Offizier nicht zu identifizieren, wie er seinem Vorgesetzten berichtet. «Im ersten Moment glaubte ich, ein Flugzeug mit eingeschaltetem Landescheinwerfer fliege auf mich zu, stellte dann aber bald fest, dass das Licht stationär blieb.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dieses Licht, so der Pilot, habe einen ununterbrochenen, kegelförmigen Kondensstreifen nach sich gezogen. «Der helle Lichtpunkt an der Spitze des Kegels entfernte sich langsam gegen Westen und begann unregelmässig nach links und rechts zu schwingen.» Dann verliert die Erscheinung «an Leuchtkraft», bis sie schliesslich, um kurz vor halb acht, verblasst. Was könnte es gewesen sein, das der Pilot da gesehen hat?Wann immer etwas Unbekanntes am Himmel auftaucht, ist für manche weiter unten auf der Erde rasch klar: Da zieht ein Ufo samt extraterrestrischer Besatzung seine Bahnen. Vor kurzem hat der amerikanische Präsident Donald Trump die Verschwörungstheoretiker aller Länder in Ekstase versetzt, als er mit grossem Tamtam bislang geheime «Ufo-Akten» veröffentlichte. Echten Erkenntnisgewinn liefert das Spektakel nicht. Die körnigen Aufnahmen beweisen eher die Sammelwut amerikanischer Beamter, ziemlich sicher nicht die Existenz ausserirdischen Lebens.Sputnik und SpioneWenig bekannt ist, dass auch die Schweizer Behörden jahrelang Akten über unbekannte Flugobjekte anlegten. Die Abteilung für Flugwesen und Fliegerabwehr im Eidgenössischen Militärdepartement entwarf bereits in den fünfziger Jahren eigens einen dreisprachigen «Fragebogen für Beobachtungen von Ufos», den Zeugen ausfüllen konnten. Wie verbreitet das Dokument verwendet wurde, ist unklar. Sicher aber ist: Einige Schweizerinnen und Schweizer meldeten sich tatsächlich bei den offiziellen Stellen. Ihre Schilderungen finden sich, sauber abgelegt und teils sogar digitalisiert, in den Beständen des Bundesarchivs und der Bibliothek am Guisanplatz in Bern.Es überrascht nicht, dass sich seinerzeit vor allem die Militärs für die Phänomene interessierten. Sie fürchteten weniger unbekannte Besucher in fliegenden Untertassen als ungebetene Gäste aus Moskau: Es war die Zeit des Kalten Krieges. Als die Russen 1957 ihren Sputnik-Satelliten ins All beförderten, schockierte das den Westen und mit ihm die Schweiz. Einige Jahre später machten Gerüchte über Spionageflugzeuge Schlagzeilen, die angeblich das Land auskundschafteten.Der Nachtflug über dem Bielersee warf hingegen keine grossen Wellen. Drei Wochen nach seiner Landung lieferte der Pilot einen Bericht ab, damit war der Fall erledigt. Dabei meldeten in dieser Zeit gleich mehrere Militärpiloten ähnliche Erscheinungen. So sah ein Hauptmann, der am 23. Februar 1971 auf etwa 9000 Metern Höhe über Interlaken unterwegs war, gegen 19 Uhr 15 einen sehr hellen Lichtpunkt. «Er zieht einen starken, hell erleuchteten Schweif hinter sich her», notierte er später.In derselben Nacht und ebenfalls kurz nach 19 Uhr kurvte ein weiteres Militärflugzeug über der Region Winterthur. «In diesem Moment wurde ich durch ein stark weiss leuchtendes Objekt, welches sich mit grosser Geschwindigkeit von mir wegbewegte, geblendet», schrieb dessen Pilot in seinem Rapport. Eine Rückfrage bei der Radarstation Dübendorf habe keine Rückschlüsse geliefert.Keiner der Offiziere stellte Spekulationen über die Natur der fliegenden Lichter an. Was in diesen Nächten im Februar und März 1971 über der Schweiz aufleuchtete – ein Meteor vielleicht oder doch ein entferntes Flugzeug? – wird nie geklärt. Die Unterlagen in den Archiven geben keine Hinweise darauf, dass die Armee die Vorfälle genauer untersucht hätte.Der Ufo-Archivar geht in PensionEine Art Ufo-Handbuch, das der Nachrichtendienst der Fliegertruppen 1975 «für den dienstlichen Gebrauch» zusammenstellte, hält fest: «Wer also am Himmel etwas beobachtet, das ihm ungewöhnlich erscheint, kann sich mit fast hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass er einen mehr oder weniger gewöhnlichen Vorgang vielleicht unter etwas ungewohnten Umständen sieht.» Unklug und verfehlt wäre es da, «einer undisziplinierten Phantasie freien Lauf zu lassen».Die Erlebnisse der drei Piloten gingen vergessen. Bis 2024 ein RTS-Journalist einen von ihnen aufspürt. Dieser, inzwischen ein älterer Herr, möchte aber lieber nicht vor der Kamera Auskunft geben. Zu diesem Zeitpunkt hat der Bund längst aufgehört, angebliche Ufo-Meldungen zu sammeln. Die Erklärung dafür ist ziemlich unspektakulär. Der zuletzt mit dieser Aufgabe betraute Angestellte war schlicht und einfach bereits Ende der achtziger Jahre in Pension gegangen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Die Ufo-Akten der Schweizer Armee
Donald Trump sorgt mit der Veröffentlichung von Aufnahmen fliegender Untertassen für Aufregung. Auch die Schweizer Behörden dokumentierten im Kalten Krieg Sichtungen unbekannter Flugobjekte. Besonders spannend sind die Schilderungen dreier Kampfpiloten von 1971.











