Alessandro Vogt hat die Aufsteigergeschichte der Saison geschrieben – jetzt fehlt im Cup-Final nur noch das Happy EndIn Bern trifft der Stürmer am Pfingstsonntag mit dem FC St. Gallen auf Stade Lausanne-Ouchy. Wie weit kann einer kommen, der einfach sein Ding durchzieht?24.05.2026, 05.30 Uhr5 Leseminuten15 Tore mit 21 Jahren: Alessandro Vogt, der Schweizer Stürmer, der bald nach Hoffenheim weiterzieht.Gian Ehrenzeller / KeystoneEr gehe «da relativ entspannt rein», sagt Alessandro Vogt, und eigentlich ist bei solchen Fussballeraussagen ja Skepsis angebracht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das «da» im Satz von Vogt ist ein Platzhalter für den Cup-Final, der am Sonntag in Bern ansteht. Der FC St. Gallen, der Klub des Stürmers Vogt, gegen Stade Lausanne-Ouchy, den Aussenseiter. Und wer sich in letzter Zeit in die Ostschweiz aufmachte, der fand dort Leute, die vor dem Ticketschalter übernachtet hatten, um eine Karte für den Cup-Final zu ergattern. Er fand einen Klub, der das Motto «Mached eu unsterblich» auf Fanartikel druckte. Eines jedoch fand er bestimmt nicht: entspannte Menschen.Aber vielleicht ist es bei Vogt wirklich genau so, wie er das sagt. Einmal hat er diese Saison auch erklärt, dass er nicht viel überlege, sondern einfach mache. Und so war es ja auch. Vogt machte einfach. Am Ende waren ihm 15 Tore in der Super League gelungen, mit 21 Jahren, als Schweizer Stürmer. Was in dieser Kombination nicht alle Tage vorkommt.Vogt hat eine Aufsteigergeschichte von bestechender Einfachheit geschrieben, weil er aus dem Nichts nach oben schoss. Im Cup-Final bietet sich die Gelegenheit zum Happy End.Ein ungewöhnlicher WegÜber den Cup heisst es hin und wieder, dass er den Leuten nicht mehr so wichtig sei wie früher, aber der Final entfaltet immer noch viel Kraft. Das wird sich im Wankdorf wieder zeigen. Zehntausende in Grün-Weiss, Fanmarsch, grosse Träume.Es geht am Sonntag für viele um viel. Ganz generell für den FC St. Gallen, der erst vier Titel gewonnen hat, den letzten im Jahr 2000. Für Matthias Hüppi, den Präsidenten, der den Klub gut aufgestellt hat, aber noch auf die Vollendung wartet. Für Lukas Görtler, den ewigen Captain.Und auch für Alessandro Vogt, den Stürmer, dessen Zeit bei den Ostschweizern in Bern zu Ende geht. Der Cup-Final noch, dann zieht Vogt weiter, nach Hoffenheim in die Bundesliga.Als Vogt im letzten Juli zum ersten Mal in der Startformation auftauchte, da wussten sie in der Ostschweiz schon, dass sie da einen in ihren Reihen haben, der viel verspricht. Aber wie gut es dann kam, hat auch sie überrumpelt.Es kam so: Nach 5 Spielen hatte Vogt 5 Tore erzielt. Eines Tages sass Alex Frei im Studio des Fernsehsenders Blue und erklärte, dass er schon sagen müsse: Dieser Vogt habe «interessante Anlagen», als erster junger Schweizer Stürmer seit langem. Viel überschwänglicher macht es Frei, als Rekordtorschütze des Nationalteams der oberste Stürmerexperte im Land, nicht mehr.Damals, im Spätsommer, bricht eine Art Vogt-Hype aus, aus dem auch eine Sehnsucht spricht: die nach dem Stürmer, der einfach nur stürmt und schiesst und trifft. Vogt hat erst eine Handvoll Spiele als Profi gemacht, aber schon wird er als Nationalspieler gehandelt, als Kandidat für die WM.Ins Kader von Murat Yakin hat Vogt es nicht geschafft. Aber auf die Pikettliste, das wurde diese Woche bekannt. Was immer noch erstaunlich ist, weil ein Karriereweg wie der von Vogt selten geworden ist.Schon früh drehen die Klubs heute jeden Stein um, damit ihnen kein Talent entgeht. Wer auch nur andeutet, dass er ein Diamant werden könnte, wird in den Leistungszentren früh geschliffen. Auch Vogt, der in Wohlen aufwächst, wo sein Vater heute SVP-Gemeindeammann ist, schafft es in dieses System. Doch dann spuckt es ihn aus. Mit 16 Jahren wird er beim FC Aarau aussortiert. Aber Vogt macht, was er auch später machen wird: einfach weiter. Er geht heim nach Wohlen, 1. Liga Classic, vierthöchste Spielklasse.Ein Tor in einem Cup-Spiel gegen Servette bringt ihm Aufmerksamkeit. Wechsel nach St. Gallen mit 18, zweieinhalb Jahre im U-21-Team, und dann eben: Sommer 2025, Durchbruch, Profivertrag. Vogts Spiel merkt man immer noch an, dass er nicht den üblichen Weg hinter sich hat. Er hat sich etwas Rohes, Ungeschliffenes bewahrt. Jedem Ball jagt er hinterher, und sobald es irgendwie geht, drischt er ihn aufs Tor. Das feine Kombinationsspiel dagegen ist nicht seine Sache. Vogt macht einfach.Wenn Roger Stilz, der St. Galler Sportchef, über ihn spricht, bleibt dieser Satz hängen: Dass Vogt nicht hadere, nie, sich nicht unterkriegen lasse. Das, sagt Stilz, mache Vogt aus und unterscheide ihn von vielen anderen Stürmern.Der St. Galler LapsusFür Stilz und den FC St. Gallen hat Vogts Aufsteigergeschichte zwei Seiten. Sie stellt dem Klub ein gutes Zeugnis aus, weil er Vogt Platz gewährte, um zu wachsen, und seinen Weg nicht mit einem ausländischen Konkurrenten verstellte. Das ist bei weitem nicht allen Schweizer Talenten vergönnt.Jetzt zieht Vogt weiter, aber St. Gallen erhält nur dafür 2,5 Millionen Franken, einen Preis, der weit unter dem Marktwert liegt. Als die St. Galler vor Saisonbeginn den Vertrag des aufstrebenden Vogt verlängern wollten, handelte sein Berater eine entsprechende Ausstiegsklausel aus. Dass der Klub zustimmte, sollte sich bald als kostspieliger Fehler herausstellen.Gerade noch die St. Galler U 21. Jetzt auf WM-Pikett. Und bald Hoffenheim. Gerade noch, bis im letzten Sommer, ein tiefer, wirklich tiefer vierstelliger Monatslohn. Nun stösst Vogt in ganz andere Sphären vor.In St. Gallen versuchten sie im Herbst noch, den Spieler mit einem neuen Vertrag zum Bleiben zu bringen; dass er ablehnte, hat für Enttäuschung gesorgt. Als Vogt seine Entscheidung im März erklärte, meinte er, man wisse ja nie, was die Zukunft noch für Optionen bringe. Die vielen Tore, die tiefe Ausstiegsklausel: Das hat Marktkräfte in Gang gebracht. Ob der rasche Wechsel für seine Karriere der richtige Schritt ist, muss sich noch weisen.Vogt ist zwei Menschen in einem. Auf dem Platz strotzt er vor Kraft, entfaltet eine Wucht, die Verteidiger plagt. Daneben beschreiben ihn Leute, die ihn gut kennen, als gutmütig, zurückhaltend, eher sensibel. Lange hat ihn der Klub von den Medien ferngehalten. Wenn er doch einmal vor einer Fernsehkamera stand, wirkte er wie jemand, der sich noch schwertut mit der ganzen Aufmerksamkeit.Es ist schnell gegangen für Vogt, vielleicht zu schnell. In den ersten 5 Einsätzen erzielte er 5 Tore. In den nächsten 30 waren es noch 10. Und jetzt: Bundesliga.Vogt wäre nicht der erste Stürmer, dem in der Schweiz viele Tore gelingen und der es im Ausland dann schwer hat. Das erging jüngst Willem Geubbels so, seinem ehemaligen Klubkollegen. Zan Celar, dem einstigen Lugano-Stürmer. Kevin Carlos. Jean-Pierre Nsame, dem mehrfachen Torschützenkönig. Jordan Siebatcheu. Und so weiter. Wenn Vogt im Sommer in Hoffenheim anfängt, wird es daher auch ein wenig um die Frage gehen, wie viel ein Tor in der Schweizer Super League noch wert ist.Aber vor allem darum, wie weit man kommt, wenn man einfach immer macht. Und darum, ob das geht: einfach nie hadern.Passend zum Artikel