PfadnavigationHomeKulturMilliarden-Dollar-AuktionenWas lebt, ist der Kunstmarkt der TrophäenStand: 14:11 UhrLesedauer: 4 MinutenDie Brancusi-Büste „Danaide“ wurde zum Rekordpreis versteigert. Ob Nicole Kidman mitgeboten hat? Quelle: © 2026 VG Bildkunst Bonn; Foto: Hunter Abrams/Christie's/dpaDie Auktionen in New York machen trotz der Flaute im Kunsthandel deutlich: Für erstklassige Kunst – Miró, Pollock, Rothko, Basquiat – ist reichlich Geld da. Doch die Rekorde sind kein Signal für die ganze Branche.New York hat einen Höhenrausch erlebt wie lange nicht mehr. Bei den „Evening Sales“ der beiden großen Auktionshäuser wurde Kunst für rund 1,9 Milliarden Dollar versteigert. Sotheby’s machte am 14. Mai mit 433,1 Millionen Dollar den Auftakt zur Auktionswoche, am 19. Mai kamen noch einmal 303,9 Millionen hinzu. Christie’s erzielte allein am 18. Mai dann 1,12 Milliarden Dollar und betonte, es sei überhaupt erst das zweite Mal gewesen, dass das Haus an einem einzelnen Auktionsabend diese nicht nur medial bedeutsame Schwelle überschritten habe. Dem Kunstmarkt scheint es also gut zu gehen. Für das High-End-Geschäft mit Bluechips, jenen Werken berühmter Künstler von gut abgehangener Qualität, war die vergangene Woche jedenfalls ein Erfolg. Der Markt für Trophäen der Superreichen, die der Kunsthandel lieber im Finanzjargon Ultra-High-Net-Worth-Individuals nennt, funktioniert. Eine Entwarnung für den allgemeinen Kunstmarkt, der seit Jahren von sinkender Nachfrage, schwächelndem Angebot, Galerieschließungen und einer nervösen Weltwirtschaft gedämpft wird, bedeuten die Fabelzahlen aus Manhattan allerdings nicht. Eher zeigen sie eine Flucht in sichere Werte: Außergewöhnliche, museale Kunstwerke, zumal aus bekannter Provenienz, genießen weiterhin das Vertrauen der vermögendsten Käufer.Tatsächlich ließ die Qualität des Angebots wenig Zweifel zu. Gleich drei erstklassige Gemälde von Mark Rothko waren im Angebot. Ein frühes Gemälde von 1949, „No. 1“, brachte bei Sotheby’s 20,8 Millionen Dollar. Das eindrucksvolle „Brown and Blacks in Reds“ von 1957 hing einst im Seagram Building in Manhattan und wurde am 14. Mai für 74 Millionen Dollar zugeschlagen, mit Aufgeld also für 85,8 Millionen Dollar verkauft – das zweitbeste Auktionsergebnis für Rothko überhaupt. Das Bild stammt aus dem Nachlass des Investmentbankers und Kunsthändlers Robert Mnuchin, der im Dezember 2025 starb. Zu den weiteren Werken aus seiner Sammlung gehörte auch Jean-Michel Basquiats großes Gemälde „Museum Security (Broadway Meltdown)“, das für 52,7 Millionen Dollar verkauft wurde.Christie’s wiederum versteigerte einen Rothko aus der Sammlung von Agnes Gund, der 2025 verstorbenen, emeritierten Präsidentin des Museum of Modern Art in New York. Das Gemälde „No. 15 (Two Greens and Red Stripe)“ von 1964 erzielte 98,4 Millionen Dollar und stellte damit einen neuen Rothko-Rekord auf. Gund hatte das Bild beim Künstler erworben und jahrzehntelang in ihrer Wohnung hängen gehabt. „Dieses Gemälde war so präsent, als wäre eine weitere Person mit einem im Raum“, beschrieb es der Direktor der Neuen Nationalgalerie Klaus Biesenbach.Lesen Sie auchFür Joan Miró und sein „Porträt der Madame K.“ von 1924 setzte Christie’s mit 53,5 Millionen Dollar ebenfalls einen neuen Auktionsrekord. Und auch Jackson Pollock schrieb nach einem siebenminütigen Bietergefecht einmal mehr Auktionsgeschichte: Sein „Number 7A“ von 1948 brachte 181,2 Millionen Dollar und stieg damit in der Liste der teuersten Gemälde bei Auktionen auf Platz vier. Das Werk kam aus der Sammlung des 2017 verstorbenen Condé-Nast-Verlegers Si Newhouse, dessen Kunstbesitz allein an diesem Abend 630,8 Millionen Dollar einspielte.Auch um Constantin Brancusis Bronzebüste „Danaide“ rangen mehrere Bieter – am Ende fiel auch hier ein Rekord. Mit 107,6 Millionen Dollar wurde das Werk nicht nur zum teuersten Brancusi-Werk überhaupt, sondern auch zur zweitteuersten Skulptur, die je bei einer Auktion verkauft wurde. Brancusi ist derzeit in der Neuen Nationalgalerie in Berlin mit einer großen Ausstellung präsent. Auf das kommerzielle Potenzial von Brancusi vertraut auch die global agierende Pace Gallery, die wenige Stunden vor der Auktion bekanntgab, nun exklusiv den Brancusi-Nachlass zu verwerten.Lesen Sie auchRekorde haben für die Branche einen enormen psychologischen Effekt, sie sind aber kein belastbares Aufbruchssignal für den breiten Markt. Einige extrem teure Kunstwerke haben auch dieses Mal die Gesamtsumme in die neunstellige Höhe getrieben. Dass ein erheblicher Teil der Lose durch Garantien abgesichert war, relativiert allerdings die Aussagekraft der Ergebnisse. Spektakuläre Zahlen sind eben nicht unbedingt repräsentativ. Sie zeigen vor allem, dass sehr reiche Sammler und Investoren wieder bereit sind, bei Spitzenwerken aggressiv zu bieten.Für potenzielle Einlieferer hoch bewerteter Objekte ist das tatsächlich eine wichtige Botschaft der zurückliegenden Versteigerungen: Nach einer Phase, in der viele Eigentümer zögerten, können solche Erfolgsauktionen die Angebotsseite wieder öffnen. Denn gerade Nachlassverwalter und Stiftungen, aber auch Privatsammler brauchen immer mal sichtbare Belege dafür, dass im Markt höchste Preise realisiert und Werte gesteigert werden können.